Wandertipp
In grossem Bogen um Eggerstanden, vorbei am traumhaften Forstseeli

Dieser Tage ist die Wanderroute tückisch. In der Höhe ist der Schnee noch nicht geschmolzen. Das erschwert den steilen Aufstieg. Denn die Wege sind nicht immer gepflastert, verschwimmen teils im schneebedeckten Matsch. Und doch lohnen sich die Strapazen allemal. Das Forstseeli gleicht einem kanadischen Postkartenmotiv.

Miguel Lo Bartolo
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41 Bilder

Bilder: Miguel Lo Bartolo

Die Wanderung im Überblick

Start: Eggerstanden, Kirche
Ziel: Forstseeli
Strecke: 8,3 km
Wanderzeit: 2h, 45 Minuten
Aufstieg: 474 m
Abstieg: 474 m
Ausrüstung: Gutes Schuhwerk, Wanderung ist nicht für Kinderwagen geeignet.
Gaststätten: Landgasthaus Neues Bild, Eggerstanden; Restaurant Eggli; wegen der Coronasituation Öffnungszeiten direkt bei den Gaststätten abklären.
Öffentlicher Verkehr: Von St.Gallen aus nach Appenzell, Hirschberg (Halt auf Verlangen), von der Hirschberg Station den Bus 191 bis nach Eggerstanden, Kirche; Parkplätze direkt bei der Kirche.
Kartenmaterial: 1:25000, 1095 Gais. (mlb)

1 Eggerstanden

Im 500-Seelen-Dorf Eggerstanden fängt unsere Wanderroute an. Wer mit dem Auto angereist ist, findet bei der charmanten Kirche bestimmt einen Parkplatz. Die Wanderung kann in beliebige Richtung begonnen werden. Auf der Karte markiert Bildstein – um genau zu sein: die beschauliche Kapelle Bildstein mitten im Wald – das erste Zwischenziel. Man kann aber genauso gut zuerst in Eggli Halt machen.

Weil in der Höhe noch immer Schnee liegt, empfiehlt es sich, die Steile Strecke zwischen Eggerstanden und Eggli bergaufwärts zu gehen. Auf dieser Etappe legen wir die meisten Höhenmeter zurück – und das spüren wir auch. Nach rund einem Kilometer auf asphaltierter Strecke müssen wir uns auf den letzten 600 Metern vor Eggli auf nicht klar gekennzeichneten Wegen zurechtfinden. Zwar gibt uns ein Wegweiser die Richtung vor. Der schmale und verschlammte Wanderweg verblasst aber allmählich.

2 Eggli

Wenn man jetzt zurückblickt, sieht man Eggerstanden schon gar nicht mehr. Hier kann man gut eine erste Pause einlegen und im Restaurant Eggli einkehren. Der Ausblick macht die 300 zurückgelegten Höhenmeter allemal wett:

Nach dem Aufstieg zu Eggli führt ein Kiesweg zu diesem Panorama.

Nach dem Aufstieg zu Eggli führt ein Kiesweg zu diesem Panorama.

Bilder: Miguel Lo Bartolo

Bis zur Alp Heieren sind es nochmals 1500 Meter. Immerhin wieder auf der Strasse. Obwohl es weiter aufwärtsgeht, ist dieser Teil der Strecke weitaus angenehmer. Die Route zum Forstseeli ist wieder gut gekennzeichnet. Wir kommen voran – vorerst zumindest. Auf 1300 Metern folgt das böse Erwachen: Der letzte Teil der Etappe zwischen Eggli und Alp Heieren ist zugeschneit. Der Weg ist kaum zu erkennen. Wären da nicht die Fussstapfen eines mutigen Vorreiters gewesen, hätte man es auf gut Glück versuchen müssen.

Auch mit gutem Schuhwerk ist dieser Tage nicht zu spassen bei derartigen Wanderungen. Es empfiehlt sich, noch ein paar Wochen zu warten, bevor man diese Route zum Forstseeli nimmt – bis auch der letzte Schnee verschwunden ist.

3 Alp Heieren/4 Forstseeli

Der übrige Weg zum Forstseeli ist zunächst tückisch. Ein steiler Abstieg über gebrechliche Wurzeln und unförmige Steine. Hat es an den Vortagen geregnet oder gar geschneit, will jeder Schritt mit Bedacht gegangen werden. Die Strapazen lohnen sich. Die Szenerie beim Forstseeli ist traumhaft. Unberührte Natur, gleich einem kanadischen Postkartenmotiv:

5 Bildstein

Die Kapelle Maria Bildstein.

Die Kapelle Maria Bildstein.

Ein Kilometer trennt uns noch vom nächsten Etappenziel. War das alles? Wer denkt, dass nach dem Forstseeli nichts mehr stimulieren könne, irrt sich. Appenzellerland Tourismus empfiehlt einen Schlenker zur Kapelle Maria Bildstein. Sie soll sich mitten im Wald befinden. Das kann man auf der Website nachlesen. Oder aber man fragt einen der vielen ortskundigen Landwirte, denen man auf dem Rückweg nach Eggerstanden begegnet. Sie weisen einem mit Freude den Weg.

Die Beschreibung von Appenzellerland Tourismus ist unstrittig. Die Kapelle ist ohne jeden Zweifel «malerisch gelegen».

6 Eggerstanden

Es folgt der unspektakulärste und längste Teil der Strecke. 2,7 Kilometer abwärts, alles auf einer Strasse. Genug mit tollkühnen Sprüngen über Quellen und Balanceakten auf matschigen Pfaden. Die letzten Schritte nach Eggerstanden haben etwas Meditatives, Nostalgisches. Man will unweigerlich zum Forstseeli zurück. Bald. Spätestens, wenn auf 1300 Metern der letzte Schnee geschmolzen ist.