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Kommentar

Wie Greta als grüne Imagepolitur missbraucht wird

Soeben hat Greta Thunberg ihren 15. internationalen Preis verliehen bekommen: von Amnesty International. Wer dabei mehr von der Preisvergabe profitiert ist fraglich.
Katja Fischer De Santi
Katja Fischer De Santi

Katja Fischer De Santi

Greta Thunberg sammelt internationale Auszeichnungen wie ihre Altersgenossen Markenturnschuhe. Soeben hat die schwedische Klima-Aktivistin von Amnesty International den sogenannten Ambassador of Conscience Award («Botschafter des Gewissens Preis») erhalten. Es ist ihre 15. Auszeichnung innerhalb von nur eineinhalb Jahren. Die 16-Jährige ist innert kürzester Zeit vom Mädchen mit dem Pappkarton, zur globalen Persönlichkeit und Ikone der Klimaschutzbewegung aufgestiegen. Anerkennungen und Preise pflastern ihren Weg genauso wie Häme und Kritik.

Im November vor einem Jahr ist Greta für die schwedische Fryshuset-Stiftung noch «das junge Vorbild des Jahres». Vier Monate später ist sie der Teenager-Kategorie entwachsen und wird vom «Time» Magazin in den Club der «100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt» aufgenommen. Es folgen Ehrendoktorwürde, Umweltmedaille und schliesslich die Nomination für den Friedensnobelpreis.

Nur Barack Obama hat mehr Vorschusslorbeeren erhalten

Mehr Ehre geht nicht, mehr Vorschusslorbeeren hat nur Barack Obama bekommen, der aber musste dafür 48 Jahre alt und US-Präsident werden. Zwar würden noch nicht mal Gretas grösste Fans sie als Menschrechtsaktivistin bezeichnen, aber «Klimaschutz ist das wichtigste Thema der Gegenwart, weil der Klimawandel Milliarden Menschen und ihre Lebensgrundlage gefährdet», heisst es in der Begründung von Amnesty International.

Ein Film- und Fernsehpreis für Greta

Ja, Klimaschutz ist das Thema der Stunde. Erst gestern wurde bekannt, dass neue Modellrechnungen die Aussichten gegenüber bisherigen Berechnungen verdüstern könnten. Wer Greta und ihre «Friday for Future» Bewegung ehrt, kann sich grosser internationaler Aufmerksamkeit gewiss sein. Um Klimaschutz geht es dabei manchmal nur oberflächlich. So etwa die Verleihung der «Goldenen Kamera» an Greta im März 2019. Die Veranstalter des deutschen Film- und Fernsehpreises hatten eigens für Greta eine neue Kategorie geschaffen. Die Schwedin erschien brav zur Verleihung, widmete den Preis den Aktivisten im Hambacher Forst und rief die Prominenten im Saal auf, sich für Klimaschutz einzusetzen. Es wurde euphorisch applaudiert, Zustimmendes in die Kameras gesagt und wenig später erhielt eine Nachwuchsschauspielerin vom Hauptsponsor des Abends ein benzinbetriebenes Auto geschenkt.

Greta auf dem Cover eines Lifestylemagazins

Wie gut Greta als Imagepolitur und Aufmerksamkeitsbooster funktioniert, demonstrierte vor einigen Wochen das englische Männermagazin GQ. Das Lifestyleheft hat Greta Thunberg zum «Game Changer of The Year» gekürt. Auch diese Auszeichnung ist neu – und wurde extra für Thunberg geschaffen. Sie posierte als Gegenleistung im übergrossen Anzug und weissen Hemd auf dem Cover der aktuellen Ausgabe. Das Bild wurde millionenfach geteilt und abgedruckt. Ein Magazin, das dafür bekannt ist halbnackte Models auf dem Cover abzubilden, wird weltweit plötzlich mit Klimaschutz und einer jugendlichen Protestbewegung in Verbindung gebracht.

Wem nützen also all diese Preise? Der ausgezeichneten Greta oder den auszeichnenden Organisationen, Institutionen und Medien? Greta könnte die Auszeichnungen ablehnen, könnten den Preisverleihungen fern bleiben. Doch dieses Mädchen hat eine Mission. Sie nutzt jede Bühne, die sich ihr bietet, um für ihre Sache zu werben. Immer wieder ihren Appell an die Weltöffentlichkeit zu richten, weil sie überzeugt ist, dass uns die Zeit davonrennt. Sie wird dabei nicht nur von Preisen und Auszeichnungen überschüttet, tagtäglich prasseln Unmengen an Häme, Hass und Neid über die junge Frau. Sie nimmt es in Kauf, dass über jeden Aspekt ihres Lebens, sei es ihr Asperger-Syndrom, ihren Segeltrip, ihre Zöpfe oder ihre Eltern, berichtet und gelästert wird.

Preise stärken ihr den Rücken

Die internationalen Auszeichnungen dürften eine kleine Genugtuung sein. Aber vor allem gewinnt Greta Thunberg mit jedem Preis, den sie sich in die Schrankwand stellt, Geld, Bekanntheit und Verbündete dazu. Denn die Auszeichnungen und Titel, wie berechnend auch immer vergeben, bedeuten für eine so junge und jugendliche Bewegung wie «Friday for Future« auch: «Wir hören euch zu, wir nehmen euch ernst.» Darum geht es Greta. Und dafür lächelt sie dann ausnahmsweise in die Kameras.

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