Das Schilstal und der turmartige Gipfel Spitzmeilen auf der rechten Seite.

Das Schilstal und der turmartige Gipfel Spitzmeilen auf der rechten Seite.

Bild: Sandro Büchler

Wandertipp: Im Tal des Wolfs

Im St.Galler Oberland, im Schilstal ob Flums, ist ein Wolf heimisch geworden. Eine Wanderung in ein weitläufiges Hochtal mit einer wilden und rauen Natur – und grandiosem Weitblick.

Sandro Büchler
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Ganz zuhinterst im Schilstal ist der markante Spitzmeilen. Der 2501 Meter hohe Gipfel dient bei der Wanderung immer wieder als Orientierungspunkt. Auf den Weiden am Fusse des Bergs hat ein Wolf Ende Juli 19 Schafe gerissen.
21 Bilder
Auf dem Weg vom Ausgangspunkt Maschgenkamm hinein ins Tal wird mit jedem Schritt klarer, weshalb hier wohl Wölfe heimisch geworden sind. Das Schilstal ist weitläufig, wild und von einer rauen Schönheit.
Der erste Abschnitt der Wanderung geht sanft hinab in den Talkessel.
Im einsamen Tal liegt die Alp Fursch: Ein guter Ort für einen ersten Halt und eine erste Verpflegung. In der gemütlichen Hütte kann man auch Übernachten.
Von der Alp geht es nun, vorbei an kleinen Bachläufen, hinauf.
Mitten im Nirgendwo steht das Calanshüttli.
Es geht hoch zum Bergrücken, von wo aus ein Weg zu den Murgseen abzweigt.
Auf dem Hoch Camatsch: Immer wieder fällt der Blick hinunter ins Hochtal und hin zum Spitzmeilen am Horizont.
Auf dem Weg wachsen auf dem Schieferstein merkwürdige Gebilde.
Das Sächserseeli hat von diesem Blickwinkel aus die Form eines Herzens.
Jetzt geht es zum höchsten Punkt der Wanderung: Dem Mütschüelergulmen.
Oben auf dem Mütschüelergulmen, auf 2315 Metern über Meer, bietet sich eine grandiose Rundumsicht. Als erstes fallen die Churfirsten ins Auge.
Einige Wolken zieren die Gipfel der Churfirsten.
Zwischen den Wolken reicht der Blick bis zum Säntis.
Blick um 180 Grad gedreht: Richtung Südwesten sind die Murgseen zu sehen.
Richtung Nordwesten sieht man Amden und dahinter den Speer.
Am Panorama kann man sich kaum satt sehen: Zeit deshalb für einige Spielereien mit der Kamera.
Der Blick reicht bis nach Österreich.
Auf dem Weg zurück zum Maschgenkamm passiert man kurz vor dem «Leist» diese Gesteinsformation: Sie heisst Spitzmantel. Stünde sie irgendwo in den USA, trügen die drei markanten Felsen bestimmt einen anderen Namen, etwa «Three Sisters» oder «Three Wise Monkeys».
Immer wieder fällt der Blick zurück.
Unwirklich, dass dieses beinahe noch ursprüngliche Tal im Kanton St.Gallen liegt.

Ganz zuhinterst im Schilstal ist der markante Spitzmeilen. Der 2501 Meter hohe Gipfel dient bei der Wanderung immer wieder als Orientierungspunkt. Auf den Weiden am Fusse des Bergs hat ein Wolf Ende Juli 19 Schafe gerissen.

Bild: Sandro Büchler

Die Wanderung im Überblick

Start und Ziel: Maschgenkamm (mit der Gondelbahn von der Tannenbodenalp erreichbar)
Strecke: 11,4 Kilometer
Wanderzeit: 4 Stunden 15 Minuten
Aufstieg: 808 m
Abstieg: 808 m
Ausrüstung: Gutes Schuhwerk ist erforderlich. Proviant, Wind- und Regenjacke allenfalls Fernglas dabei haben. Die Wanderung ist nicht für Kinderwagen geeignet.
Gaststätten:
Restaurant Maschgenkamm, bis 18. Oktober, täglich 8–16.45 Uhr;
Alp Fursch, täglich geöffnet, Auskunft gibt Claudia Vogel-Hefti
Tel. 079 703 66 93.
Parkplätze und Öffentlicher Verkehr: Bei der Tannenbodenalp.
Kartenmaterial: 1:25000, Blatt 1154 Spitzmeilen. (sab)

1 Maschgenkamm Ende Juli reisst ein Wolf im Schilstal 19 Schafe. Auf einen Schlag ist das wilde und vielen unbekannte Hochtal oberhalb von Flums in aller Munde. Grund genug für eine Erkundungstour des Habitats, des Lebensraums des Raubtieres. Ausgangspunkt für die Rundwanderung ist die Tannenbodenalp. Von dort bringen Gondeln die Wanderer zum Maschgenkamm. Start Richtung Südwesten über den Ziger zu einem Wegkreuz: Man blickt in das Hochtal an dessen Ende der markante Spitzmeilen thront. Der 2501 Meter hohe turmartige Gipfel dient bei der Wanderung immer wieder als Orientierungspunkt.

Bereits hier zeigt sich ein erstes Mal, wie weitläufig das Gebiet ist. Der erste Abschnitt der Tour geht sanft hinunter in den Talkessel. Je weiter man vordringt, umso klarer wird, wieso sich der Wolf im Schilstal wohl zu scheinen fühlt. Es sind nicht die Schafe, sondern Hirsche, Gämsen und Rehe, die hier zu finden sind und auf dem Speisezettel des Wolfs stehen.

2 Alp Fursch Der Wolf ist scheu, selbst Einheimische haben das Tier kaum je gesehen. Mitten im Schilstal liegt die Alp Fursch, abgelegen und etwas verloren. Die Alp, der tiefste Punkt der Wanderung, ist jedoch ein guter Ort für einen ersten Halt und eine Stärkung, bevor es anschliessend bergauf geht. Auf der Sonnenterrasse der urchigen Alp gibt es auch nur ein Gesprächsthema: der Wolf.

Es liegt in der Natur der Sache, dass die Präsenz des Wolfs die Gemüter erhitzt und zu geteilten Meinungen führt. Während emsig debattiert wird, serviert Claudia Vogel-Hefti Getränke und allerlei Selbstgemachtes. In der gemütlichen Alphütte kann man übrigens auch Übernachten.

3 Hoch Camatsch Nun geht es aufwärts, vorbei an kleinen Bachläufen. Der Weg wird steiler, flacht beim Calanshüttli aber kurz ab. Beim Wegweiser 100 Meter oberhalb der Hütte führt ein Trampelpfad geradeaus, weiter den Hang hinauf, bis man zu einem höher verlaufenden Weg gelangt. Hier geht es nun nach rechts entlang der Höhenkurve. Der abzweigende Weg, auf dem man zum Hoch Camatsch gelangt, ist nicht besonders gut gekennzeichnet. Das Zwischenziel, der Sattel auf dem Kamm, ist jedoch stets gut sichtbar. Auf dem Bergrücken liegt viel Schieferstein, teils kuriose Grasbüschel haben sich darin gebildet. Von hier hat das Sächserseeli die Form eines Herzens.

4 Mütschüelergulmen Der angebliche Wolf im Tal tritt spätestens jetzt in den Hintergrund. Denn der Höhepunkt dieser Wanderung ist nicht das Raubtier sondern der Mütschüelergulmen. Der 2315 Meter hohe Gipfel gleicht von unten einem mit Gras bewachsenen Dreieck. Im Zickzack geht es nach oben. Auf dem Gipfelplateau bietet sich eine grandiose Rundumsicht, die von den Churfirsten über den Säntis bis hin zu den Glarner und Bündner Alpen reicht. Auch die Murgseen sind sichtbar. Auf dem Mütschüelergulmen lohnt es sich, etwas Zeit zu verbringen. Immer wieder erblickt man Neues.

5 Leist Es geht hinab, zurück zum Ausgangspunkt. Auf dem Weg zum Maschgenkamm passiert man kurz vor dem «Leist» eine Gesteinsformation: Sie heisst Spitzmantel. Stünde sie irgendwo in den USA, trügen die drei markanten Felsen bestimmt einen anderen Namen, etwa «Three Sisters» oder «Three Monkeys».

Die Felsen und das ganze Schilstal gehören zum Unesco-Welterbe Sardona – einer rund 300 Quadratkilometer grossen ursprünglichen Gebirgslandschaft im Grenzgebiet der Kantone St.Gallen, Glarus und Graubünden. Das Gebiet zeigt anschaulich, wie sich die Gebirge gebildet haben und ist deshalb auch für Wissenschaftler bei der Erforschung der Erdgeschichte beliebt.

6 Maschgenkamm Ein letzter Blick zurück ins wilde Schilstal bevor es zum Maschgenkamm geht. Von dort fährt die Gondel zurück zur Tannenbodenalp. Weiter geht es mit dem Bus oder dem Privatfahrzeug entlang der kurvenreichen Strasse hinunter nach Flums.

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