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Wer schafft's an der ETH?

Matura und Studium. Nicht alle Gymnasien bieten gleich gute Chancen für Erfolg an der ETH Zürich. Eine Studie zeigt Unterschiede – auch in der Ostschweiz. Bruno Knellwolf
ETH-Eingang: Gute Maturanoten sind hilfreich – aber sie können auch vom Latein kommen.

ETH-Eingang: Gute Maturanoten sind hilfreich – aber sie können auch vom Latein kommen.

Matura, Berufslehre, Berufsmatur, Zweitwegmatura, Universität, Hochschule, Fachhochschule: Die Schweiz stellt ihren Schülerinnen und Schülern eine ganze Palette an möglichen Bildungswegen zur Verfügung – mit grundsätzlich guten Resultaten, wie ETH-Rektorin Heidi Wunderli-Allenspach festhält. Allerdings muss der rechte Weg zuerst gefunden werden, was für Pubertierende nicht immer ganz einfach ist. Schule steht nicht zwingend zuoberst auf der Liste der liebsten Beschäftigungen von Teenagern.

Schwierige Phase

Eltern und Kinder sind oft etwas ratlos, was die Studienplanung betrifft. Nun hat die ETH Zürich gestern eine Studie vorgestellt, die Schülern und Eltern Informationen liefert. Innerhalb eines vierjährigen Pilotprojekts wurde erstmals untersucht, ob sich gute Maturanoten auch im Studium an der ETH auszahlen.

«Der Übergang vom Gymnasium ist eine kritische Phase in der Entwicklung der jungen Leute», sagt Heidi Wunderli-Allenspach. Zehn Jahre nach der Maturitätsreform und nach der Einführung der Bologna-Reformen an den Universitäten sei die Frage nach den Leistungen der jungen Studenten deshalb nicht trivial. In diesem Lebensabschnitt kann einiges schieflaufen, wenn die Weichen falsch gestellt werden. Die ETH untersuchte deshalb die Daten von 5216 Personen mit schweizerischer Maturität und von 643 Studierenden mit ausländischem Reifezeugnis.

Verglichen wurden die Maturanoten mit den Noten der Basisprüfung an der ETH. Die Basisprüfung müssen die Studierenden nach dem ersten Jahr bestehen, wollen sie das Fach weiter studieren. Wenig überraschend: Studierende mit guten Maturanoten haben auch eine gute Basisprüfung abgelegt.

Frauenfeld siegt im Ranking

Die Untersuchung zeigt aber weitere, spannendere Resultate. Am meisten zu reden wird wohl der Leistungsvergleich unter den 150 verschiedenen Kantonsschulen und Gymnasien geben. Die regionalen Leistungsunterschiede sind dabei markant. Die Chancen für ein erfolgreiches Studium an der ETH Zürich sind nicht an allen Gymnasien gleich. Die besten Noten erreichten die Studenten, welche ihre Matura an der Kantonsschule Rychenberg Winterthur abgeschlossen haben.

In die Wertung kamen dabei nur Gymnasien, die in den vier Untersuchungsjahren mindestens 30 Studierende gestellt haben. Nach Rychenberg folgt das Gymnasium Liestal. Als erstes Ostschweizer Gymi erscheint die Thurgauische Kantonsschule Frauenfeld an neunter Stelle. Ebenfalls noch in der vorderen Hälfte klassiert sind in dieser Reihenfolge die Kantonsschule Heerbrugg und Wattwil, Burggraben St. Gallen liegt genau im Mittelfeld. Mit grossem Abstand folgen Trogen, Kreuzlingen und als Ostschweizer Schlusslicht Romanshorn mit einer Durchschnittsnote von 4,1.

Das sieht aus wie ein Ranking, ist es aber nicht, wie die ETH-Rektorin mehrfach betont. Die Tabelle zeige die naturwissenschaftliche Sicht der ETH Zürich. Das Umfeld und die Ausrichtung der einzelnen Schulen sei äusserst heterogen. «Und das ist gut so. Wir wollen in der Schweiz von den Gymnasien keinen Einheitsbrei serviert bekommen», sagt Wunderli-Allenspach. Es sei nicht gewünscht, dass alle Kantonsschulen gleichgeschaltet würden.

Würde eine Universität eine gleiche Studie mit Jura- und Phil-I-Studenten machen, stünden eventuell andere Kantonsschulen zuoberst auf der Liste. «Es wäre sehr wünschenswert, würden andere Hochschulen gleiche Daten erheben», sagt die ETH-Rektorin.

Für Eltern und Schüler sei diese Tabelle aber eine Hilfe, herauszufinden, welches Gymnasium sich am besten eigne, wenn jemand eine naturwissenschaftliche Laufbahn einschlagen wolle. Und selbstverständlich stehe es auch den Schulen frei, Massnahmen aufgrund dieser Bewertung zu ergreifen.

Schwerpunktfach zweitrangig

Untersucht wurde auch, welchen Einfluss die Wahl des Schwerpunktfachs am Gymnasium auf die ETH-Noten hatte. Die besten Leistungen zeigten Schülerinnen und Schüler, die Physik/Mathematik oder Latein/Griechisch als Schwerpunkt hatten, die schlechtesten jene mit Wirtschaft/Recht. «Das hat damit zu tun, dass sich erstere Schüler das systematische Erarbeiten des Stoffes gewohnt sind. Alte Sprachen sind dafür geeignet», sagt Heidi Wunderli-Allenspach. «Die Studie zeigt aber auch, dass das Schwerpunktfach nicht massgebend ist, wenn die Motivation stimmt.»

Mehr Bedeutung hat anscheinend das Eintrittsalter der Studierenden: je jünger, desto besser das Resultat an der Basisprüfung. Studierende, die zwischen Matura und Studium eine grosse Pause machten, seien sich den Umgang mit schulischen Prüfungsanforderungen nicht mehr gewohnt. Das bedeute zwar nicht, dass der zweite Bildungsweg grundsätzlich schlechter sei. Aber man werde Studierende in Zukunft sicher nicht zu grossen Auslandreisen vor dem Studienbeginn raten.

Auch der Geschlechterunterschied wurde untersucht. Mädchen zeigen in den Kantonsschulen generell bessere Leistungen als die Buben. Bis zur Basisprüfung holen die Männer aber wieder auf und sind an der ETH, wenn auch marginal, sogar ein bisschen besser.

Zugang bleibt offen

Zusammengefasst zeigten die Resultate, dass kein akuter Handlungsbedarf bestehe. Die ETH werde die mit dem Pilotprojekt begonnene Beratung auf alle Departemente ausweiten; bis jetzt gibt es nur für Physik und Maschinenbau Eignungsinterviews vor Studienantritt. Zudem wolle man die Weiterbildung von Gymnasiallehrern intensivieren, um die Studienwahl zu erleichtern. Der Zugang zur ETH bleibe aber sicher für alle offen, die eine Matur abgelegt hätten. «Die Studie zeigt, dass es sich lohnt, im Gymnasium einen Zacken zuzulegen», sagt die ETH-Rektorin.

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