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Interview

Schauspielerin Senta Berger: «Weihnachten ist Mitmenschlichkeit»

Senta Berger hat schon viele Festtage erlebt. Ein Gespräch über ihre Kindheit im Wien der Nachkriegszeit, über 60er-Jahre und Hollywood, aber auch über den Filmdreh mit Sohn Simon und die Herausforderungen für ältere Schauspieler.
Interview: Susanne Holz und Beat Kunz
Zeitlos schön: die österreichisch-deutsche Schauspielerin und Filmproduzentin Senta Berger (77). (Bild: Paul Schirnhofer)
Hit am TV: «Kir Royal», 1984. (Bild: Getty)
Mit Kirk Douglas in «Der Schatten des Giganten», 1966. (Bild: Getty)
Preisgekrönte Krimiserie seit 2002: «Unter Verdacht», hier 2018. (Bild: Barbara Bauriedl)
4 Bilder

«Weihnachten ist Mitmenschlichkeit»

Senta Berger, Sie stimmen demnächst mit dem Tölzer Knabenchor im KKL in Luzern auf Weihnachten ein. Was bedeutet Ihnen dieses Fest?

Es ist für uns ein Familienfest. Es kommen die in ganz Europa verstreuten Verhoevens zu einem weihnachtlichen Mittagessen zusammen, das sich bis in den frühen Weihnachtsabend erstreckt. Das ist ein Erzählen und Staunen über die Kinder und Kindeskinder, die wieder ein Jahr älter geworden sind. Am Abend gehen wir alle in eine Kindermesse, und jeder singt, so gut er kann, laut mit. Wenn wir um den Baum versammelt sind, erzählt jeder von uns eine weihnachtliche Geschichte oder spielt ein kleines Weihnachtslied am Klavier, auch so gut er kann.

Das Wichtigste ist, dass wir alle einmal im Jahr zusammen sind und uns an den Händen halten können.

Das klingt turbulent! Gibt es auch Zweisamkeit?

Am schönsten ist die Nacht vor Weihnachten, in der mein Mann und ich den Christbaum schmücken. Wir hören traditionelle Weihnachtsmusik: Händel, Bach, Haydn … – zu vorgerückter Stunde aber auch amerikanische Christmas-Songs. Bing Crosby, Frank Sinatra, Ella Fitzgerald. Ab und zu setze ich mich auch ans Klavier und übe ein wenig die Weihnachtslieder, die wir an Heiligabend singen werden: Denn gesungen wird bei uns immer!

Ihr liebstes Weihnachtslied?

In meiner Kindheit spielte mein Vater «Stille Nacht, heilige Nacht» am Klavier, während ich unser kleines Weihnachtsbäumchen anstaunte. Der Vater meines Mannes Michael, Paul Verhoeven, spielte Klavier, ohne es gelernt zu haben, ohne eine einzige Note zu kennen, und seine Kinder sangen dazu. Ich spiele mehr schlecht als recht auf dem Klavier. Manches Mal spielen wir auch vierhändig – die Söhne und ich –, und alle singen. Jeder hat ein Weihnachtslieblingslied. «Leise rieselt der Schnee» ist meines.

Ihr schönstes Weihnachten war ...?

Natürlich sind die Weihnachten in der Kindheit die schönsten. Alles ist geheimnisvoll und aufregend.

Meine Kinderweihnachten fielen ja in die sogenannte schlechte Zeit nach dem Krieg.

Jedes noch so kleine Bilderbuch war ein grosses Geschenk. Aber auch die späteren Weihnachten mit den eigenen kleinen Kindern sind ein grosses und unvergessliches Glück. Ein kleines bisschen unseres Kinderglaubens und Kinderglücks müssen wir in unser erwachsenes Leben hinüberretten.

Eigenwillig und international

Senta Berger (77) kam am 13. Mai 1941 in Wien zur Welt, ihr Vater war Musiker. Ihre erste Filmrolle hatte sie 1957 in «Die unentschuldigte Stunde». Berger hatte früh ihren eigenen Kopf: Eine Schauspiel­ausbildung am Max-Reinhardt-Seminar musste sie abbrechen, weil sie im Film «The Journey» mit Yul Brynner eine Rolle angenommen hatte, ohne den Direktor um Erlaubnis zu fragen. In den Sechzigern führte Berger ihre Filmkarriere über Deutschland nach Hollywood. Berger war seither sowohl im europäischen Kino, am Theater als auch in deutschen Fernsehserien zu sehen. Seit 1966 ist sie mit dem deutschen Regisseur Michael Verhoeven (80) verheiratet.

Im KKL in Luzern werden Sie Weihnachtsgeschichten erzählen. Warum kein Gesangsvortrag? Immerhin traten Sie schon als Chansonsängerin auf und liehen 2002 in der deutschen Fassung von «8 Femmes» Catherine Deneuve Ihre Stimme.

Ich liebe Weihnachtslieder wirklich, besonders die alpenländischen. Aber mit den hellen Stimmen der Tölzer Knaben könnte ich mich niemals messen. Zum privaten Gebrauch unter dem Weihnachtsbaum reicht es, aber öffentlich verlasse ich mich lieber auf meine Erzählstimme als Instrument.

Lasen Sie Ihren Söhnen Weihnachtsgeschichten vor, als sie klein waren?

Als meine Söhne klein waren, lebte meine Mutter noch. Wir waren bis zum Tod meiner Eltern ein Dreigenerationenhaus. Meine Söhne haben nach den Rezepten meiner Mutter Weihnachtskekse gebacken. Eine Spezialität waren die Vanillekipferl meiner Kinder. Jedes Kipferl hatte eine andere Form.

Die Küche war in eine einzige Wolke aus Puderzucker gehüllt.

In dieser Zeit habe ich meinen Kindern, aber auch Kindern aus der Nachbarschaft viel vorgelesen. Zu ihrem, aber auch zu meinem Vergnügen.

Auf welche Weihnachtsgeschichten von Ihnen darf man sich denn nun im KKL freuen?

Die Weihnachtszeit ist ja die Märchenzeit. Und meine Mutter war eine ganz wunderbare Vorleserin und auch Erfinderin von berührenden Weihnachtsgeschichten. Aus dieser Zeit liebe ich besonders «Der eigensüchtige Riese» von Oscar Wilde. Aber ich werde im KKL auch aus meiner Kindheit erzählen, und zwar mit Geschichten, die ich selbst geschrieben habe.

Wie wichtig ist Ihnen Musik? Ihr Vater war Musiker und begleitete Sie am Klavier, als Sie ein Kind waren: Er griff in die Tasten, Sie sangen.

In unserer winzigen Zweizimmerwohnung in Wien stand der Stutzflügel meines Vaters. Mein Kinderbettchen stand halb darunter. Ich bin also tatsächlich mit Musik aufgewachsen und habe meines Vaters Musikalität geerbt.

Damals in der fernsehlosen Zeit gab es an den Wochenenden die sogenannten «bunten Abende».

Musiker, Sänger, Komiker traten in kleinen Sälen und Theatern auf – so auch ich mit meinem Vater. Er spielte am Klavier, ich tanzte dazu oder sang. Ich fand es wunderbar. Musik ist auch heute für mich unverzichtbar. In jeder Lebenslage.

Hat Ihre Liebe zur Musik auch damit zu tun, dass Sie als Jugendliche einmal Ballerina werden wollten?

Da mein Vater mein musikalisches Talent erkannt hatte, liess er mich schon mit sechs Jahren in eine strenge Ballettschule einschreiben – ich habe den Unterricht genossen. Mit acht Jahren hatte ich meine ersten öffentlichen Auftritte bei den eben bereits erwähnten «bunten Abenden». Später bekam ich ein Stipendium für Tanz an der Akademie für Darstellende Kunst in Wien – Musikerziehung wurde da grossgeschrieben.

In der Pubertät habe ich dann alles hingeschmissen: meinen Ballettunterricht, meinen Klavierunterricht, die Schule … meine armen Eltern!

Wir leben in einer rastlosen Zeit – schnell etwas «hinzuschmeissen», ist heute nicht ungewöhnlich. Der Advent aber ist der Besinnung gewidmet. Inwiefern greifen Ihre Texte zu Weihnachten dies auf?

Meine Textauswahl folgt keiner Ideologie. Ich erzähle, was mich berührt. Und ich möchte daran erinnern, dass Wunder möglich sind, wenn wir an sie glauben. Und daran, dass Mitmenschlichkeit der weihnachtliche Gedanke ist und nichts sonst.

Apropos Mitmenschlichkeit. Der deutsche Film zur Flüchtlingskrise, «Willkommen bei den Hartmanns» (2016), war ein Riesenerfolg. Für Regie und Drehbuch zeichnete Ihr Sohn Simon Verhoeven verantwortlich, Sie spielten eine Hauptrolle. Machte Ihnen der Dreh so viel Spass wie später der Film den Zuschauern?

Mein Sohn Simon konnte schon immer gut Geschichten erzählen. Erst neulich habe ich sein erstes «Drehbuch» wieder gefunden, das er mit neun Jahren geschrieben hat. Erstaunlich gut! Sein erstes Theaterstück schrieb er mit elf Jahren für eine Schüleraufführung. Als ich nun sein Drehbuch zu «Willkommen bei den Hartmanns» gelesen hatte und Simon mich fragte, ob ich die weibliche Hauptrolle übernehmen wolle, war ich richtig froh, dass er mich gefragt hat. Die Geschichte und die Rollen waren nicht nur gut geschrieben, der ganze Film passte in unsere Zeit. Ich habe nicht eine Sekunde daran gezweifelt, dass ich mit dem Regisseur Simon Verhoeven gut zusammenarbeiten würde. Und so war es dann auch.

Das einzig Ungewöhnliche war, dass der Regisseur seine Hauptdarstellerin «Mama» gerufen hat – aber wie sonst hätte er mich auch nennen sollen …

Sie waren und sind als Schauspielerin international höchst erfolgreich. Sie haben mit Hollywood-Grössen wie Kirk Douglas gedreht und in den USA gelebt und gearbeitet. Was verbindet Sie mit der Schweiz? Waren Sie schon einmal im von Jean Nouvel gebauten KKL in Luzern?

Ja, ich glaube, ich war bereits zweimal ins KKL geladen – das ist wohl schon eine Weile her –, aber die Schönheit dieser Stadt und dieser Landschaft, in der sie eingebettet liegt, ist mir ganz lebendig vor Augen. Zur Schweiz habe ich immer noch das Verhältnis, das ich als junges Mädchen hatte: Wenn wir uns in der grauen Nachkriegszeit die Schweiz vorstellten, war das immer verbunden mit blonden Buttersemmeln, Konfitüre und Schokolade – Qualität auf allen Ebenen! In den 60er-Jahren bin ich oft von Hollywood über Zürich nach Wien oder München geflogen und brachte für die Familien und Freunde die köstlichste Schokolade mit, schnell am Flughafen gekauft.

Wäre es auch eine Option gewesen, in die Schweiz zu ziehen?

Eine Zeit lang hätten wir uns vorstellen können, in der Schweiz zu leben – wir hatten eine Wohnung in Engelberg gekauft, ich hatte Angebote des Zürcher Schauspielhauses, und wir fühlten uns so wohl in der Schweiz, als hätten wir dort immer Ferien. Vielleicht sind wir deshalb nicht in die Schweiz gezogen, um uns dieses schöne Gefühl nicht mit Alltag zu zerstören.

Viele Ihrer Schauspielkolleginnen klagen, dass im Alter die Rollen knapp werden. Wie gelingt es Ihnen, nach wie vor so gefragt zu sein?

Fernsehen ist nun mal ein Spiegel unserer Gesellschaft und unserer Zeit. Die Rollen, die ältere Menschen in der Wirklichkeit spielen, entsprechen den Geschichten, die wir im Kino oder im Fernsehen sehen. Von Theaterautoren wurden und werden selten gute Rollen für ältere Frauen geschrieben. Die wirtschaftliche Lage der meisten Theater führt dazu, dass sich in ihren Ensembles kaum mehr ältere Schauspieler finden – Pensionsansprüche, Sozialabgaben!

Für ältere und alte Schauspieler gibt es zumeist Stückverträge – ohne weitere Bindung.

Das Fernsehen wendet sich erst in den letzten Jahren zunehmend dem älteren Publikum zu und will Geschichten erzählen, die auch ältere Menschen ansprechen. Ob ich diese in Zukunft mit­erzählen will, weiss ich noch nicht.

Wie sieht die nahe Zukunft von Senta Berger aus?

Diesen Herbst habe ich die letzte Folge für meine Fernseh-Reihe «Unter Verdacht» gedreht, und im nächsten Frühjahr werde ich einen Film über eine ungewöhnliche Liebesgeschichte zwischen einem sehr jungen Mann und einer schon sehr reifen Frau drehen. Das sind meine aktuellen Pläne – darüber hinaus will ich noch gar nicht denken. Sie fragen mich, wieso ich immer noch und schon so lange arbeite? Die Antwort auf diese Frage ist ganz einfach: Ich fühle mich wohl mit guter Arbeit. Das mag ein gut geschriebenes Drehbuch oder ein Bühnenstück sein – wichtig ist doch nur die Umsetzung.

Senta Berger tritt am Montag, 10. Dezember, um 19.30 Uhr im Rahmen des «Lucerne Chamber Circle» im KKL Luzern auf, zusammen mit dem Tölzer Knabenchor, Theresa Förg an der Harfe, Clemens Haudum an Klavier und Akkordeon und unter der Leitung von Christian Fliegner: «Weihnachten mit Senta Berger». Laut Veranstalter swiss classics eine «Verbindung von Text und Musik, die heitere und besinnliche Momente mit bekannten Weihnachtsgeschichten und -liedern aus ganz Europa verspricht». Karten unter www.swissclassics.ch

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