Wenn Dichter reisen, wird das Leben ein Spiel

Claudio Magris lebt in Triest – falls er nicht gerade auf Reisen ist. Seine Reisebilder sind jetzt als Buch erschienen.

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Wer die Bücher von Claudio Magris liebt, wird «Ein Nilpferd in Lund» mit Freude lesen. Allein schon jenes Reisebild aus Schweden, in der er im Museum von Lund auf die Geschichte des heiligen Aloisius von Ganzaga trifft. Als Kind antwortete der spätere Heilige auf die Frage eines Verwandten, was er tun würde, wenn er in wenigen Minuten sterben müsste: «Ich würde weiterspielen.»

Vielleicht ist es eine Anekdote, vielleicht ist der Satz wahr, meint Claudio Magris. Jedenfalls bringt er ihn dazu, einerseits über das Kinderspielzeug an sich und in der Literatur nachzudenken. Sowie über die Frage: Weshalb dürfen wir angesichts des Todes nicht mehr spielen? Weshalb muss das Leben, weil es unweigerlich im Tod endet, vorher nicht spielerisch sein? Spielen bedeutet ja immer auch: in der Gegenwart leben, die Welt ganz unmittelbar entdecken. Das tut Magris in diesem schmalen Büchlein, in dem sich eigene Anschauung und Spuren literarischer Gestalten verbinden.

In St. Petersburg besucht er die Wohnung, in der Dostojewski «Raskolnikoff» geschrieben hat, in Spanien trifft er auf Don Quijote, in Mexiko nimmt er an einer Hochzeit orthodoxer Juden teil. Nachdenklich kommentiert Magris auch aktuelle Zeitgeschichte in Tschechien, Polen, in Iran. (ea)

Claudio Magris: Ein Nilpferd in Lund. Reisebilder. Aus dem Italienischen von Karin Krieger. Hanser, München 2009, Fr. 32.90

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