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Wespenplage: Sie lassen uns nicht im Stich

Jetzt schwirren sie wieder gierig um Grilladen und Glace. Die gelb-schwarzen Nervensägen haben aber zu Unrecht einen schlechten Ruf.
Melissa Müller/Florian Raatz (Grafik)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Der Klassiker im Sommer: Kaum sitzt man bei Kaffee und Kuchen, surrt es am Tisch. Mit wedelnden Flugbewegungen checken Wespen, wo es etwas zu naschen gibt. Süsses zieht sie magisch an. Und Fleisch. Im August ist es am schlimmsten. Weil ihr natürliches Nahrungsangebot knapp wird, stürzen sie sich auf das Essen der Menschen. Und machen uns nervös.

Meistens handelt es sich um eine Deutsche oder Gemeine Wespe, die bei Tisch nervt. Sie ist grellgelb, giftig und hat die berühmte Wespentaille. Wie ihre Verwandte, die Biene, lebt sie sozial in einem Volk mit bis zu 10'000 Arbeiterinnen. Ihr Nest baut sie in Erdhöhlen, indem sie Holz raspelt, das sie mit ihrem Speichel zu Papierbrei verarbeitet. Eigentlich ist sie Vegetarierin, sie ernährt sich von Nektar und reifen Früchten. Aber ihre Larven brauchen Proteine. Um die Brut aufzupäppeln, jagt die Wespe Insekten. Hat sie eine Fliege gefangen, zerlegt sie das Tier vor Ort, schluckt es stückweise hinunter, fliegt zu ihrem Nest und würgt es für die Larven wieder aus.

Wespen räumen auf

Ein Wespenvolk vertilgt pro Sommer mehrere Kilo Fliegen und Mücken. Auch Schädlinge wie die Kohlweisslingsraupe bringen sie zur Strecke. Eigentlich ganz praktisch. Ebenso wie die Bienen bestäuben sie Blumen. Dennoch haben sie einen schlechten Ruf. «Dabei ist ein Bienenstich viermal giftiger als ein Wespenstich», sagt Hannes Baur, Wespenforscher und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Naturwissenschaftlichen Museum Bern.

«Die Bienen produzieren Honig, darum mögen wir sie.»

Wespen, Bienen und Ameisen gehören zu den Hautflüglern. Es gibt gegen 8000 Wespenarten auf der Welt. Nur 20 Arten davon sind gelb-schwarz gestreift, darunter die Gemeine und die Deutsche Wespe – die einzigen zwei, die Menschen beim Essen belästigen. 10 der 20 gelb-schwarzen Arten sind Feldwespen, die in kleinen Kolonien leben und absolut harmlos sind. Auch das kleinste Insekt der Welt ist eine Wespe, sie ist nur ein Zehntel Millimeter gross.

Die meisten Wespenarten sehen ganz anders aus als die Wespen, die man kennt. Der Berner Biologe Hannes Baur erforscht seit 1991 parasitäre Wespen, die auf Kosten eines Wirts leben. Sie legen ihre Eier mit ihrem spitzen Legestachel in andere Insekten wie Käfer oder Schmetterlingspuppen hinein. Einmal geschlüpft, fressen die Larven ihre Wirte von innen auf und brechen schliesslich aus den sterbenden Körpern, um sich zu verpuppen. Insektenfreunde vermuten, dass sich der Science-Fiction-Film «Alien» davon inspirieren liess.

Die Wespe erklärt

  • 1 Die Fühler Die Wespe riecht mit ihren Antennen. Sie hat einen hoch entwickelten Geruchssinn. Parasitäre Wespen riechen mit ihren Fühlern durch eine Baumrinde hindurch, ob sich darunter ein potenzieller Wirt befindet.
  • 2 Die Mundwerkzeuge An ihrem groben Kiefer und den Mundwerkzeugen sieht man, dass sie räuberisch leben. Sie können beissen, kauen, Holz raspeln.
  • 3 Die Wespentaille Die Wespentaille macht, dass das Hinterteil der Wespe äusserst beweglich ist. Sie ist charakteristisch für die Wespe und besteht aus einem komplexen Scharnier.
  • 4 Die Farbe Gelb-schwarz gestreift signalisiert Fressfeinden wie Vögeln Gift und Gefahr. Das Insekt warnt gut sichtbar davor, es zu verzehren. Viele harmlose Schwebefliegen haben diesen Trick kopiert.
  • 5 Der Stachel Der Stachel war ursprünglich ein Legebohrer. Das Organ entwickelte sich im Laufe der Evolution zu einem Stechstachel mit Giftdrüse. Nur die Weibchen stechen, die Männchen besitzen keinen Stachel.

Die Wespenjägerin

Ein Hornissennest im Garten ist der beste Schutz gegen Wespen: Sie sind ihre ärgsten Feinde. Hornissen jagen Wespen – nebst Spinnen, Fliegen, Heuschrecken und Raupen. Ein Hornissenvolk vertilgt bis zu 500 Gramm Insekten pro Tag. Die Riesen unter den Wespen imponieren durch ihre Grösse (bis zu 3,5 cm) und ihr lautes Brummen. Sie haben einen rötlichbraun gefärbten Torso. Wie die Wespen leben sie nur ein Jahr. Ihr Stich könne ein Pferd töten, hiess es früher. Das gehört ins Reich der Legenden: Ein Hornissenstich ist weniger toxisch als jener einer Biene oder Wespe. Sie scheuen Menschen und mögen keine Süssigkeiten. Am liebsten bauen sie ihr Nest in einem hohlen Baum. Solche toten Bäume werden jedoch meistens gefällt. Hornissen sind selten, sie stehen auf der «Roten Liste» der bedrohten Tierarten der Schweiz. Deshalb sollte man Hornissenvölker wenn immer möglich leben lassen.

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