Welche Selbsttests sind sinnvoll, welche weniger?

Beat Thoët, Co-Präsident der Vereinigung Luzerner Hausärzte, hat für uns Tests der Marke Veroval gemäss den online abrufbaren Infos beurteilt. Technische Details wie die Funktionsweise  waren nicht Gegenstand der Beurteilung.

Rahel Lüönd
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Empfehlenswert

Dr. Beat Thoët

Dr. Beat Thoët

Harnwegsinfektion: Dieser Selbsttest ist sehr sinnvoll, besonders für Frauen, die regelmässig betroffen sind und die Symptome bereits kennen. In der Praxis wird genau derselbe Test gemacht. Wichtig: Im Vorfeld klar besprechen, wie bei welchem Resultat zu reagieren ist.

Bedingt empfehlenswert

Eisenmangel: Er wird anhand des Pro­teins Ferritin im Blut gemessen. Bei den meisten Menschen deutet ein zu geringer Wert auf einen Mangel hin, der mit einfachen Präparaten behandelt werden kann. Aber Achtung: Bei einer Grippe oder wenn jemand an Herzinsuffizienz leidet, kann der Wert normal sein, selbst wenn ein Eisenmangel vorliegt. Gerade im letzteren Fall wäre eine Behandlung mit Eisenpräparaten aber wichtig.

Darmvorsorge: Hier wird getestet, ob Blut im Stuhl ist, was auf Darmkrebs hinweisen kann. Ärzte empfehlen, dies regelmässig untersuchen zu lassen, weshalb dieser Test durchaus Sinn macht (Alternative wäre eine Darmspiegelung alle paar Jahre). Bei einem positiven Resultat des Stuhltests ist aber auch die Anamnese des Arztes wichtig, um mögliche andere Ursachen zu erkennen. Etwa bei älteren Leuten mit Blutverdünner ist ein positiver Stuhlbluttest nicht sehr spezifisch.

Glutenintoleranz: Bei diesem Test wird eine Zöliakie-Erkrankung erkannt. Da die Einnahme von Gluten in diesem Fall zu chronischen Darmentzündungen führen kann, ist es wichtig, dass Betroffene eine gesicherte Diagnose erhalten. Mit diesem Suchtest ist dies aber noch nicht erledigt. Wer ein positives Resultat erhält, sollte sich weiter abklären lassen.

Nicht empfehlenswert

Cholesterin: Man unterscheidet zwischen gutem (HDL) und schlechtem (LDL) Cholesterin. So kann der Gesamtwert hoch sein, aber dennoch kein Problem vorliegen, weil es sich um mehrheitlich gutes Cholesterin handelt – und umgekehrt. Einfach den Gesamtcholesterinwert zu prüfen ist also zu kurz gegriffen.

Spermien: Der Selbsttest zur Zeugungsunfähigkeit ermittelt, ob die Spermienkonzentration im Normalbereich liegt. Ein Arzt untersucht die Spermien im Rahmen einer Kinderwunsch-Sprechstunde unter dem Mikroskop. Dabei wird nicht nur die Anzahl, sondern auch deren Form, Vitalität und Schnelligkeit betrachtet.

Alkohol- und Drogenwerte: Der Test der Atemluft ist heikel. Er kann suggerieren, dass man mit wenig Promille im Blut noch fahren darf – was aber im Falle eines ­Unfalls verheerende Folgen haben kann. Drogentests sind recht unspezifisch und damit wenig aussagekräftig.

Antibiotikum: Ob das nötig ist, zeigt das CRP (C-reaktives Protein), das bei einer akuten Entzündung vermehrt ins Blut abgegeben wird, um das Immunsystem zu unterstützen. Der Wert sollte aber im Zusammenhang mit den auftretenden Symptomen beurteilt werden – das kann ein Patient nicht in Eigenregie tun.