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Wenn’s dem Esel zu gut geht, dann wird er krank

Mit dem Samichlaus haben Esel ihren grossen Auftritt. Die Tiere sind verfressen, sollten aber nicht wahllos gefüttert werden. Nur schon zu fette Wiesen beeinträchtigen ihr Wohlergehen. Schmalkost und viel Bewegung dagegen tun ihnen gut - wie dem Menschen.
Simon Maurer

Haben Sie schon mal Fussschmerzen gehabt, nachdem Sie bei einem guten Essen so richtig zugelangt haben? Nein? Dann sind sie höchstwahrscheinlich kein Esel. Dieser entwickelt bei zu nährstoffreicher Ernährung nämlich schnell Hufrehe, eine sehr schmerzhafte Entzündungskrankheit der Hufe, wie Thea Zbinden, Präsidentin der Schweizerischen Interessengesellschaft Eselfreunde (Sigef) erklärt. Ernährungsbedingte Hufrehe sei eine schlimme Krankheit, sie führe oft zum Tod. Zbinden schätzt, dass etwa 80 Prozent der Esel in der Schweiz übergewichtig und damit von Hufrehe bedroht seien.

Mit den Leckereien, die der Esel heute für den Samichlaus und den Schmutzli trägt, hat das allerdings nichts zu tun. Vielmehr ist es das leckere Gras der saftigen Wiesen, das ihm schadet. Wie ist das möglich? Esel kommen ursprünglich aus den trockenen Wüstenregionen Afrikas, wo sie nur nährstoffarme Futterpflanzen vorfinden. Ihr Magen verwertet Nahrung deshalb enorm effizient. Wenn Esel das nährstoffreiche Kraut mitteleuropäischer Wiesen fressen, verfetten sie schnell, und die Folgen sind ernsthafte Krankheiten wie Hufrehe. Nebst dem Nährstoffreichtum ist es auch die Menge des Futters auf Schweizer Wiesen, die für den Eselsmagen eine Gefahr darstellt. Michelle Jackson, Oberärztin am Tierspital der Universität Zürich, sagt dazu: «Der Magen von Eseln ist im Vergleich zum Körpergewicht relativ klein und an eine Futteraufnahme in kleinen Portionen gewöhnt. Lässt man Esel auf einer grünen Wiese grasen, haben sie ständig Futter zur Verfügung, fressen sich voll und werden krank.»

Alpweiden sind für Esel gesünder

Auf dem Hof von Bergbäuerin Ursula Marti erhalten Esel deshalb vor allem sogenanntes Ryyfheu zum Fressen. Dies ist Heu von Gras, das erst gemäht wurde, nachdem es einige Zeit hatte wachsen und stehen können. Es hat weniger Eiweiss und Nährstoffe als normales Heu und ist damit für den Esel besser. Martis Hof im Kanton Glarus eignet sich wegen der hohen Lage für Eselshaltung besonders. Thea Zbinden von der Sigef: «Das Gras in den Voralpen ist karger als das Grün im Unterland. In den Bergen können die Esel deshalb auch mal einen Tag auf der Alpweide verbringen, ohne gleich Übergewicht anzusetzen.»

Thomas Messmer, dessen Hof im tiefgelegenen Rafz im Zürcher Unterland liegt, lässt seine Tiere täglich nicht länger als 15 Minuten auf einer üppigen Weide grasen. Das ist ein Konzept, welches auch Thea Zbinden unterstützt. Sie berichtet, dass sie ihre Esel auch schon länger auf der Weide gelassen habe. Dann hätten die Langohren aber sofort Fett angesetzt. Bereits wenige Minuten seien kritisch, wolle man die gefürchtete Hufrehe verhindern. Dass die Esel ziemlich verfressen sein können, weiss auch Bergbäuerin Ursula Marti aus eigener Erfahrung. Letzten Winter gab sie ihrer Jessica am Abend ab und zu ein Rüebli. Als die Eselsdame im Frühling wieder draussen war, rannte sie immer pünktlich um sechs Uhr zum Stall und forderte laut ihr Dessert.

"Das ist wie beim Menschen"

Woran erkennt man denn überhaupt einen gesunden Esel? Oberärztin Michelle Jackson erklärt dazu: «Die Rippen sollten von einer dünnen Gewebeschicht überzogen und ertastbar sein.» Laut Jackson ist dieses Merkmal sehr wichtig für die Beurteilung des Gesundheitszustandes eines Esels. Thea Zbinden von der Interessengesellschaft Eselfreunde merkt an, dass Esel Fett auch viel eher am Hals ansetzen als an den Rippen. Jackson und Zbinden betonen allerdings beide, dass ausserdem ausreichend Bewegung und Beschäftigung wichtig seien, um die Tiere gesund halten zu können. Da sie heute nur noch sehr selten in der Landwirtschaft eingesetzt werden (siehe Box), gilt das mehr denn je.

Denn hat ein Esel einmal Übergewicht angesetzt, ist es sehr schwierig, dieses wieder wegzubringen. Thea Zbinden sagt: «Das ist wie beim Menschen. Es reicht nicht, nur weniger zu essen, man muss sich auch bewegen.» Esel, die einmal ernährungsbedingte Hufrehe gehabt hätten, seien zudem extrem anfällig für ein Wiederauftreten der Krankheit. Erkrankte Tiere können vor Schmerz kaum mehr laufen.

In der Heimat des Chlauses schon ein Lasttier

Sind Esel gesund, können sie bis zu 40 Jahre alt werden. Doch Zbinden sieht immer wieder Esel, die nicht artgerecht gehalten wurden und deshalb viel zu früh sterben. Ihr Verein will solche Tierschicksale verhindern und steht hilfesuchenden Eselshaltern deshalb zur Seite. Auf der Vereinswebsite Eselfreunde.ch findet man darum auch eine Notfallnummer, die der Verein betreibt.

In diesen Tagen sind nun wieder vermehrt Esel anzutreffen, die mit Chläusen unterwegs sind. Die Bewegung, die sie dadurch erhalten, tut ihnen gut. Ob der historische Samichlaus, Bischof Nikolaus von Myra, im vierten Jahrhundert bereits mit einem Esel unterwegs war, ist unklar. Jedenfalls aber waren in seiner Heimat, der heutigen Türkei, Esel bereits damals gebräuchliche Lasttiere.

In den Bergen ein sicherer Helfer

In der Schweiz werden Esel kaum mehr in der Landwirtschaft, sondern fast nur noch im Tourismus eingesetzt. So auch auf Ursula Martis Betrieb im Kanton Glarus: «Unsere Esel tragen heute statt Holz das Gepäck von Touristen, die für ein Molkenbad auf die mit dem Auto unerreichbare Alp kommen.» Gerade hier in den Bergen habe der Esel Vorteile gegenüber einem Pferd. Er sei trittsicher wie eine Geiss und komme gut mit sehr steilen, schmalen Pfaden zurecht. Weil der Esel kleiner sei als das Pferd, hätten Kinder auch weniger Angst vor ihm.

Ein weiterer Vorteil: Der Esel ist kein Fluchttier. Wenn etwas im Busch raschelt, bleibt er stehen und wartet ab. Ein Pferd würde womöglich aufspringen und einen Satz nach vorne machen – das kann in den steilen Bergen tödlich sein. Letztere Stärke des Esels wird ihm vom Volksmund jedoch als Schwäche ausgelegt. Der Esel gilt als stur und dumm. Marti stören diese Vorurteile. Sie erlebt ihre Esel als sehr intelligent: «Jessica kennt sogar mein Auto. Immer wenn ich damit vorbeifahre, höre ich ein lautes I-ah.» (SGM)

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