Kaltfront
Warum es im Mittelland in den letzten Tagen so saukalt gewindet hat

Der kühle Wind aus Nordost wehte diese Woche das Mittagessen vom Teller. Dem Mittelland nimmt für das Naturphänomen eine besondere Rolle ein.

Daniel Fuchs
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Die Bise ist ein kühler Nordostwind.

Die Bise ist ein kühler Nordostwind.

«Daryl» ist schuld. Er sitzt hoch über Schottland und bescherte uns das stabile Wetter der letzten Tage. «Daryl» ist ein Hoch und an seinem südöstlichen Rand wehte kräftiger Wind, die Bise.

Der Abkühlung sei Dank, lässt sie uns zwar besser schlafen, dafür pfeift sie uns tagsüber bisweilen so stark um die Ohren, dass wir das Mittagessen drinnen zu uns nehmen. Und jenen, die ihr trotzen, weht die Bise das Take-away-Geschirr aus der Hand und den Salat auf das Hemd. Nun können wir aufatmen: «Heute weht sie nur noch mässig, am Wochenende nur noch schwach», sagt der Meteorologe Roger Perret von Meteonews. «Dafür wird es nun wieder heiss.»

Freund und Feind

Wie jedes Wetter hat auch die Bise Freund und Feind: Lässt sie zum Beispiel Windsurfer-Herzen höher schlagen, müssen Hobbygärtner und Gemüsebauern immer wieder bewässern. Zusammen mit der kräftigen Hochsommer-Sonne und der Hitze lässt die Bise die Böden rasch austrocknen.

Was das Gemüse oder gerade aktuell die Erdbeeren verdorren lässt, freute umso mehr jene Bauern, die nach dem Regen- und Gewitterwetter im Frühsommer nun endlich heuen konnten.

Zu Problemen führte die Bise vor allem in der Westschweiz: Eine kräftige Böe liess gestern in Nyon die Fassade eines wegen Renovationen geschlossenen Hotels einstürzen. Die Bauarbeiter konnten sich gerade noch retten, Verletzte gab es keine. Und im freiburgischen Bulle verlor SVP-Nationalrat François Rime in der Nacht zuvor seine Sägerei in den Flammen. Die Brandursache ist noch nicht geklärt, doch wegen der Bise sprangen die Flammen auf ein benachbartes Kongresszentrum über.

Der Schlauch ist ein Beschleuniger

Solche Meldungen aus der Westschweiz sind kein Zufall. Die Bise weht dort generell stärker. Das Phänomen lässt sich am besten anhand des Flaschenhalsprinzips aufzeigen: Begrenzt durch Jurakette im Nordwesten und Alpenkette im Südosten, kanalisiert das Mittelland den Wind aus Nordost. Es wirkt wie ein Schlauch, der sich gegen Südwesten hin verengt. «Bei Genf liegen Jura und Alpen viel näher beieinander als bei Zürich. Diese Enge wirkt als Beschleuniger für den Wind», erklärt Meteorologe Roger Perret.

Bisenlage entsteht übrigens immer bei einem Hochruckgebiet über Nordeuropa, zum Beispiel häufig über Skandinavien oder wie gerade in den letzten Tagen mit «Daryl» über Grossbritannien. Da sich Hochdruckgebiete auf der Nordhalbkugel im Uhrzeigersinn drehen (umgekehrte Richtung auf der Südhalbkugel), weht der Wind an «Daryls» südöstlichem Rand aus Richtung Nordost.

Bei Bisenlage bleibt das Wetter in der Schweiz stabil. Im Sommer also sonnig und warm. Im Winter hat die Bise zur Folge, dass wir jeweils unter einer zähen Hochnebeldecke sitzen.