Wandertipp
Über den höchsten Punkt des Thurgaus und an der bösesten Hofhündin der Schweiz vorbei auf das Hörnli

Viel mehr als Hügel und Wald hat der hinterste Hinterthurgau nicht zu bieten, könnte man meinen. Die Wanderung über den Groot auf das Hörnli belehrt Unwissende eines Besseren – und beweist, dass sich ein Ausflug nach Fischingen nicht nur wegen des Klosters lohnt.

Stefan Marolf
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Die Wanderung von Fischingen auf das Hörnli hat einige Besonderheiten zu bieten – unter anderem die Marienstatue auf der Ottenegg.
20 Bilder
Start und Ziel der Hörnli-Tour: Das Kloster Fischingen.
Durch den Höllwald, der schauriger klingt, als er ist, wandert man hinauf zur Ottenegg, ...
... wo der Groot, höchster Punkt des Thurgaus, schon ganz nah ist.
Auf 991,1 Metern über Meer ...
... an der Grenze der Kantone Thurgau ...
... und St.Gallen, ...
... bietet sich ein toller Ausblick bis zum Hohen Kasten und zum Säntis.
Der Abstieg vom Groot verläuft an einer Grillstelle ...
... und am Hof von Momo, der bösesten Hofhündin der Schweiz, vorbei. Sie bellt zum Glück nur aus sicherer Distanz.
An diesem schmucken Haus vorbei, ...
... erreicht man in insgesamt drei Stunden Aufstieg das Hörnli.
Auf 1133 Metern über Meer reicht die Sicht bis zu den Walliser und Berner Alpen, zu den Mythen, zur Rigi und zum Pilatus.
Der Abstieg verläuft auf schmalen Pfaden und zum Teil ausgesetzt, ...
... ehe auf der Strasse nach Rotbühl wieder sicheres Terrain erreicht ist.
An Kreuzen, ...
... Kühen ...
... und Pilzen vorbei führt der Weg ...
... zurück nach Fischingen.
Wer Hunger hat, kann sich zum Abschluss im Klosterrestaurant verpflegen.

Die Wanderung von Fischingen auf das Hörnli hat einige Besonderheiten zu bieten – unter anderem die Marienstatue auf der Ottenegg.

Bilder: Stefan Marolf

Infos zur Wanderung

Start und Ziel: Kloster Fischingen
Strecke: 18,5 km
Wanderzeit: 5 h 40 min
Aufstieg: 850 m
Abstieg: 850 m
Ausrüstung: Wanderschuhe, Wanderung nicht für Kinderwagen geeignet
Gaststätten: Restaurant Kloster Fischingen (täglich 10 Uhr bis 19 Uhr), Bergrestaurant Hörnli (Freitag bis Dienstag 9 Uhr bis 17 Uhr)
Öffentlicher Verkehr: Bus 734 von Wil in Richtung Fischingen, Kloster
Parkplätze: Beim Kloster Fischingen
Kartenmaterial: Landkarte: 1:25000, Blatt: 1093 Hörnli

1 Kloster Fischingen

In der südlichsten Gemeinde des Kantons Thurgau – mit dem Bus von Wil her stündlich erreichbar – wähnt man sich am Ende der Zivilisation. Wo man in Fischingen auch hinschaut: nichts ausser Hügel und Wald. Orientierung bieten immerhin die gelben Wanderwegweiser, die für eine Wanderung auf das Hörnli verschiedene Optionen anzeigen.

Die hier beschriebene Wanderung folgt zuerst der Hauptstrasse nach Süden und zweigt dann nach links in die Hinterdorfstrasse ab. Wer sich vor dem Aufstieg stärken will, kann das hier in einem Selbstbedienungshofladen tun: Im Angebot stehen Pilgerbrot, Schlorzifladen oder Süssmost.

Am Dorfausgang von Fischingen können Wandernde ihren Rucksack mit Proviant auffüllen.

Am Dorfausgang von Fischingen können Wandernde ihren Rucksack mit Proviant auffüllen.

Bilder: Stefan Marolf

2 Neuschür

Direkt nach dem Hofladen beginnt der Anstieg in Richtung Hof Neuschür. Hier führt ein Weg auf das Hörnli geradeaus, die beschriebene Route aber nach links, an einer Kuhweide vorbei und nach 200 Metern ins Waldreservat Höllwald hinein. Ab hier folgt der Weg stets den gelben Schildern – falsch abbiegen ist fast nicht mehr möglich.

Nach gesamthaft rund 45 Minuten Marschzeit und den ersten 200 Höhenmetern erreicht man den Waldrand und gelangt über eine Treppe zur Marienstatue auf der Ottenegg.

Vom Bänkli neben der Statue haben Wandernde einen schönen Ausblick über den Hinterthurgau.

Vom Bänkli neben der Statue haben Wandernde einen schönen Ausblick über den Hinterthurgau.

3 Ottenegg

Die Statue, versehen mit dem Schriftzug «Ich bin die unbefleckte Empfängniss» (ja, mit Doppel-s), ist zugleich Aussichtspunkt und Rastplatz mit Bänkli.

Über eine Wiese und am gleichnamigen Hof vorbei wandert man auf die Hööchi und leicht bergab in Richtung Höll. Was schaurig tönt, ist der Name eines Bauernhofs – im Sonnenlicht sieht er vielmehr lieblich statt höllisch aus.

Gleich hinter der Höll zeigt der Wegweiser nach links und in den Wald hinein. Nach einem kurzen Stück auf einer befahrbaren Waldstrasse zweigt ein schmaler Pfad nach links ab.

Die Höll macht ihrem Namen keine Ehre – friedlich liegt der Hof zwischen Wiesen und Wald.

Die Höll macht ihrem Namen keine Ehre – friedlich liegt der Hof zwischen Wiesen und Wald.

4 Groot

Ab hier ist die Tour Grat- und Grenzwanderung zugleich. Der Weg schlängelt sich der Grenze zwischen dem Thurgau und St.Gallen entlang bis auf den Groot – auf 991,1 Meter über Meer der höchste Punkt des Kantons Thurgau. Die Bänkli, der Grenzstein und die Aussicht laden zu einer kurzen Pause ein.

Vom Groot aus sieht man die Iddaburg und den Alpstein mit dem Säntis.

Vom Groot aus sieht man die Iddaburg und den Alpstein mit dem Säntis.

Gestärkt nehmen Wandernde danach den ziemlich steilen und in engen Kurven verlaufenden Abstieg durch den Wald hinunter in Richtung Holenstein unter die Füsse.

5 Holenstein

Nach dem kurzen, aber knackigen Abstieg erreicht man wieder eine Waldstrasse, wandert an einer Grillstelle vorbei und zum Hof Holenstein. Hier ist Vorsicht geboten, denn niemand Geringeres als Momo, die böseste Hofhündin der Schweiz, bewacht hier ihr Revier.

Zur Selbstverteidigung hat Momos Herrchen Sepp Schuler Körbe mit Wasserpistolen bereitgestellt. Wer sich so bewaffnet, braucht die Appenzeller Hündin nicht zu fürchten.

Die Wasserpistolen wirken sogar ohne Wasser.

Die Wasserpistolen wirken sogar ohne Wasser.

6 Allenwinden

Von Holenstein aus wandert man ein kurzes Stück auf der Teerstrasse nach Allenwinden und biegt dann links ab. In Kaltenbrunnen, beobachtet von einer Trutenschar, verlassen Hörnli-Wandernde die Strasse bereits wieder.

Wer sich ein paar Minuten Zeit nimmt, gewinnt das Vertrauen der neugierigen Truten schnell für sich.

Wer sich ein paar Minuten Zeit nimmt, gewinnt das Vertrauen der neugierigen Truten schnell für sich.

Durch eine Weide hindurch und dem Waldrand entlang gelangt man in einer Viertelstunde zum Dreiländerstein, wo sich die Kantone Thurgau, St.Gallen und Zürich treffen.

7 Hörnli

Nach dieser leicht übersehbaren, aber topografisch spannenden Wegmarke steht das letzte Stück bis zum Hörnli-Gipfel bevor. In 20 Minuten sind die 120 Höhenmeter gemeistert – Lohn ist entweder ein Picknick oder eine Einkehr im Gipfelrestaurant, das auch im Winter von Freitag bis Dienstag offen ist.

Fast noch besser als die Verpflegung ist auf dem Hörnli die Aussicht, die bei schönem Wetter bis in die Walliser und Berner Alpen reicht. Der Säntis und die Churfirsten sind ebenso zu sehen wie die Mythen, der Pilatus und die Rigi. Einziger Wermutstropfen für Ostschweiz-Patriotinnen und -Patrioten: Der Gipfel liegt auf Zürcher Kantonsgebiet – und das blau-weisse Wappen prangt stolz an der Restaurantfassade.

Das Berggasthaus Hörnli ist abgesehen von einer kurzen Pause im Frühling ganzjährig geöffnet.

Das Berggasthaus Hörnli ist abgesehen von einer kurzen Pause im Frühling ganzjährig geöffnet.

8 Schwändiholz

Für den Abstieg haben Wandernde auf dem Hörnli mehrere Optionen. Die wohl spannendste: der steile Bergwanderweg in Richtung Südwesten, dessen Einstieg sich direkt unter dem Restaurant befindet.

Von hier geht es ein paar Minuten lang steil hinunter zur Gübelegg und dann im Wald rechts. Am Hang entlang führt der zum Teil ausgesetzte Pfad westlich unter dem Gipfel in Richtung Schwändiholz – bei nasser Witterung ist hier Vorsicht geboten.

Bei einer Feuerstelle kommen zwei der Abstiegsrouten wieder zusammen – weiter geht es in Richtung Norden über eine Kiesstrasse. Bei der Abzweigung etwa 500 Meter nach der Grillstelle führt ein offizieller Weg nach links, die kürzere Route zurück nach Fischingen allerdings nach rechts.

Wandernde verlassen hier also den ausgeschilderten Pfad, marschieren hinunter nach Schwendi und dort auf der Teerstrasse nach rechts in Richtung Allenwinden.

9 Allenwinden

Es folgt der mühsamste Teil der Strecke, der etwa 4,5 Kilometer lang einer immerhin kaum befahrenen Strasse entlang verläuft. Nach den ersten zwei Kilometern kreuzt die Abstiegs- die Aufstiegsroute in Allenwinden.

Hier gäbe es einen direkten Weg zurück nach Fischingen – wohl die attraktivere und mit Sicherheit die kürzere Variante. Sie bringt Wandernde vom grossen Wegweiser in Allenwinden über Au zurück zum Ausgangspunkt.

10 Rotbühl

Die zweite, hier genauer beschriebene Variante: zwei weitere Kilometer der Strasse entlang bis nach Rotbühl. Hier biegt man normalerweise in einen Wanderweg ein und von der Strasse weg. Weil dieser bis auf weiteres gesperrt ist, muss man mit der Umleitung und dem letzten halben Kilometer auf Asphalt vorliebnehmen.

Immerhin haben Wandernde die Strasse zwischen Allenwinden und Rotbühl zumindest unter der Woche fast für sich.

Immerhin haben Wandernde die Strasse zwischen Allenwinden und Rotbühl zumindest unter der Woche fast für sich.

11 Klosterblick

Beim Kreuzhof geht es nach links und gleich wieder nach rechts in Richtung Nordosten. Ab hier ist der Weg wieder ausgeschildert, verläuft geradewegs in den Wald hinein und in sanftem Abstieg hinunter zum Klosterblick. Was nach Gaststätte tönt, ist lediglich eine Waldhütte mit Grillstelle – ihren Namen verdankt sie einer Lücke im Geäst, die den Blick auf das Kloster Fischingen freigibt.

Die Bänkli, der überdachte Tisch und die Grillstelle mit Rost bieten Gelegenheit für einen letzten Halt vor dem Abstieg hinunter zum Ausgangspunkt.

12 Kloster Fischingen

Vom Klosterblick ist das Ziel noch eine knappe halbe Stunde und 140 Abwärtshöhenmeter entfernt. Wer in Fischingen auf den Bus warten muss – er fährt stündlich zurück nach Wil –, kann im Klosterrestaurant einkehren und den müden Beinen eine Pause gönnen.