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Wenn der Aprilscherz böse endet

Mit Spässen ist es so eine Sache – man soll sie nicht übertreiben. Ansonsten mündet Hai-Forschung in Volkszorn, Smogalarm in Schadensersatzklagen und Weltuntergangsfantasie in einer Kündigung.
Christian Satorius
Einen Hai, einen hungrigen Hai . . . ist das Letzte, was man braucht in einem See . . . (Bild: Getty)

Einen Hai, einen hungrigen Hai . . . ist das Letzte, was man braucht in einem See . . . (Bild: Getty)

Haie, Jackpots, Löwen. Je gewichtiger der Gegenstand des Schabernacks, desto grösser der Ärger hinterher. Als der kanadische Radiosender DC-103 FM im Jahre 1994 am 1. April verkündete, dass der 19-Millionen-Dollar-Jackpot nun doch nicht nur einen einzigen Gewinner, sondern noch zwei weitere habe, die sich bitte umgehend bei der Lotteriegesellschaft melden sollen, liess der Eklat nicht lange auf sich warten.

Die Telefongesellschaft fand's nicht lustig

Weil der Sender keine Losnummern angegeben hatte, griffen unzählige vermeintliche Lotteriegewinner zum Telefon, worauf sämtliche Leitungen zusammenbrachen. Und während man sich beim Sender vor Lachen kugelte, fand die Telefongesellschaft das weniger lustig: Es folgte ein saftiger Beschwerdebrief an die Verantwortlichen.

Chaos in ganz Athen

Zu so drastischen Massnahmen wie 1982 in Griechenland wollte man sich aber nicht hinreissen lassen. Ein einziger böser Brief war den Opfern des griechischen Aprilscherzes aus dem Jahre 1982 nämlich zu wenig, sie verklagten einen zu Spässen aufgelegten Sender lieber gleich auf eine empfindliche Summe Schadensersatz. Darüber hinaus musste sich der verantwortliche Moderator offiziell entschuldigen und auch gleich noch seinen Hut nehmen. Haben da ein paar ­Leute überreagiert? Wie man es nimmt: Schliesslich hatte besagte Radiostation am 1. April verkündet, die Innenstadt von Athen sei den ganzen Tag für den Autoverkehr gesperrt – wegen Smogalarms. Schulen sollten alle Schüler nach Hause schicken. Das Chaos, das dann entstand, fand niemand mehr so richtig lustig …

Löwenjagd in Kamerun

Und noch mal Radio: In Afrika vermeldete der Sender Yaounde FM 94 am 1. April 1994, in einer dicht bevölkerten Vorstadt Kameruns wüte gerade ein wilder Löwe – man möge sich doch bitte in Sicherheit bringen. Die Folge dieser Meldung war waschechte Panik: Schreiende Menschen flüchteten voller Entsetzen in alle Himmelsrichtungen. Mehrere Polizeieinheiten wurden zur Löwenjagd abkommandiert. Zum Lachen fanden das die Betroffenen eigentlich nicht.

Haie in Michigan?

Etwas spassiger war womöglich die Meldung der Tages­zeitung «Herald-News» aus ­Roscommon im US-Bundesstaat Michigan. Am 1. April 1981 erfuhren deren Leser, dass man in Nord-Michigan eine grosse wissenschaftliche Studie plane. In drei Grossen Seen werde man erforschen, inwieweit sich dort Haie ansiedeln lassen. Für den Anfang begnüge man sich mit 2000 Blauen Haien und Hammerhaien, ein paar Weisse Haie dürften aber auch nicht fehlen … Zitiert wurde ein Sprecher der Nationalen Biologischen Gesellschaft:

«Selbstverständlich wird das Auswirkungen auf die Populationen der einheimischen Fische haben. Ein Hai frisst etwa 20 Pfund Fische pro Tag, mehr noch die älteren Exemplare. Dennoch ist es Fischern bei Strafe verboten, die Haie zu fangen.»

Eigentlich ein gelungener Scherz, könnte man meinen, denn weiss nicht jedes Kind, dass Haie nur im salzigen Meerwasser überleben und im Süsswasser keine Chance haben? Biologen und die Menschen vor Ort wissen es allerdings besser, denn immer wieder dringen Bullenhaie mit bis zu drei Metern Länge durch den Mississippi in den Michigansee und die anderen Grossen Seen vor. Grosse gefährliche Haie in Süsswasserseen sind vor Ort also durchaus bekannt und gefürchtet.

Wer alles glaubt, ist selber schuld …

So beruhigte auch der letzte Absatz des Zeitungsartikels die Leser damals nicht wirklich, in dem der Sprecher der Nationalen Biologischen Gesellschaft wie folgt zitiert wird: «Wir können selbstverständlich keine Verantwortung dafür übernehmen, dass die Haie keine Menschen attackieren. Aber wer so närrisch ist, alles zu glauben, der verdient es doch sogar, gefressen zu ­werden.»

Die Andeutung entging vielen Lesern, und so entzündete sich am Aprilscherz der Zorn der örtlichen Bevölkerung. Wütende Proteste folgten.

Zebrastreifen auf der Autobahn?

Wohl besser, man vereitelt manche Scherze im Voraus. Weshalb wir bis heute nicht wissen, ob es im Jahre 2000 jemand komisch gefunden hätte, auf der viel befahrenen englischen Autobahn M3 in der Nähe von Farnborough, Hampshire, einen Zebrastreifen vorzufinden –die Polizei entfernte diesen damals vorsichtshalber sofort.

Ganz gemein ist es auch, Zweifler mit den Worten zu beruhigen: «Das ist kein Aprilscherz!» Obwohl, «beruhigen» ist vielleicht der falsche Ausdruck, denn immerhin ging es in der Meldung der Radiostation KYW Broadcast aus Philadelphia im Jahre 1940 um nichts Geringeres als den Weltuntergang:

«Wissenschafter sagen voraus, dass die Welt morgen um 15 Uhr Ortszeit untergeht. Dies bestätigt der Direktor des Fels-Planetariums.»

Die ­Reaktionen waren dramatisch: Polizeistationen, Behörden und Zeitungen wurden mit Anfragen völlig verängstigter Bürger überhäuft, Panik brach aus. Und angesichts der katastrophalen Folgen wies die Radiostation plötzlich jede Schuld von sich.

«Das ist kein Aprilscherz!» Obwohl, «beruhigen» ist vielleicht der falsche Ausdruck, denn immerhin ging es in der Meldung der Radiostation KYW Broadcast aus Philadelphia im Jahre 1940 um nichts Geringeres als den Weltuntergang: «Wissenschafter sagen voraus, dass die Welt morgen um 15 Uhr Ortszeit untergeht. Dies bestätigt der Direktor des Fels-Planetariums.» Die ­Reaktionen waren dramatisch: Polizeistationen, Behörden und Zeitungen wurden mit Anfragen völlig verängstigter Bürger überhäuft, Panik brach aus. Und angesichts der katastrophalen Folgen wies die Radiostation plötzlich jede Schuld von sich.

Im Nachhinein wird aus dem Spass ein Missverständnis

Man habe lediglich eine Presseerklärung des Franklin Instituts wortwörtlich verlesen, hiess es nun. Aber auch der Verfasser des Weltuntergangsszenarios, der Pressesprecher des Instituts, William Castellini, war sich keiner Schuld bewusst. Er habe doch nur medienwirksam auf eine aktuelle Ausstellung in seinem Hause mit dem Titel «Wie wird die Erde untergehen?» hinweisen wollen, entschuldigte er sich. Sein Chef sah das allerdings nicht mit so viel Humor und kündigte Castellini daraufhin fristlos. Schlecht für Castellini damals: Das Kündigungsschreiben trug leider nicht das Datum des 1. Aprils.

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