Was fahren Sie?

Wir waren auf Ostschweizer Strassen unterwegs und fragten Velofahrer nach ihrem Fahrstil. Das Fazit: Steigungen erklimmen ist je nach Modell nicht einfach, und etwas gibt es immer zu reparieren.

Seraina Manser
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Viel lieber fahre ich geradeaus, als den Berg hinauf. Steile Strassen sind nicht mein Freund. Mit dem Singlespeed ist man schnell, solange es geradeaus geht. Kaum geht es hinauf, wird man von jedem Rennvelo überholt. Ich brauche mein Velo nur in der Stadt und nur für ebene Strecken. Bei meinem Singlespeed ist ein Leerlauf eingebaut, das heisst, ich kann auch fahren ohne zu treten. Anders ist es bei einem Fixie, da muss man immer treten, auch wenn man hinunterfährt. Ich bin zu faul für ein Fixie, immer in Bewegung zu sein, ist viel zu anstrengend. Bei einem Mechaniker in Zürich habe ich die Einzelteile meines Velos ausgewählt: den Rahmen, den Sattel und die Lenkstange. Er hat es mir zusammengeschraubt. Mir gefällt das puristische Design, nur das Nötigste ist daran. Ich bin ein Schönwetter-Velofahrer, sobald es regnet, lasse ich mein Singlespeed zu Hause, sonst muss ich es nachher nur wieder putzen.

Angelo Zehr, 22, St. Gallen

Merkmale des Fixie- oder Singlespeed-Fahrers: Der Fixie-Fahrer tritt auch bei der Talabfahrt in die Pedale, das massive Schloss um den Hals des Fahrers ist gleich schwer wie das Gefährt.

Lange besass ich ein Velo ohne Motor. Vor drei Jahren hatte ich einen Herzinfarkt, damals hat mir mein Arzt geraten, immer in Bewegung zu bleiben. Dieses Elektrovelo besitze ich seit letztem Herbst. Seither fahre ich ohne Anstrengung hinauf, es macht mir nämlich überhaupt keinen Spass, das Velo zu stossen. Ich wohne in Teufen und komme immer mit dem Velo nach St. Gallen, dafür brauche ich etwa 20 Minuten. Ich benutze es allerdings nur bei schönem Wetter, wenn es regnet lasse ich es lieber zu Hause. Mein E-Force California stammt von einer Firma in Vaduz, es ist im Vergleich zu anderen E-Bikes eher billig. Allerdings ist es ziemlich schwer, es wiegt bestimmt 50 Kilo. Bei den meisten E-Bikes wird das Hinterrad angetrieben, bei diesem Modell das Vorderrad. Ich fürchte den Tag, an dem ich die Batterie auswechseln muss. Für eine neue Batterie zahlt man schnell 300 Franken oder auch das doppelte. Bis dahin düse ich aber mit bis zu 25 Kilometern pro Stunde durch das Land.

Valentin Schüpfer, 66, Teufen

Merkmale des E-Bike-Fahrers: fällt durch müheloses Erklimmen von noch so hohen Steigungen auf, ganz ohne roten Kopf.

Einst brachte ich mit meinem Onkel sein kaputtes Velo in die Velowerkstatt. Ich war fasziniert von all den schönen Fahrrädern, die herumstanden. Kurz vor Weihnachten nahm mich mein Onkel nochmals in die Werkstatt mit, und ich durfte mir ein Velo auswählen. Ich habe mich für dieses violette Modell entschieden. Oft gehe ich mit meinem Velo einkaufen, dann hänge ich den alten Schulrucksack meiner Mutter um die Lenkstange, und im Körbchen kann ich auch vieles verstauen. Meistens fahre ich in der Stadt umher, manchmal auch an den See. Letzten Sommer sind wir zu zweit gefahren, da hat sich das Hinterrad zu einer Acht verbogen und ich musste es ersetzen lassen. Zum Glück hatten sie in der Werkstatt noch ein Rad, das passte. Ich liess mein Velo auch schon eine Woche lang am Bahnhof stehen, ich hatte schon ein mulmiges Gefühl dabei, aber glücklicherweise hatte es niemand gestohlen.

Una Lupo, 19, St. Gallen

Merkmale der Damenvelo-Fahrerin: aufrechte Haltung, trägt oft Rock, der im Fahrtwind flattert, Kleidung passt farblich zum Rahmen, singt oder pfeift manchmal während des Fahrens.

Oh, ich hatte richtig Glück: Einmal fuhr ich mit dem Velo in den Ausgang und schloss es vor dem Lokal ab. Als ich zurückkam, war nur noch das Schloss dort, ich war mir aber sicher, dass ich das Velo abgeschlossen hatte. Wütend ging ich nach Hause. Am nächsten Abend fand ich mein Velo unversehrt ein paar Strassen weiter an einen Abfallkübel gelehnt. Keine Ahnung, was mein Velo in dieser Nacht alles erlebt hat. Auf dieses Cityvelo bin ich per Zufall gestossen, eigentlich wollte ich nur mein altes Velo in die Reparatur bringen. Doch leider konnte der Velomechaniker nicht mehr viel retten, und er schlug mir vor, besser ein neues zu kaufen. Was ich dann auch tat. Vor etwa drei Jahren dann hatte ich einen Unfall: Ich bin mit dem Velo über einen nassen Randstein gerutscht und umgefallen, seither funktioniert die Gangschaltung nicht mehr richtig. Es ist also höchste Zeit, dass ich es endlich reparieren lasse.

Tanja Sackmann, 28, St. Gallen

Merkmale des Cityvelo-Fahrers: kommt erstaunlich schnell auf Asphalt voran, mag unauffälliges Design, Rahmen meist in den Farben Grau, Schwarz, Grün und Braun.