Physik-Nobelpreis geht erstmals seit 1963 wieder an eine Frau – für
Werkzeuge aus Licht

Mit Donna Strickland bekommt erst die dritte Frau den Nobelpreis für Physik – zusammen mit Arthur Ashkin und Gérard Mourou. Ihr Forschungsgebiet ist der Laser.

Rolf App
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Donna Strickland, 59 Jahre alt und aus Kanada.

Donna Strickland, 59 Jahre alt und aus Kanada.

Die Idee dazu hat Albert Einstein 1917 gehabt, doch gebaut worden sind die ersten Laser erst in den 1960er-Jahren. Was damals eine wissenschaftliche Kuriosität war, ist heute Alltag – weshalb wir auch gar nicht mehr wissen, was Laser bedeutet: Es steht für «Light Amplification by Stimulated Emission of Radiation» – Lichtverstärkung durch stimulierte Emission von Strahlung.

Heute wird mit dem präzis ausgerichteten Lichtstrahl des Lasers in der Industrie zugeschnitten, gebohrt, geschweisst und gereinigt. In der Telekommunikation transportiert er Information, an der Kasse liest der Laser den Balkencode und im Abspielgerät die CD ab. Und in der Medizin wird mittels Laser operiert: Abgelöste Netzhäute werden angeheftet, Nierensteine zerkleinert.

Der Laser eignet sich überall dort, wo es um Arbeiten geht, die eine hohe Präzision erfordern. Das haben auch jene drei Forscher erkannt, die den diesjährigen Physik-Nobelpreis unter sich aufteilen. Und die, wie das Nobelkomitee erklärte, «Werkzeuge aus Licht» gebaut haben.

Der älteste Nobelpreisträger

Der US-Amerikaner Arthur Ashkin (Mitte) ist ist bereits 96 Jahre alt.

Der US-Amerikaner Arthur Ashkin (Mitte) ist ist bereits 96 Jahre alt.

Die eine Hälfte bekommt der bereits 96-jährige Arthur Ashkin von den Bell Laboratories in den USA. Er ist der älteste Nobelpreisträger überhaupt, der aber noch ziemlich geschäftig zu sein scheint. Nachdem er informiert worden war, meinte Ashkin, er habe keine Zeit, ein Interview zu geben, er müsse forschen. Die zweite Hälfte des mit umgerechnet 870'000 Euro dotierten Preises teilen sich die 59-jährige Donna Strickland von der University of Waterloo in Kanada und der 75-jährige Gérard Mourou von der École Polytechnique in Palaiseau südlich von Paris. Donna Strickland ist nach Marie Curie (1903) und Maria Goeppert-Mayer (1963) erst die dritte Frau, die einen Physik-Nobelpreis bekommt – was sie selber in Erstaunen setzt. Sie habe gedacht, dass es mehr waren, sagte sie gestern.

Ashkin hatte die Idee gehabt, mit Hilfe von Lichtstrahlen winzige Objekte zu bewegen. Er konstruierte eine Art von Lichtfalle, die als optische Pinzette bekannt wurde, und die in der Lage ist, Partikel, Atome und Moleküle zu bewegen. Auf diese Weise lassen sich etwa Viren, Bakterien und andere Zellen untersuchen, ohne dass sie dabei zerstört werden.

Millionen von Augenoperationen

Gérard Mourou und Donna Strickland haben den Laser in eine andere Richtung genutzt. Sie haben eine Technik entwickelt, bei der ein kurzer Laserpuls gedehnt, verstärkt und wieder zusammengepresst wird. Mit diesem kürzesten und intensivsten Laserpuls kann man extrem präzise Löcher bohren. Millionen von Augenoperationen werden jedes Jahr mit Hilfe solcher Laser durchgeführt.

Gérard Mourou, der 75-jährige Franzose. (Bild: EPA)

Gérard Mourou, der 75-jährige Franzose. (Bild: EPA)

Dass Donna Strickland erst die dritte Frau unter insgesamt 210 Physik-Nobelpreisträgern ist, ist kein Ruhmesblatt, und in Chemie und Medizin ist das Verhältnis von Preisträgerinnen und Preisträgern nicht viel besser. Darin zeigt sich eine Haltung, die es immer noch gibt: Erst letzten Freitag hatte ein italienischer Gastredner am Cern erklärt, die Physik sei «von Männern erfunden und aufgebaut» worden. Donna Strickland antwortete gestern mit dem Satz: «Wir müssen Physikerinnen feiern, denn es gibt sie da draussen.»