Weinfelden

Wegen verrauchter und dreckiger Zelle: Giuseppe Grasso verlässt nach drei Stunden das Gefängnis und bezahlt die Busse

Der Weinfelder Giuseppe Grasso liegt seit Jahrzehnten mit seinem Nachbarn im Streit. Aufgrund eines Gerichtsurteils sollte Grasso eine Busse bezahlen, die er lieber im Gefängnis absitzen wollte. Doch als er die Zelle sah, änderte er seine Meinung und zahlte das fällige Geld.

Sabrina Bächi
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Giuseppe Grasso vor seiner tropfenden Steinwand.

Giuseppe Grasso vor seiner tropfenden Steinwand.

Bild: Mario Testa (Weinfelden, 11, Dezember, 2013)

Keine drei Stunden hat es Giuseppe Grasso im Gefängnis ausgehalten. Der Weinfelder hätte eine Ersatzfreiheitsstrafe von zwölf Tagen antreten sollen, weil er nicht bereit war, Busse und Verfahrenskosten in der Höhe von 6635 Franken zu zahlen. Der Grund für die Kosten ist ein Nachbarschaftsstreit, der bereits über 20 Jahre andauert.

Die Gefängnisstrafe hätte Grasso am Montag, 4. Januar, um 15 Uhr antreten sollen. «Ich fuhr mit meinem Auto zum Gefängnis, hatte Laptop und Handy dabei, da ich in der Zelle arbeiten wollte», sagt Grasso. Die Beamten hätten ihm aber klargemacht, dass er weder das Auto auf dem Parkplatz lassen noch Geräte in die Zelle nehmen dürfe. «Sie haben mir gesagt, ich soll nach Hause und am Dienstagmorgen um acht Uhr wieder kommen», sagt Grasso.

Er zahlte die Strafe, weil die Zelle dreckig war

Als er am Dienstag dann vor Ort war, dauerte es eine Stunde, bis er zu seiner Zelle geführt wurde.

«Als ich die Zelle sah, sagte ich gleich, dass ich da nicht bleiben will. Ich bin kein Drecksack, ich bin ein sauberer Mensch. Ich hätte es in dieser verrauchten und dreckigen Zelle nicht ausgehalten.»

Die Beamten seien nett gewesen und boten ihm an, die Strafe zu bezahlen und den Heimweg anzutreten. Bis das Geld da und die Formalitäten erledigt waren, ging es weitere zwei Stunden. Danach trat Grasso wieder den Heimweg an.

Er will die Bezirksrichterin anzeigen

Wichtig ist ihm aber, dass er nicht als Verweigerer dargestellt werde, der dem Staat die Busse nicht zahlen will. Er sagt: «Ich wurde vom Staat misshandelt.» Die Behörden seien parteiisch, die Urteile falsch und er kämpfe für die Wahrheit. Die Taten, die zu seinem Gefängnisaufenthalt führten, waren unter anderem Körperverletzung, weil er seinen Nachbarn auf den Kopf geschlagen hat. Grasso bezeichnet dies jedoch als Notwehr.

«Ich habe mich damit gegen ein falsches Urteil aus dem Jahr 2013 gewehrt. Denn ich kämpfe für mein Haus und meine Mieter», sagt der Weinfelder. Aufgrund von angeblichen Falschaussagen in dieser Zeitung will Grasso gemäss eigenen Aussagen deshalb auch Bezirksrichterin Claudia Spring anzeigen.

Rund 700'000 Franken hat der Italiener seit seinem Hauskauf 1999 für Sanierungen am Haus aufgrund von Wasserschäden und für die Gerichtsprozesse ausgegeben, sagt er auf Nachfrage. Mit diesem Geld ein anderes Anwesen zu kaufen, wäre für ihn aber nie in Frage gekommen. Es sei ein Herzensprojekt für ihn.