Wandertipp
Hoch hinauf ins Reich der Steinböcke: Von Walenstadt auf den Chäserrugg und zurück

Ein Spaziergang sind die 20 Kilometer und über 2000 Höhenmeter zwischen Walenstadt, Chäserrugg, Gamserrugg und Nideripass nicht. Wer aber eine Herausforderung sucht und mit atemberaubenden Ausblicken belohnt werden will, ist auf dieser Wanderung genau richtig.

Stefan Marolf
Drucken
Die Wanderung auf den Chäserrugg bietet überraschende Ausblicke auf den Walensee, das Seeztal und die Ausläufer der Churfirsten.
19 Bilder
Hoch über Walenstadt thront der Chäserrugg, den es zu bezwingen gilt.
Nach wenigen Metern im Siedlungsgebiet erreicht man den Wald und schmale, steile Pfade.
Pilze säumen den Weg, der an Tannen- und Buchenbeständen vorbei stetig nach oben führt.
Auf der Höhe des Wissenbergs gilt es, ein Felsband zu traversieren. Lohn für den nicht ungefährlichen Abschnitt: Der Ausblick auf Walenstadt und das Seeztal.
Am Ende des Waldes bietet die Alp Vorder Büls eine Rastgelegenheit ...
... und einen tollen Ausblick auf den Walensee und den Mürtschenstock.
Von Hinterbüls aus stehen noch einmal steile 800 Höhenmeter und zwei Stunden Aufstieg durch das Valsloch bis zum Chäserrugg an.
Der Weg führt am Chammsässli vorbei ...
... über enge Kletterpassagen ...
... bis auf über 2000 Meter über Meer, wo sich die Steinböcke von Wandernden nicht stören lassen.
Vom Chäserrugg aus sieht man das Toggenburg, den Bodensee und den Alpstein mit dem Säntis.
Über ein Hochplateau führt der Weg in Richtung Rosenböden ...
... und hinunter zum Sattel.
Von hier aus gibt es zwei Möglichkeiten: Abstecher zu den Schafen auf dem Gamserrugg ...
... oder Abstieg in Richtung Nideripass.
Nach einem letzten kurzen Anstieg ist die Passhöhe erreicht – und das Seeztal wieder im Blick.
Der Abstieg führt vorbei an der Alpsiedlung Lüsis ...
... und zurück nach Walenstadt.

Die Wanderung auf den Chäserrugg bietet überraschende Ausblicke auf den Walensee, das Seeztal und die Ausläufer der Churfirsten.

Bilder: Stefan Marolf

Infos zur Wanderung

Start und Ziel: Bahnhof Walenstadt
Strecke: 20,8 km
Wanderzeit: 10 h
Auf- und Abstieg: 2120 m
Ausrüstung: gutes Schuhwerk, genug Wasser, Wanderung nicht für Kinderwagen geeignet, Trittsicherheit und Ausdauer erforderlich
Gaststätten: Gipfelrestaurant Chäserrugg (Öffnungszeiten gemäss Website), Berggasthaus Lüsis (Ende Juni bis Ende Oktober täglich geöffnet, Feierabend je nach Wetter und Gästefrequenz), diverse Restaurants in Walenstadt
Öffentlicher Verkehr: Züge von und nach Walenstadt
Parkplätze: am Bahnhof Walenstadt mit «P+Rail»-App
Kartenmaterial: Landkarte: 1:25’000, Blatt: 1134 Walensee und 1135 Buchs

1 Bahnhof Walenstadt

Die guten Zugverbindungen ab Zürich und St.Gallen sowie der Parkplatz am Bahnhof – bezahlt werden kann nur mittels «P+Rail»-App – machen Walenstadt zum optimalen Ausgangspunkt für eine Rundwanderung. Von hier aus führt der Weg in die Stadt hinein; zwei Supermärkte direkt an der Wanderroute bieten Gelegenheit, den Rucksack mit Proviant zu füllen.

Das Ziel von Beginn an im Blick: Der Chäserrugg thront hoch über dem Walenstädter Rathausplatz.

Das Ziel von Beginn an im Blick: Der Chäserrugg thront hoch über dem Walenstädter Rathausplatz.

Bilder: Stefan Marolf

Der direkteste – und steilste – Weg in Richtung Chäserrugg ist zu Beginn noch nicht ausgeschildert. Hier deshalb eine genaue Beschreibung: auf dem Rathausplatz rechts abbiegen, 100 Meter später links auf die Bergstrasse und dann nach rund 400 Metern rechts auf den Chriesisteiweg.

2 Chriesistei

Wer auf direktem Weg auf den Chäserrugg will, biegt erst bei dritter Gelegenheit links ab.

Wer auf direktem Weg auf den Chäserrugg will, biegt erst bei dritter Gelegenheit links ab.

Von hier führt der Weg aus dem Wohnquartier hinaus und in den Wald hinein. Bei der ersten Kreuzung (siehe Bild) geradeaus, dann beim hölzernen Wegweiser links in Richtung Chriesistei und Wissenberg abbiegen.

Hier wird die Kiesstrasse zum schmalen Pfad, der steile Aufstieg beginnt. Nach den ersten rund 100 Höhenmetern im Wald bietet sich ein erstes Mal die Aussicht auf den Walensee, die fortan ständige Begleiterin sein wird.

Schon nach wenigen Minuten Wanderzeit zeigt sich der Walensee.

Schon nach wenigen Minuten Wanderzeit zeigt sich der Walensee.

Nach etwa 300 Metern auf einer breiteren Kiesstrasse führt ein steiler Pfad rechts weg – der Wegweiser versteckt sich im Gebüsch, deshalb ist Aufmerksamkeit geboten. Von nun an geht es steil bergan, falsch abbiegen ist kaum mehr möglich.

3 Wissenberg

Auf rund 1200 Metern über Meer ist eine erste Schlüsselstelle erreicht. Der Wissenberg ist im Wesentlichen eine Felswand, die durchquert werden muss. Der Weg ist stellenweise mit Seilen gesichert, Fehltritte sind hier Tabu. Die Entschädigung für die ausgesetzte und herausfordernde Passage: einmal mehr der Ausblick auf den Walensee – für Mutige steht sogar ein rotes Bänkli, festgeschraubt an der Felswand, für eine kurze Pause bereit.

Nichts für Ängstliche: Bänkli mit Aussicht direkt am Abgrund.

Nichts für Ängstliche: Bänkli mit Aussicht direkt am Abgrund.

Nach der Traverse und weiteren 150 Höhenmetern ist der Waldrand erreicht, der Weg führt auf die Wiesen der Alp Vorder Büls.

4 Vorder Büls

Die Hälfte des Aufstiegs ist geschafft, und beim Holzkreuz neben der Alphütte lädt eine grosse Bank zur Rast ein. Von hier aus ist der Blick frei auf die Churfirsten im Norden und die Glarner Alpen und den Flumserberg im Süden.

Rastplatz mit Aussicht: die Holzbank bei Vorder Büls.

Rastplatz mit Aussicht: die Holzbank bei Vorder Büls.

Nach der Pause verläuft die Wanderung kurz über eine Kiesstrasse, ehe ein Wegweiser bei Hinterbüls den Start des zweiten happigen Aufstiegs signalisiert. Von hier aus sind es noch 800 Höhenmeter und zwei Stunden Fussmarsch bis zum Chäserrugg.

5 Vals

Nach einem kurzen Abschnitt mit Büschen und Sträuchern führt der Weg über steile Wiesen am Chammsässli vorbei hinauf zum Valsloch. Hier wird die Wanderung schon fast zur Klettertour: Die steilen Stufen zwischen den Felswänden hindurch erfordern Geschick und den Einsatz von allen Vieren.

Es lohnt sich, während des Aufstiegs innezuhalten und einen Blick zurückzuwerfen.

Es lohnt sich, während des Aufstiegs innezuhalten und einen Blick zurückzuwerfen.

Bis kurz vor dem Zwischenziel Chäserrugg ist die Wanderung vor allem eines: steil. Dass hier oben Steinböcke leben, überrascht nicht – sehr wohl aber der Umstand, dass sie sich von Wandernden offenbar nicht aus der Ruhe bringen lassen.

Die Steinböcke auf dem Chäserrugg lassen Wandernde bis auf wenige Meter herankommen.

Die Steinböcke auf dem Chäserrugg lassen Wandernde bis auf wenige Meter herankommen.

6 Chäserrugg

Auf 2265 Metern über Meer ist der höchste Punkt der Wanderung erreicht. Das Panorama reicht hier vom Bodensee über den Säntis und das Rheintal bis zum Tödi und dem Glärnisch. Das Gipfelrestaurant bietet Gerichte aus mehrheitlich lokalen Produkten oder Getränke als Ergänzung zum mitgebrachten Gipfel-Picknick.

Vom Chäserrugg-Gipfelrestaurant aus bietet sich ein 360-Grad-Panorama.

Vom Chäserrugg-Gipfelrestaurant aus bietet sich ein 360-Grad-Panorama.

Weiter geht es von hier aus auf dem Höhenweg mit allerlei Wissenswertem zu Alpenpflanzen in Richtung Südosten. Um zum Gamserrugg zu gelangen, hält man nach rund 500 Metern und einem kurzen Abstieg links, statt weiter in Richtung Rosenböden zu gehen. Der richtige Weg führt links an zwei Steinhaufen vorbei und dann gleich wieder links in ein Geröllfeld hinein.

7 Sattel

Über das Geröllfeld und an Tümpeln vorbei führt der Weg über die Schlachtböden in Richtung Sattel. Von hier aus geht es entweder 100 Höhenmeter hinauf zum Gamserrugg und auf dem gleichen Weg wieder zurück oder direkt in Richtung Nideripass.

Fast wie der Tafelberg von Kapstadt: der Gamserrugg mit seinem flachen Plateau.

Fast wie der Tafelberg von Kapstadt: der Gamserrugg mit seinem flachen Plateau.

8 Gamserrugg

Den Abstecher auf den Gamserrugg kann man sich schenken – es sei denn, man möge die Einsamkeit und/oder Tiere. Auf dem Gipfel auf 2070 Metern über Meer gibt es nichts ausser die in der Wandersaison stillstehende Bügellift-Bergstation und ein paar neugierige Schafe.

Vorne Steine, in der Mitte Schafe, zuhinterst der Chäserrugg: Viel gibt es auf dem Gamserrugg nicht zu sehen.

Vorne Steine, in der Mitte Schafe, zuhinterst der Chäserrugg: Viel gibt es auf dem Gamserrugg nicht zu sehen.

In wenigen Minuten ist man wieder unten auf dem Sattel, von wo aus der Weg in Richtung Nideri führt. Ab hier ist auch schon Walenstadt auf den Wegweisern angegeben, was den Rückweg erleichtert – aber deswegen nicht unbedingt einfach macht.

9 Nideri

Nach einem zuweilen steilen und schlecht signalisierten Abstieg von knapp 150 Höhenmetern folgt der letzte Anstieg der Tour hinauf auf den Nideripass. Die letzten Meter vor der Passhöhe sind mit Seilen gesichert, aber bei weitem nicht so ausgesetzt wie die Passage am Wissenberg.

Der Nideripass ist für Wandernde die direkteste Verbindung zwischen Walenstadt und Wildhaus.

Der Nideripass ist für Wandernde die direkteste Verbindung zwischen Walenstadt und Wildhaus.

Auf 1835 Metern über Meer bietet sich einmal mehr eine spektakuläre Sicht: Im Rücken liegt der Gamserrugg, im Osten der Gamsberg und im Süden, 1400 Höhenmeter weiter unten, das Seeztal, Walenstadt und der Walensee.

10 Lüsis

Vom Nideripass geht es in immer enger werdenden Kurven fast 600 Höhenmeter steil hinunter nach Lüsis. Wer seinen Knien und Oberschenkeln eine Pause gönnen will, kehrt im Berggasthaus Lüsis ein, und wer Wasser braucht, füllt hier seine Flaschen am Brunnen. Für alle anderen führt der Weg am Dorfrand in den Wald hinein und weiter in Richtung Ziel.

Die Alpsiedlung Lüsis liegt ziemlich genau in der Hälfte des Abstiegs vom Nideripass nach Walenstadt.

Die Alpsiedlung Lüsis liegt ziemlich genau in der Hälfte des Abstiegs vom Nideripass nach Walenstadt.

11 Widenbach

Der Waldweg führt am Widenbach entlang weiter hinunter, die Aussicht ist zumeist von Bäumen verdeckt. Über eine Holzbrücke führt der Weg über den Bach und oberhalb von Walenstadt aus dem Wald hinaus. Die letzten Meter vor dem Ziel werden auf Quartierstrassen zurückgelegt – vom Sonnenberg führt der Weg am Zollacker, dem Friedhof und der Kirche vorbei zurück nach Walenstadt.

Das Ziel ist nah: Die letzten Meter verlaufen durch bewohntes Gebiet und auf geteerten Strassen.

Das Ziel ist nah: Die letzten Meter verlaufen durch bewohntes Gebiet und auf geteerten Strassen.

12 Bahnhof Walenstadt

Zurück am Ausgangspunkt bieten sich drei Optionen an: Heimfahren, Einkehren oder – als erste vorbeugende Massnahme gegen den Muskelkater – ein Schwumm im Walensee. Die Wassertemperatur beträgt im September durchschnittlich noch knapp 18 Grad, danach kühlt der See zügig ab.

Frümsel, Brisi, Zuestoll und Schibenstoll hinten, der Walensee vorne.

Frümsel, Brisi, Zuestoll und Schibenstoll hinten, der Walensee vorne.