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Wie definiert man eigentlich Intelligenz?

Intelligenztests und deren Aussagekraft sind umstritten. Die Test werden in der Regel angewendet, um Fertigkeiten und Kompetenzen zu messen und um zu vergleichen. Psychologen nutzen dazu unterschiedlichste Theorien und Modelle.
Christoph Bopp

Über das Verhältnis zwischen Intelligenz und Intelligenztest sagen die einen: Intelligenztests sind nichts anderes als verkappte Vorurteile und messen alles Mögliche, nur nicht Intelligenz. Die anderen: Intelligenz ist, was der Intelligenztest misst. Und ganz viele sagen: Wir wissen gar nicht, was Intelligenz ist. Letzteres im Wissen, dass sie sehr wohl einen intelligenten von einem weniger intelligenten Menschen unterscheiden können.

Müssen wir wissen, was Intelligenz ist, um sie messen zu können? Die Antwort mag überraschen: Nein, wir müssen es nicht wissen. Aber wir müssen angeben, was wir messen. Die Psychologen sagen: Wir messen, um zu vergleichen. Intelligenztests sollen immer eine klare konkrete Frage beantworten. Eben gerade nicht: Wie intelligent bin ich? Sondern: Ist es angezeigt, dass der leicht nervöse Hans eine Klasse überspringt? Oder: Schafft es Fritz, ein Universitätsstudium erfolgreich abzuschliessen? Deshalb dürfen Psychologen behaupten: Intelligenztests sind etwas vom Verlässlichsten, was wir haben. Denn ihre Prognosekraft ist gross.

Amerikanische und britische Pionierarbeit

Die Korrelation zwischen dem gemessenen Wert und dem Lebenserfolg des Individuums ist sehr hoch. Sagt der Test: Ja, Fritz kann es schaffen, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass Fritz dann den Master schafft, 80 Prozent und höher. Hohe Korrelation zeigt sich auch bei IQ-Tests und dem späteren Einkommen.

Natürlich entstammen die Fertigkeiten und Kompetenzen, die gemessen werden sollen, bestimmten Vorstellungen oder Theorien über Intelligenz. Massgebende Inputs kamen von drei bedeutenden Psychologen. Dem Briten Charles Edward Spearman (1863–1945) fiel auf, dass die Ergebnisse verschiedener Tests positive Korrelation zeigten. Daraus schloss er, dass es einen allgemeinen Intelligenzfaktor geben müsse. Den nannte er «general intelligence» oder «g-Faktor». Die Unterschiede in den Tests erklärte er mit speziellen Faktoren: «s-Faktoren» (sprachlich, numerisch, figural – je nach Test).

Der Amerikaner Louis Leon Thurstone (1889–1955) erweiterte Spearmans «Zwei-Faktoren-Theorie» und führte intellektuelle Leistungen auf sieben «Primärfaktoren» zurück: Verbale Kompetenz, Wortflüssigkeit (rasches Produzieren eines Wortes in einer bestimmten Situation), Rechenfähigkeit, Räumliches Vorstellungsvermögen, Merkfähigkeit (Kurzzeitgedächtnis), Wahrnehmungsgeschwindigkeit und Schlussfolgerndes Denken.

Der britisch-amerikanische Persönlichkeitspsychologe Raymond Bernhard Cattell (1905–1998) differenzierte das Modell und hierarchisierte es. Er sah zwei übergeordnete Faktoren: die «fluide Intelligenz» (gf) und die «kristalline Intelligenz» (gc). Unter «fluid» verstand Cattell die Fähigkeit, sich an neue Situationen anpassen zu können, neue Probleme lösen zu können, ohne auf erworbenes Wissen zurückgreifen zu können, und neue Muster und Analogien zu erkennen. «Kristallin» bedeutet erlerntes Wissen abrufen und Fertigkeiten anwenden können. «Kristalline Intelligenz» ist kumulativ und bleibt lange erhalten – und wächst natürlich desto schneller, je grösser die «fluide Intelligenz» ist.

Es braucht eine verlässliche Skala

Das Berliner Struktur-Modell (BIS) integrierte die Vorschläge und unterschied inhaltliche (bildhaft, verbal, nummerisch) und operative Fähigkeiten (Bearbeitungsgeschwindigkeit, Merkfähigkeit, Einfallsreichtum, Verarbeitungskapazität), die sich gegenseitig bedingen und unterstützen. Messen und vergleichen braucht eine verlässliche Skala. Und diese ergibt sich nicht einfach so. Die Ergebnisse von Intelligenztests müssen mit mathematischen Methoden «normiert» werden, um aussagekräftig und vergleichbar zu werden. Die Intelligenz in einer Population ist normal verteilt. Dort, wo sich die meisten Menschen treffen, markiert man den Wert 100. Je ein Drittel liegt zwischen 85 und 100 und zwischen 100 und 115. 130 und mehr Punkte (Hochbegabung) erreichen nur rund zwei Prozent der Bevölkerung. Nochmals: Das ist mit mathematischen Tricks so eingerichtet worden. Und noch etwas: Am intelligentesten sind diejenigen Menschen, die zufrieden sind mit ihrem Leben, wie hoch auch immer ihr Intelligenzquotient sein mag.

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