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Warschau gedenkt den über 50 Millionen Opfer des Zweiten Weltkriegs: «Wir werden niemals vergessen»

In Warschau gedenken Staatsgäste aus mehr als 30 Ländern der über 50 Millionen Opfer des Zweiten Weltkriegs.
Alexa Clemenz Berger
Polens Präsident Andrzej Duda empfängt den deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und US-Vize Mike Pence (v. l.) (Bild: EPA)

Polens Präsident Andrzej Duda empfängt den deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und US-Vize Mike Pence (v. l.) (Bild: EPA)

Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat Polen bei den Gedenkfeiern zum Beginn des Zweiten Weltkriegs vor 80 Jahren um Vergebung für die historischen Verbrechen Deutschlands gebeten. «Ich verneige mich in Trauer vor dem Leid der Opfer. Ich bitte um Vergebung für Deutschlands historische Schuld. Ich bekenne mich zu unserer bleibenden Verantwortung», sagte Steinmeier gestern in Warschau. Polens Präsident Andrzej Duda empfing auf dem Pilsudski-Platz im Zentrum der polnischen Hauptstadt Staatsgäste aus mehr als 30 Ländern, unter ihnen auch die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und US-Vizepräsident Mike Pence.

Die Vergangenheit ist nicht abgeschlossen

Der Überfall auf Polen am 1. September 1939 markierte den Beginn des Zweiten Weltkriegs. In Polen wurden rund sechs Millionen Menschen getötet, etwa die Hälfte von ihnen waren Juden. «Meine Landsleute entfesselten einen grausamen Krieg, der mehr als fünfzig Millionen Menschenleben kosten sollte, unter ihnen Millionen polnische Bürgerinnen und Bürger», sagte Steinmeier. «Dieser Krieg war ein deutsches Verbrechen.» Die Vergangenheit sei nicht abgeschlossen:

«Wir vergessen die Wunden nicht, die Deutsche Polen zugefügt haben», betonte Steinmeier und fügte auf Polnisch hinzu: «Wir werden niemals vergessen.»

Steinmeier verwies in seiner Rede auch auf die Aussöhnung der beiden Nachbarländer: «Dass an diesem Tag ein deutscher Präsident vor Ihnen stehen und sprechen darf – das zeigt das lebendige Wunder der Versöhnung.» Diese Versöhnung sei eine Gnade, «die wir Deutschen nicht verlangen konnten, aber der wir gerecht werden wollen».

Besucherinnen und Besucher beobachten und filmen die Zeremonie auf dem Pilsudski-Platz. (Bild: EPA)

Besucherinnen und Besucher beobachten und filmen die Zeremonie auf dem Pilsudski-Platz. (Bild: EPA)

Apell an die Gemeinschaft

US-Präsident Donald Trump hatte seine Teilnahme an der Gedenkfeier in Warschau wegen des Hurrikans «Dorian» kurzfristig abgesagt und seinen Stellvertreter Pence nach Warschau geschickt. Auch der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj zählte zu den Gästen der Zeremonie. Russlands Präsident Wladimir Putin hingegen wurde nicht eingeladen.

Duda appellierte an die internationale Gemeinschaft, entschieden gegen militärische Aggressionen vorzugehen. Den deutschen Überfall auf Polen hätte es möglicherweise nicht gegeben, wenn sich die Westmächte dem Anschluss Österreichs entgegengestellt und scharf gegen die Verfolgung von Juden in Deutschland protestiert hätten, sagte er. Duda warnte in Anspielung auf Russland, imperialistische Tendenzen in Europa gebe es auch heute. «2008 Georgien, 2014 Ukraine, bis heute Okkupation, Kriegsgefangene und militärische Provokationen.»

US-Vizepräsident Pence verzichtete auf Kritik an den aus US-Sicht zu niedrigen deutschen Verteidigungsausgaben. Er forderte nur in allgemeiner Form, dass sich alle Nato-Partner zu ihren Verpflichtungen bekennen müssten. (sda)

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