Was Pneumokokken mit Covid-19 zu tun haben

Der Arzt, der Angela Merkel gegen Pneumokokken impfte, war positiv auf das Coronavirus getestet worden. Das war schlicht und einfach Pech. Aber warum liess sich die Bundeskanzlerin überhaupt impfen? Hatte sie etwa Angst vor dem Sars-CoV-2?

Christoph Bopp
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Der Platz der Bundeskanzlerin bleibt leer. Angela Merkel muss Home Office machen, weil sie Kontakt zu einem Corona-positiv-Getesteten hatte. Es war ein Arzt, der sie gegen Pneumokokken impfte.

Der Platz der Bundeskanzlerin bleibt leer. Angela Merkel muss Home Office machen, weil sie Kontakt zu einem Corona-positiv-Getesteten hatte. Es war ein Arzt, der sie gegen Pneumokokken impfte.

Mika Schmidt/Keystone

Impfen? – Na ja, kann man, aber muss man nicht. Und nicht sofort. So oder ähnlich die Überlegungen im Herbst, bevor die alljährliche Grippewelle anrollt. Dann denkt auch niemand an Pneumokokken. Das sind Bakterien, die sich im menschlichen Rachen- oder Nasenraum ansiedeln. Sie sind normalerweise harmlos. Lässt ein geschwächtes Immunsystem aber zu, dass sie sich ausbreiten, können sie gefährliche Entzündungen auslösen. Sie sind – neben anderen bakteriellen Erregern – auch verantwortlich für lebensbedrohende Lungenentzündungen.

Menschen über 60 Jahre oder jüngere Patienten, deren Immunsystem geschwächt ist, sollten sich routinemässig gegen eine Pneumokokkeninfektion impfen lassen. Das tun natürlich nur die wenigsten.

Ob Angela Merkel zu den regelmässigen Impfern gehört oder auch nur auf den vom Coronavirus angetriebenen Zug gesprungen ist, wissen wir nicht. Tatsache ist, dass sie sich am Freitag gegen Pneumokokken hat impfen lassen. Tatsache ist aber auch, dass sich viele Deutsche gegen Pneumokokken impfen lassen wollten, als die Coronawelle anrollte. Nicht weil Impfen gegen das Coronavirus schützt. Sondern weil sie gehört hatten, dass Pneumokokken oft bei einer «Superinfektion» bei einer Grippe oder einer andern Atemwegsinfektion beteiligt sind. Man kriegt dann die Lungenentzündung obendrauf.

Mitte März erklärte das Paul-Ehrlich-Institut, dass die Impfstoffe knapp würden und Lieferengpässe bestünden. Man solle nur noch Risikogruppen impfen. Das sorgte für Unmut.

Und jetzt Frau Merkel. Sie ist 65. Aber sonst gesund. Wenn man sich im Netz umhört, weiss man nicht, ob die Empörung grösser ist, dass Frau Merkel noch eine Dosis gekriegt hat, oder darüber, dass der Arzt, der sie ihr verpasste, nicht sauber war und später positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Unwürdige Zustände.

Nun muss Frau Merkel in Quarantäne. Und sich testen lassen. Mehrmals, denn ein negatives Ergebnis schliesst nicht mit Sicherheit aus, dass Viren da sind. Auch Tests sind übrigens nicht für alle Leute zugänglich. Schon gar nicht mehrere.