Was der Kot über uns erzählt

Die moderne Lebensweise hat die Darmflora des Menschen stark verändert. Das zeigt die Erforschung fossiler Hinterlassenschaften.

Martin Vieweg
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the little girl is sitting on toilet (Bild: (31442077))

the little girl is sitting on toilet (Bild: (31442077))

Der Gestank ist verflogen, doch Spuren der Bakterien, die vor Jahrtausenden den Darm der Menschen bevölkerten, sind in fossilen Hinterlassenschaften noch nachweisbar. Mit ihrer Hilfe konnten US-Forscher nun dokumentieren, wie deutlich sich die Zusammensetzung der sogenannten Darmflora nach dem Aufkommen von besserer Hygiene, Antibiotika und modernen Ernährungsformen verändert hat.

Cecil Lewis von der Universität von Oklahoma und seine Kollegen haben für die Studie fossile Kotproben untersucht, die in der Fachsprache Koprolithen genannt werden. Es handelte sich um rund 8000 Jahre alte menschliche Hinterlassenschaften aus der Hinds Cave im Südwesten der USA und um 1400 Jahre alte Geschäftchen aus einer Höhle in Rio Zape in Mexiko. Ausserdem analysierten die Forscher den Darminhalt einer 1600 Jahre alten Mumie aus Caserones im Norden von Chile.

Ein Vergleich mit heute

Durch spezielle DNA-Untersuchungen bestimmten sie, wie die Bakteriengemeinschaften der Darmflora zu den Lebzeiten der entsprechenden Personen zusammengesetzt gewesen waren. Diese Ergebnisse verglichen sie anschliessend mit Daten heutiger US-Amerikaner und den Eigenschaften der Darmflora von Kindern der traditionell lebenden Landbevölkerung in Afrika.

Zusätzlich dienten zum Vergleich bereits bekannte Informationen über die Zusammensetzung der Darmflora des steinzeitlichen Gletschermanns Ötzi und eines österreichischen Soldaten, dessen Leiche rund hundert Jahre in einem Gletscher überdauert hatte.

Wenig Ähnlichkeit

Den Auswertungen zufolge ähnelte die Bakterienzusammensetzung in den Proben aus der Hinds Cave und von der Mumie aus Caserones kaum der in den Bakteriengemeinschaften heutiger Menschen. Nur die Rio-Zape-Proben spiegelten eine Darmflora wider, die in einigen Eigenschaften der von Kindern des heutigen ländlichen Afrikas entsprach. Ähnlich war das beim Vergleich der Ergebnisse von Ötzi und dem österreichischen Soldaten. Auch deren Darmflora ähnelte der afrikanischer Kinder vom Land.

Anscheinend veränderte die moderne Lebensweise die Darmflora also sehr drastisch, folgern die Forscher. «Es ist klar, dass Antibiotika und eine verbesserte Hygiene viele Vorteile mit sich bringen, aber nicht ohne einen Preis», meint Cecil Lewis.

Allergien als Folge?

Durch die Veränderungen des ursprünglichen Verhältnisses des Menschen zu seinen mikrobiellen Untermietern wird vielen Studien zufolge die Entwicklung unseres Immunsystems beeinflusst. Dies könnte die Ursache für die steigende Häufigkeit von Allergien und Autoimmun-Erkrankungen sein, sagen Experten.

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