Wandertipp
Von St.Gallen durch den Wald, über Wiesen und der Sitter entlang zum Schloss Dottenwil

Unten das Nebelmeer, oben strahlt die Sonne: Für die meisten Wandervögel ein Grund, sich auf einen Ausflug in die Höhe zu machen. Eine Wanderung in flachen Gefilden hat unter diesen Bedingungen jedoch auch seinen Reiz.

Arcangelo Balsamo
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20 Bilder

Infos zur Wanderung

Start: St.Gallen Bahnhof
Ziel: Wittenbach Bächi
Strecke: 11,48 km
Wanderzeit: 3 h
Aufstieg: 246 m
Abstieg: 324 m
Ausrüstung: Gutes Schuhwerk, Wanderung nicht für Kinderwagen geeignet.
Gaststätten: «Erlenholz» (bis März: Mittwoch bis Freitag 11 bis 14 Uhr, 17 bis 23 Uhr), «Dottenwil» (Winterpause bis 18. Februar), «Hirschen» (Donnerstag, Freitag, Montag 11 bis 14 Uhr, 17 bis 23 Uhr, Samstag 17 bis 23 Uhr, Sonntag 10 bis 23 Uhr)
Öffentlicher Verkehr: Verbindungen an Start und Ziel
Parkplätze: Am Bahnhof in St.Gallen
Kartenmaterial: Landkarte: 1:25'000, Blatt: 1075 Rorschach.

1 St.Gallen Bahnhof Gleich zu Beginn der Wanderung steht der anstrengendeste Abschnitt an: die Schlösslitreppe. Diese weist über 400 Stufen auf und strapaziert die Beine ordentlich. Das hat jedoch auch etwas Gutes: Weitere Aufwärmübungen erübrigen sich. Auf dem Höhenweg angekommen, führt die Strecke nach rechts weiter zur Kinderfestwiese, vor welcher man links abbiegt und kurz darauf ein Waldstück erreicht. Bei nebliger Witterung hat dieser Abschnitt eine mystische Wirkung. Es ist ruhig, einzig die Autobahn ist im Hintergrund leicht vernehmbar, andere Wandervögel? Fehlanzeige. Die verschiedenen Sinne erhalten auf diesem Abschnitt die Möglichkeit, die Umgebung wahrzunehmen. Das Laub raschelt unter den Füssen, die Vögel, die während der kalten Monate nicht in den Süden gezogen sind, zwitschern und das wenige Laub auf den Bäumen weist kraftvolle Farben auf. Im Waldstück trifft man auch auf eine Feuerstelle, doch noch ist es zu früh für eine Rast und ausserdem nicht klassische Jahreszeit, um zu grillieren.

2 Büel Kurz nachdem man die Gatterstrasse erreicht hat, kommt man im Bereich Büel kurz aus dem Wald. Auf der linken Seite entdeckt man ein Hofgebäude. In seiner Umgebung befinden sich Obstbäume, die mittlerweile alle ihre Blätter verloren haben. Der Nebel ist dick. Die Stimmung beinahe gespenstisch – mittlerweile ist auch die Autobahn nicht mehr zu hören. Es geht erneut in den Wald und plötzlich herrscht Lärm. Zwei Männer sind gerade dabei, mit der Motorsäge Bäume zu fällen. Das Kreischen ihres Werkzeugs hört man bereits von weitem. Am Ende des Waldes gelangen die Wanderinnen und Wanderer in ein Wohnquartier. Nach wenigen Metern trifft man auf einen Wegweiser, der auf den Sitterstrandweg hinweist, auf welchem der nächste längere Abschnitt der Wanderung verläuft. Über eine Wiese – Ausflüglern und Ausflüglerinnen mit undichtem Schuhwerk drohen nasse Füsse – erreicht man die Erlenholzstrasse und kurz darauf bereits den nächsten Wegpunkt.

3 Erlenholz An diesem Wegpunkt befindet sich das gleichnamige Restaurant. Am besagten Nebeltag hat es geschlossen. Bis im März hat es nur unter der Woche geöffnet (s. Kasten oben). Kurz nach dem Restaurant hat man auf den Sitterstrandweg erreicht. Eine Tafel weist darauf hin, dass der Weg aktuell nur auf eigene Gefahr betreten werden darf. Der Durchgang ist erschwert. Wenn man dem Weg länger folgt, dann kommt irgendwann auch eine Tafel, die darauf hinweist, dass er ab jenem Punkt gesperrt und der Durchgang verboten ist.

Kurz nach dem Passieren des Gasthauses erreicht man eine Jagdschiessanlage und im Anschluss das nächste Waldstück. Gleich zu Beginn des Waldes steht eine Hütte, die im Rahmen des 150-Jahr-Jubiläums der St.Galler Kantonalbank errichtet wurde: Der ideale Ort für die Mittagspause. Auch hier gibt es eine Feuerstelle. Einen Abfallkübel sucht man dieser Tage jedoch vergeblich. Die Wanderung geht an der Sitter entlang weiter. Wo sich im Sommer viele Leute tummeln und die Sonne geniessen, hat man den Weg dieser Tage ganz für sich. Auch der Campingplatz, kurz nach dem Unterqueren einer Brücke, scheint verlassen. Im Anschluss führt der Weg nach rechts und es gilt eine kleine Steigung zu überwinden. Dabei wird man von neugierigen Alpakas beobachtet und kurz darauf ist man am nächsten Wegpunkt angelangt.

4 Chapf Ab hier verlässt man den Wanderweg für einen kurzen Moment, unter anderem weil der Sitterstrandweg – wie bereits erwähnt – kurz darauf nicht mehr betreten werden darf. Stattdessen geht es auf einem Trottoir der Strasse entlang. Auch hier grasen auf der rechten Seite einige Vierbeiner. Doch die Schafe sind weder von Wanderinnen und Wanderern noch von den vorbeifahrenden Autos beeindruckt. Wer noch einmal zur Sitter hinunter will, der kann nach links abbiegen und die Ruhe am Fluss geniessen, muss jedoch danach denselben Weg wieder zurückstapfen. Die hier angegebene Route sieht aber vor, dass man im Bereich Büttigen nach rechts abbiegt und an zwei Höfen vorbei und über Felder zum nächsten Wegpunkt spaziert.

5 Dottenwil Das Schloss Dottenwil steht auf einer leichten Erhöhung und ist umgeben von Reben. Kurz bevor man es erreicht, stösst man auf einen Kühlschrank, aus welchem man hofeigenes Sauerkraut kaufen kann. Das Schloss wurde im Jahr 1534 vom St.Galler Bürger und Spitalmeister Peter Graf erbaut. Im Schloss integriert ist das Wittenbacher Ortsmuseum. Auch ein Restaurant befindet sich im Schloss. Dieses hält aber bis Februar noch einen Winterschlaf. Vor dem Schloss ist eine Tafel montiert, die Auskunft über die Aussicht gibt. An sonnigen Tagen lohnt es sich vermutlich, innezuhalten und diese zu geniessen. An Nebeltagen ist jedoch nichts zu sehen.

Dass sich hinter dem dicken Nebel eine herrliche Aussicht versteckt, lässt sich nur durch die Tafel erahnen.

Dass sich hinter dem dicken Nebel eine herrliche Aussicht versteckt, lässt sich nur durch die Tafel erahnen.

Bild: Arcangelo Balsamo

Kleine Wanderinnen und Wanderer, die keine Lust auf eine Pause haben, können sich beim Schloss Dottenwil auf dem Spielplatz austoben, ehe es über eine kurze Treppe durch die Reben auf die Strasse in Richtung Wittenbacher Ortszentrum geht. Bei den garstigen Bedingungen trifft man auf dem nächsten Wegabschnitt ebenfalls kaum auf Personen, stattdessen auf zahlreiche Tiere, wie Schafe, Katzen, Kühe und Pferde.

6. Wittenbach Bächi Kurz bevor man das Ziel an der Romanshornerstrasse erreicht, lohnt sich ein kleiner Umweg via Dorfstrasse über den Dorfhügel Wittenbachs. Auch auf dieser leichten Erhöhung stehen ein Schloss, ein Restaurant und ein Spielplatz. Das Schloss Egg ist mit Baujahr 1582 das älteste Gebäude der Gemeinde. Das Restaurant Hirschen wurde 1730 erbaut und gehörte einst zum Schlossgut Egg. Und auch die Kirche St.Ulrich sowie die Kapelle St.Nepomuk, die kurz nach dem Schloss den Weg säumen, wurden beide im 18. Jahrhundert erbaut. Wer nach der bisherigen Strecke den Drang verspürt, weiterzuwandern, der ist freilich nicht dazu verpflichtet, an der Romanshornerstrasse in den Bus zu steigen. In unmittelbarer Nähe der Bushaltestelle befinden sich Wanderwegweiser mit der Aufschrift «St.Gallen Bahnhof - 90 Minuten», was an sonnigen und warmen Tagen sicherlich eine Überlegung wert ist.

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