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Pariser Klimaabkommen: Was der US-Ausstieg bedeutet

Die USA kündigt das Pariser Klima-­Abkommen. Aber auch die Absichten vieler anderer Länder sind ungenügend.
Bruno Knellwolf
Mit der Erderwärmung könnten die Klimaextreme häufiger werden. So wie hier beim Hurrikan Maria auf Puerto Rico. (Bild: AP)

Mit der Erderwärmung könnten die Klimaextreme häufiger werden. So wie hier beim Hurrikan Maria auf Puerto Rico. (Bild: AP)

Gestern hat US-Präsident Donald Trump den erstmöglichen Termin genutzt, um eines seiner vielen Wahlversprechen einzulösen: Den Ausstieg aus dem am 4. November 2016 unterzeichneten Pariser Klimaabkommen. Denn erst jetzt ist dieser viel kritisierte Schritt möglich, weil eine Austrittserklärung frühestens drei Jahre nach Unterzeichnung des Abkommens zulässig ist. Wirksam wird die Kündigung nach einer weiteren Frist von einem Jahr, im Fall der USA also einen Tag nach den nächsten Präsidentenwahlen.

Trump ist dann sicher noch im Amt

Dann ist Trump auf jeden Fall noch im Amt. Erst einem demokratischen Nachfolger wäre es möglich, dem Pariser Abkommen wieder beizutreten. «Das wäre innerhalb von Monaten unter Dach», sagt dazu Reto Knutti, Klimaforscher an der ETH Zürich.

Die Demokraten sind schockiert. Der Klimawandel sei «die existenzielle Bedrohung unserer Zeit», erklärte die Sprecherin des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi. Senator Chuck Schumer sprach von einem «dramatischen Rückschritt», der sich jahrzehntelang negativ auf die Umwelt, die Wirtschaft und die nationale Sicherheit auswirken werde. Aussenminister Pompeo sagte dagegen, die USA werde weiter mit Partnern zusammenarbeiten, «um die Widerstandskraft gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels zu stärken».

«Die USA werden weiterhin mit Partnern zusammenarbeiten, um die Widerstandskraft gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels zu stärken»

Knutti will die Kündigung nicht überbewerten. CO2 ist in der Atmosphäre gut durchmischt. Ob eine Tonne in Europa oder den USA ausgestossen wird, spielt keine Rolle und die Auswirkungen bleiben die gleichen: Erwärmung, Meeresspiegelanstieg, Gletscherschmelze...

«Wenn die USA nur für vier Jahre austreten, ist der Einfluss aufs Weltklima klein. Wenn alle anderen Länder nachziehen würden, wäre der Effekt natürlich gross.»

Viele US-Staaten und Firmen reduzieren CO2

«Ohnehin haben sich 24 der einzelnen US-Staaten, in denen 55 Prozent der gesamten Bevölkerung leben, zum Pariser Abkommen bekannt. Viele Städte und grosse Tech-Firmen argumentieren und arbeiten schon lange in diese Richtung», sagt Knutti. Er geht davon aus, dass sich diese durch Trump nicht von ihrem Weg abbringen lassen werden.

«In Kalifornien wird zum Beispiel schon ab 2020 Photovoltaik Vorschrift für jedes neue Haus». Schlimmer als die Kündigung sind für das Klima einige Infrastruktur-Projekte, welche die US-Regierung fördert. Die Dakota Access Pipelines und die Keystone XL könnten gemäss Knutti die Energieversorgung der USA mit fossilen Treibstoffen lange prägen und damit auch den CO2-Ausstoss.

Viel Lärm und Wahlpropaganda

Die Trumpsche Kündigung ist vor allem viel Lärm und Wahlpropaganda. Denn die Zusagen der Länder im Pariser Abkommen sind freiwillig. Die USA hätten auch dabei bleiben können und nur wenig Klimaschutz versprechen müssen. Das hätte Trumps Anhängern aber weniger gefallen.

Die Klimaziele von Paris sind klar, die Erwärmung muss auf deutlich unter 2 Grad Celsius begrenzt werden. Und dafür muss der weltweite CO2-Ausstoss bis etwa 2050 auf Null reduziert werden.

«Ein sinnvolles Zwischenziel wäre halbieren bis 2030»

sagt der ETH-Klimatologe. Doch die momentanen freiwilligen Zusagen sind bei 75 Prozent der 184 Unterzeichner-Staaten ungenügend wie die gestern publizierte Studie «The Truth Behind the Climate Pledges» vom Universal Ecological Fund zeigt.

Nur die 28 EU-Staaten und sechs andere Länder mit der Schweiz und Liechtenstein werden ihre Emissionen um mindestens 40 Prozent reduzieren bis 2030, wobei die Schweiz als eines der einzigen Länder auf Ausland- statt Inlandkompensation setzt.

Im Fokus der Studienautoren stehen die Länder China, Indien, USA und Russland, die zusammen mehr als die Hälfte der weltweiten Treibhausgase ausstossen.

China

China ist der grösste Treibhausgas-Produzent der Welt mit 27 Prozent des Ausstosses. Zwar ist der Pro-Kopf-Ausstoss eines Chinesen nur die Hälfte eines Amerikaners oder Kanadiers, aber doch mehr als ein Engländer oder Franzose. Historisch hatte China lange tiefe CO2-Emissionen.

Aber seit 1990 sind diese mit dem Wirtschaftswachstum um das Vierfache gestiegen. Zwar setzt China auch auf erneuerbare Energien, trotzdem wird 85 Prozent der Energie mit fossilen Treibstoffen erzeugt. Zugesagt hat Peking nur, dass die Treibhausgase nicht im gleichen Mass zunehmen sollen wie das Bruttoinlandprodukt.

Indien

Indien hat einen Treibhausgasanteil von sieben Prozent und ist damit der viertgrösste Produzent. Seit 1990 hat sich der Pro-Kopf-Ausstoss verdoppelt, ist aber immer noch acht mal kleiner als der eines Nordamerikaners. Erwartet wird mit dem Wirtschaftswachstum ein weiterer Anstieg der CO2-Emissionen. Und die Zusagen sind so lau wie jene von China.

Russland

Russland produziert 4,6 Prozent der Treibhausgas-Emissionen und hat kein Versprechen für die Pariser Ziele abgegeben.

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