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Wer noch keine hat, findet locker eine Lehrstelle im Kanton St.Gallen

Rund 95 Prozent der im Juli aus der Volksschule austretenden Schülerinnen und Schüler hatten Ende Mai eine Anschlusslösung. Viele Lehrstellen bleiben im Kanton St.Gallen unbesetzt.
Die offenen Lehrstellen verteilen sich auf rund 150 Berufe und betreffen in zunehmendem Mass auch traditionell begehrte sowie auch als anspruchsvoll geltende Berufe. (Bild: Keystone)

Die offenen Lehrstellen verteilen sich auf rund 150 Berufe und betreffen in zunehmendem Mass auch traditionell begehrte sowie auch als anspruchsvoll geltende Berufe. (Bild: Keystone)

(pd/chs) Alljährlich Ende Mai führt das Amt für Berufsbildung des Kantons St.Gallen eine flächendeckende Schulabgängerumfrage durch. Am Stichtag 25. Mai wurden insgesamt 4'894 Jugendliche aus den Sekundar-, Real- und Kleinklassen sowie den Brückenangeboten erfasst - 74 mehr als im Vorjahr. Seit dem Jahr 2008 ist die Zahl demografiebedingt um 1'684 Jugendliche oder rund 25,6 Prozent gesunken. Bei der Umfrage konnte ein nahezu vollständiger Rücklauf verzeichnet werden.

1000 Lehrlinge weniger als im Jahr 2008

Am Stichtag hatten gemäss Mitteilung 4'592 Jugendliche oder 93,8 Prozent eine Anschlusslösung gefunden (Vorjahr 4'559 Personen, 94,6 Prozent). Die Zahl der Jugendlichen, die in eine weiterführende Schule übertreten, ist gegenüber dem letztjährigen Wert um 61 Personen oder 1,1 Prozentpunkte gestiegen. Ungefähr gleich hoch (+8 Personen bzw. 0,9 Prozentpunkte) ist der Anteil an Jugendlichen, die eine Berufsausbildung beginnen. Demografiebedingt sind es mit 3'447 Jugendlichen insgesamt 1'020 weniger als im Jahr 2008, die eine Lehre oder eine Attestausbildung antreten werden.

599 (Vorjahr 640) Jugendliche werden in eine Zwischenlösung (staatliches Brückenangebot, private Lösung wie Fremdsprachenaufenthalt, Privatschule oder Praktikum) übertreten. Das sind 41 Personen weniger als im Vorjahr und entspricht in etwa der Zahl im Jahr 2016 (591). Der Anteil der Jugendlichen mit Zwischenlösung ist mit 12,2 Prozent (Vorjahr 13,3 Prozent) aber weiterhin moderat. Der Anteil an Jugendlichen, die direkt in den Erwerbsprozess einsteigen oder ins Ausland ausreisen, liegt bei 1 Prozent (Vorjahr 0,9 Prozent).

1501 offene Lehrstellen im Mai

Der Anteil der Jugendlichen ohne Anschlusslösung ist weiterhin tief und liegt wie in den Vorjahren um die 5-Prozentmarke. 302 Jugendliche, oder 6,2 Prozent, waren am Stichtag der Erhebung noch ohne Anschlusslösung (Vorjahr 261 Jugendliche, 5,4 Prozent). Zum gleichen Zeitpunkt waren im kantonalen Lehrstellennachweis "LENA" 1'501 (Vorjahr 1'648) offene Ausbildungsplätze in etwa 150 Berufen ausgewiesen.

Die Auswertung auf Basis des zuletzt absolvierten Typs der Volksschule (Sekundar- oder Real-Schule) bestätigt, dass nicht nur die schulisch am leistungsfähigsten, sondern auch die schulisch schwächeren Jugendlichen realistische Chancen auf eine Anschlusslösung haben. Am Stichtag hatten von den Absolvierenden der Sekundarschule 98,4 Prozent (Vorjahr 98,4 Prozent) und von der Realschule 92,2 Prozent (Vorjahr 93,9 Prozent) eine Anschlusslösung. Bei den Absolvierenden von Kleinklassen entspricht die Erfolgsquote mit 84,6 Prozent (Vorjahr 89,1 Prozent) in etwa dem Mehrjahresvergleich. Die Brückenangebote verzeichnen einen leichten Rückgang, liegen aber mit 83,4 Prozent (Vorjahr 84,1 Prozent) immer noch über dem Mehrjahresvergleich (Abbildung 2)

Nationalität spielt bedeutende Rolle

Während sich die Situation in Bezug auf den absolvierten Volksschultyp tendenziell ausgeglichen hat, spielt bei der Lehrstellensuche offensichtlich die Nationalität eine nach wie vor bedeutende Rolle. So ist der Anteil ohne Anschlusslösung bei Jugendlichen ausländischer Nationalität mit 13,4 Prozent (Vorjahr 12,1 Prozent) fast viermal höher als bei Jugendlichen mit Schweizer Nationalität (3,5 Prozent, Vorjahr 3,1). 1'325 Personen oder 27 Prozent (Vorjahr 1'259 Personen bzw. 26,1 Prozent) aller erfassten Jugendlichen sind ausländischer Nationalität. Bei den Jugendlichen ohne Anschlusslösung beträgt ihr Anteil 58,9 Prozent (Vorjahr 58,2 Prozent).

Mehr Mädchen an weiterführenden Schulen

Weibliche Jugendliche steigen markant weniger häufig (62,9 Prozent; Vorjahr 63,7 Prozent) direkt in die Berufsbildung ein als männliche (77,8 Prozent; Vorjahr 78,7 Prozent). Demgegenüber ist der Anteil der Jugendlichen, die in eine weiterführende Schule übertreten, bei den weiblichen klar höher als bei den männlichen (weibliche 13,6 Prozent, männliche 6,9 Prozent; Vorjahr 13,2 bzw. 5,2 Prozent). Ebenfalls deutlich ist der Unterschied bei den Jugendlichen, die eine Zwischenlösung beanspruchen (weibliche 16,3 Prozent, männliche 8,2 Prozent; Vorjahr 17,3 bzw. 9,4 Prozent).

Liste der offenen Lehrstellen

Die Betrachtung im Mehrjahresvergleich zeigt, dass es offensichtlich für die Lehrbetriebe weiterhin schwierig ist, alle angebotenen Lehrstellen in gewünschter Weise zu besetzen. Dies insbesondere aufgrund der demografisch tiefen Schulabgängerzahlen. Es ist bemerkenswert, dass den 302 Jugendlichen (Vorjahr 261) ohne Anschlusslösung ein Überhang von 1'501 (Vorjahr 1'648) frei gemeldeten Lehrstellen gegenübersteht. Wie im Vorjahr verteilen sich die offenen Lehrstellen auf rund 150 Berufe und betreffen in zunehmendem Mass auch traditionell begehrte sowie auch als anspruchsvoll geltende Berufe. Die umfangreiche Liste offener Lehrstellen deutet auf intakte Chancen auch für jene Jugendlichen hin, die noch auf der Suche sind. Sie werden dabei von verschiedener Seite aktiv unterstützt. Aus der Erfahrung früherer Jahre kann erwartet werden, dass etwa zwei Drittel von ihnen schon bis zum Schuljahresende eine Lösung finden werden, sofern sie bei der Suche aktiv mitwirken.

"Hitliste" der Berufe: Spitzenplätze unverändert

Die "Hitliste" der 20 von den st.gallischen Schulabgängerinnen und Schulabgängern am häufigsten gewählten Berufe zeigt in der Zusammensetzung nur geringfügige Änderungen gegenüber dem Vorjahr, mit den gleichen sechs Spitzenplätzen. Die Liste ist nicht allein vom Wahlverhalten beziehungsweise von den Präferenzen der Jugendlichen, sondern ebenso sehr vom Angebot an Ausbildungsplätzen beeinflusst.

  • Kaufmann/Kauffrau EFZ E+B (572 Personen, Vorjahr 575)
  • Fachmann/frau Gesundheit EFZ (233 Personen, VJ 222)
  • Detailhandelsfachmann/-frau EFZ (200 Personen, VJ 246)
  • Polymechaniker/-in EFZ (123 Personen, VJ 134)
  • Elektroinstallateur/-in EFZ (116 Personen, VJ 110)
  • Zeichner/-in EFZ (101 Personen, VJ 96)
  • Koch/Köchin EFZ (86 Personen, VJ 87)
  • Fachmann/frau Betreuung EFZ (82 Personen, VJ 86)
  • Logistiker/-in EFZ (77 Personen, VJ 70)
  • Zimmermann/Zimmerin EFZ (75 Personen, VJ 72)
  • Schreiner/-in EFZ (74 Personen, VJ 67)
  • Informatiker/-in EFZ (70 Personen, VJ 89)
  • Konstrukteur/-in EFZ (63 Personen, VJ 72)
  • Dentalassistent/-in EFZ (62 Personen, VJ 60)
  • Automobil-Fachmann/-frau EFZ (60 Personen, VJ 64)
  • Medizinische Praxisassistentin EFZ (60 Personen, VJ 54)
  • Automatiker/-in EFZ (53 Personen, VJ 48)
  • Sanitärinstallateur/-in EFZ (49 Personen, VJ 40)
  • Coiffeur/Coiffeuse EFZ (48 Personen, VJ 55)
  • Montage-Elektriker/-in EFZ (48 Personen, VJ 36)

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