Wandertipp
Der Mini-Höhenweg in Teufen ist etwas für Laienwanderer

Wer ein paar freie Stunden hat, aber keine professionelle Wanderausrüstung, der ist in Teufen genau richtig. Von dort aus muss man nicht weit gehen, bis sich einem eine wunderbare Aussicht bietet.

Renato Schatz
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Die evangelische Kirche in Trogen. Sie steht seit bald 250 Jahren.
9 Bilder
Das Hotel zur Linde, das es schon seit über 400 Jahren geben soll.
Die Brücke, die nach Teufen führt.
Der Regen hat den Schnee weggeschmolzen.
«Die angerufene Nummer ist nicht vergeben.» Das kommt, wenn man die Nummer wählt, die Google dem Gasthaus zuschreibt.
Man sieht dem Gasthaus Bären an, das es nicht mehr ist.
Lange Zeit das einzige Lebewesen, das wir treffen.
Über den Wolken muss wohl der Säntis sein.
Kein Schnee, kein Geröll oder Schotter. Es braucht keine Wanderschuhe.

Die evangelische Kirche in Trogen. Sie steht seit bald 250 Jahren.

Bild: Renato Schatz

Die Wanderung im Überblick

Start: Bahnhof Teufen
Ziel: Bahnhof Teufen
Strecke: 6,24 km
Wanderzeit: 2 h 15 Min
Aufstieg: 223 m
Abstieg: 223 m
Ausrüstung: Wasserfestes Schuhwerk bei Schnee und Regen ratsam, Wanderung für Kinderwagen geeignet, wenn kein Schnee liegt
Gaststätten: Gasthaus Bären geschlossen
Öffentlicher Verkehr: Mit dem Zug an den Bahnhof Teufen (res)

1. Bahnhof Teufen: Der erste Weihnachtstag, es sind kaum Menschen unterwegs. Sie sind zu Hause oder beim nächsten Familienfest. Den Rotweinrausch ausschlafen oder schlechte Witze abnicken. Sicher nicht wandern, schon gar nicht bei diesem Wetter. Es regnet in Teufen, wo unsere Wanderung beginnt.

Die evangelische Kirche in Trogen. Sie steht seit bald 250 Jahren.

Die evangelische Kirche in Trogen. Sie steht seit bald 250 Jahren.

Bild: Renato Schatz

2. Evangelische Kirche Teufen: Wir biegen rechts ab und spazieren der Ebni entlang. Bei der Gabelung vor der Postfiliale gehen wir nach links. Vorbei an der Dorfbäckerei Manser, vorbei an Menschen, die nicht ausgeschlafen haben, die noch nicht beim nächsten Familienfest sind. Nein, sie besuchen die Messe in der evangelischen Kirche in Trogen. Sie wurde zwischen 1776 und 1779 erbaut und ist damit 242 Jahre alt.

3. Hotel zur Linde: Wir machen kehrt und passieren die Hechtstrasse, die parallel zum Bahnhof verläuft. Nach fünf Minuten mündet die Hechtstrasse in der Ebni, die vor dem Hotel zur Linde halt macht. Seit 120 Jahren führt die Familie Lanker das Gasthaus, wo geschlafen und gegessen werden kann. Die Küche gilt als experimentierfreudig.

4. Goldibrugg: Wir folgen der Bühlerstrasse, die über eine Brücke führt. Unter dieser laufen wir hindurch, worauf wir auf die ansteigende Goldibrugg gelangen. Hündeler kommen vorbei. Und auch ein paar wenige Spaziergänger, die dem Regen trotzen und den familiären Pflichten.

5. Schlatterlehn: Die vom Regen gesäuberte Strasse windet sich den Hügel hinauf, der mit jedem Meter weisser wird. Über uns: das Grau der Wolken, Nebel, vielleicht der Dunst aus den belebten Weihnachtsstuben. Bauernhöfe, immer wieder.

«Die angerufene Nummer ist nicht vergeben.» Das kommt, wenn man die Nummer wählt, die Google dem Gasthaus zuschreibt.

«Die angerufene Nummer ist nicht vergeben.» Das kommt, wenn man die Nummer wählt, die Google dem Gasthaus zuschreibt.

Bild: Renato Schatz

6. Gasthaus Bären: Der Wegbeschrieb kündigt das Gasthaus Bären an. Wir gehen weiter, etwas langsamer nun, vorsichtig fast, weil wir uns falsch abgebogen wähnen. Minuten verstreichen, ohne dass die Beiz auftaucht. Wir rasten vor einem Bauernhof, dessen Vorplatz ausgiebig asphaltiert ist. Es dauert, bis wir begreifen, dass wir den Bären erreicht haben. Denn über der Tür des einen Hauses ist ein Schild mit einem goldigen Bären angebracht. «Donnerstag ganzer Tag, Freitag bis 13 Uhr Ruhetag», steht auf einer verblichenen Tafel. Offenbar wird im Bären nicht mehr gegessen. Wasser, ein «Ihklemmts» und Sport-Fresh-Erfrischungsbonbons auf dem verregneten Vorplatz des geschlossenen Gasthauses «Bären». Es passt zu diesem Jahr.

7. Kalberweid: Weiter geht's, nun gestärkt. Wir blicken nach rechts, wo sich hinter der Wolkenwand die Appenzeller Alpen mit dem Säntis andeuten. Bei gutem Wetter muss die Aussicht wunderschön sein. Man könnte sie dann auch geniessen, diese wunderschöne Aussicht, denn der Weg Richtung Kalberweid ist breit und eben. Und weil der Regen den Schnee weggewischt hat, ist er selbst für Kinderwagen zu bewältigen. Es ist keine anspruchsvolle Wanderung.

Über den Wolken muss wohl der Säntis sein.

Über den Wolken muss wohl der Säntis sein.

Bild: Renato Schatz

Wir kommen an einem weiteren Bauernhof vorbei. Eine Kuh steht draussen im Regen, aber sonnt sich in unserer Aufmerksamkeit. Ansonsten ist da niemand. Entfernt hören wir die Strasse, die sich unter uns Richtung Steigbach schlängelt.

Kein Schnee, kein Geröll oder Schotter. Es braucht keine Wanderschuhe.

Kein Schnee, kein Geröll oder Schotter. Es braucht keine Wanderschuhe.

Bild: Renato Schatz

8. Nord: Irgendwann laufen wir auf dem Gaisweg. Wenn man den Eggen-Höhenweg machen und schliesslich im Restaurant Waldegg einkehren will, dann folgt man dem Gaisweg bis zum Schlössli, ehe man nach links abdreht. Wir aber biegen schon früher nach links ab, in die Oberfeldstrasse nach Nord. Ein paar Meter durch ein Waldstück, dann abwärts, und zwar geradeaus. Wir grüssen Wanderer und Spaziergänger. Die Strasse ist noch immer breit, zweimal brettert ein Auto vorbei, viel zu schnell.

9. Scheibenhalde: Mit den Menschen und Autos kommen auch die Häuser. Eines davon: das Bücker-Museum, das alte Flugzeuge ausstellt und erst in diesem Jahr eröffnet wurde.

10. Lortanne: Bei Lortanne verwandelt sich die Alte Speicherstrasse schliesslich zur Hauptstrasse. Dieser gehen wir entlang, bis die Kreuzung zur Ebni kommt, wo der Bahnhof Teufen angehängt ist.

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