Wandertipp: Der 86 nach vom Bodensee ins Rheintal

Die Wanderung von Rorschach nach Berneck lebt vor allem von den Aussichtspunkten an der Strecke. Auf dem sechsstündigen Ausflug gibt es aber noch deutlich mehr zu entdecken.

Arcangelo Balsamo
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Die sechsstündige Wanderung beginnt am Bahnhof Rorschach.
37 Bilder
Bereits nach wenigen Metern geniessen Wanderer eine herrliche Aussicht.
Ob die Kühe ihren exklusiven Weideplatz mit Aussicht zu schätzen wissen?
Das Schloss Wartensee.
Zum Schloss Wartensee muss man nicht zwingend wandern. Das Schloss ist auch mit den Appenzeller Bahnen erreichbar.
Dieser stattliche Feigenbaum begegnet uns vor dem Ortseingang in Thal.
Blick auf die Gemeinde Thal.
Ein Bänklein bei Thal lädt zum Verweilen ein.
Der Steinlibach in Thal.
Auf der Wanderung passiert man mehrfach die Kantonsgrenze - ohne es wirklich zu bemerken.
Blick auf den Thaler Dorfkern.
Der Burgstock in Rheineck ist das letzte Überbleibsel der Burg Alt-Rheineck
Ein grosser Teil der Wanderung führt durch Waldstücke.
Auf dem Weg zur Ruine Grimmenstein treffen wir auf Geissen...
... und das Walzenhauser Bähnli.
Hier bahnt sich der Alte Rhein seinen Weg in Richtung Bodensee.
In den Genuss dieser Aussicht kommen wir an der Grillstelle bei der Burgruine Grimmenstein.
An der Burgruine treffen wir auf gleich zwei Grillstellen.
Diese Trauben bei der Burgruine müssen noch ein bisschen reifen.
Die Burgruine Grimmenstein ist im Besitz der Ortsbürgergemeinde St.Margrethen.
Die Region ist bekannt für Sandsteinformationen.
Bei der Grillstelle vor dem Restaurant Gletscherhügel lockt ein Waldspielplatz mit Schaukel...
... und einem Holzkrokodil. Dieses wurde erst vor kurzem ersetzt, nachdem der Vorgänger in die Jahre gekommen war.
Gäste des Restaurants Gletscherhügel kommen während des Essens in den Genuss dieser herrlichen Aussicht.
Die hügelige Landschaft ist ein klares Erkennungsmerkmal des Appenzeller Vorderlandes.
Ein Kätzchen geniesst die Sonnenstrahlen auf einem der Bauernhöfe an der Strecke.
Auch während des Aufstiegs zur Meldegg entdecken wir den Bodensee.
Der Blick von der Meldegg ins Rheintal entschädigt für die Strapazen.
Auf dem letzten Teilstück vor dem höchsten Punkt der Wanderung treffen wir auf Zwerge.
Auch dieser kleine Freund lebt auf der Meldegg.
Obwohl er gut versteckt ist, konnte sich auch dieser Zwerg nicht vor einem Schnappschuss in Sicherheit bringen.
Das Bänkli auf der Meldegg fordert Wanderer regelrecht auf, sich für einen Moment hinzusetzen...
... und die Aussicht auf sich wirken zu lassen.
Das Ziel im Blick: Luftansicht Bernecks von der Meldegg aus.
Kaum hat man das Waldstück bei der Meldegg verlassen, grüsst auf der rechten Seite bereits wieder der Bodensee.
Blick auf den Bernecker Dorfkern.
Am Ziel angekommen: Falls der Bus in Berneck auf sich warten lässt, laden diverse Beizen zum Verweilen ein.

Die sechsstündige Wanderung beginnt am Bahnhof Rorschach.

Die Wanderung im Überblick

Start: Rorschach Bahnhof
Ziel: Berneck Dorf
Strecke: 20,3 Kilometer
Wanderzeit: 6 h
Aufstieg: 903 m
Abstieg: 867 m
Ausrüstung: Gutes Schuhwerk; Die Wanderung ist nicht für
Kinderwagen geeignet.
Gaststätten: Es befinden sich mehrere Gasthäuser an der Route; unter anderem das Schloss Wartensee, das Restaurant Gletscherhügel oder das Restaurant Meldegg.
Zudem locken mehrere Beizen am Ziel in Berneck.
Öffentlicher Verkehr: Bus- und Zugverbindungen am Start,
Busverbindungen am Ziel.
Kartenmaterial: 1:25000, Blatt 1075 Rorschach, 1076 St. Margrethen. (arc)

1. Rorschach Bahnhof

Die Wanderung beginnt am Rorschacher Hauptbahnhof. Hier entdecken wir bereits den ersten Wegweiser des Rheintaler Höhenwegs, dessen ersten Abschnitt wir in den kommenden sechs Stunden meistern werden. Die gelben Wegweiser sind mit einer weissen 86 auf grünem Grund gekennzeichnet. Die Strecke ist sehr gut ausgeschildert, der Weg somit kaum zu verfehlen.

Zu Beginn führt die Strecke über geteerte Strassen. Es geht stetig aufwärts. Aber das Absolvieren der Höhenmeter lohnt sich. Bereits nach wenigen Minuten werden wir mit einer herrlichen Aussicht auf den Bodensee belohnt. Ob die Kühe, an deren Weiden wir vorbeikommen, diese auch zu schätzen wissen?

Wer den ersten Anstieg des Tages erst später in Angriff nehmen möchte, der kann am Rorschacher Hauptbahnhof oder am Hafenbahnhof ins Heidler Bähnli einsteigen und direkt zum zweiten Wegpunkt fahren.

2. Schloss Wartensee

Leicht angeschwitzt und aufgewärmt – oder entspannt nach der Fahrt mit dem Bähnli – erreichen wir das Schloss Wartensee in Rorschacherberg. Es liegt hoch über dem Bodensee und ist 777 Jahre alt. Je nach Uhrzeit kann man im Schloss, das heute ein Hotel und ein Restaurant ist, einkehren. Im Anschluss geht es weiter der Strasse entlang. Die Strecke ist hier relativ flach und man hat Zeit zu verschnaufen. Wir gelangen in ein Waldstück und folgen brav den Wegweisern. Beim Verlassen des Waldes werden wir erneut vom Bodensee in Empfang genommen. Und während wir einen Garten mit einem stattlichen Feigenbaum passieren, wähnen wir uns in südlicheren Gefilden.

Schon bald nähern wir uns der einzigen etwas unübersichtlichen Stelle auf der Wanderung. Beim Ortseingang Thals, kurz nach der Bushaltestelle «Buechstiggass», muss man scharf nach rechts in den Weg abbiegen, der direkt unterhalb der Strasse nach Wienacht-Tobel liegt . An der Stelle hat es übrigens auch einen Brunnen, an dem man seine Trinkflaschen füllen kann. Der Weg verläuft danach ums Dorf Thal herum, meist auf Kieswegen.

3. Tobelmüli

Auf der Strecke rund um Thal, die im Flachen und eben verläuft, stechen aufmerksamen Zeitgenossen die Wappen auf den gelben Wanderwegschildern ins Auge. Von einem Moment auf den anderen grüsst der Ausserrhoder Bär von den gelben Täfeli. Haben wir etwa soeben die Kantonsgrenze überschritten? Was zu Beginn wie ein Fehler anmutet, ist kein Witz. Und kurz nach Tobelmüli bewegen wir uns im Bereich der tiefsten Stelle des Kantons Appenzell Ausserrhoden auf Lutzenberger Gemeindeboden. Anschliessend spazieren wir wieder durch ein Wohngebiet, ehe wir die nächste Gemeinde erreichen: Rheineck.

Auch Rheineck umlaufen wir auf unserer Wanderung mehr oder weniger. Dabei kommen wir unter anderem am Burgstock vorbei. Dieser ist das letzte Überbleibsel der Burg Alt-Rheineck, dessen Geschichte ins 12. Jahrhundert zurück geht. Vermutlich war der Burgstock einst der Wachturm der Burg.

Am östlichen Ende des Rheinecker Gemeindegebiets sind dann wieder die Beine gefordert. Es geht steil aufwärts. Die Länge des Anstiegs ist aber überschaubar, sodass ihn auch nicht so fitte Personen problemlos meistern können. In der Höhe angekommen kreuzt sich unser Weg kurz darauf mit jenem des Walzenhauser Bähnlis, unter dessen Schienen wir zweimal hindurch wandern Richtung nächster Station.

4. Burgruine Grimmenstein

Wer am Morgen zu einer einigermassen vernünftigen Zeit gestartet ist, erreicht die Burgruine Grimmenstein um die Mittagszeit. Bei der Burgruine stehen den Wanderern zwei Grillstellen zur Verfügung. Eine befindet sich direkt bei der Ruine. Die zweite liegt rechts davon bei einer Blockhütte, die kleinere Gesellschaften auch mieten können. Die Blockhütte erreicht man, indem man die leichte Steigung bewältigt, die rechts vom Weg liegt. Eine Auskundschaftung der Grillstelle lohnt sich schon nur wegen der fantastischen Aussicht auf das Rheintal. Ausserdem hat es einen Brunnen und Sitzgelegenheiten.

Die Burgruine Grimmenstein hat eine bewegte Geschichte. Die Familie von Grimmenstein erscheint 1254 erstmals in den Urkunden. Zwischen 1361 und 1416 war die Burg drei Mal in kriegerische Ereignisse verwickelt. 1361 wurde sie in einer Fehde erobert. 1405 wurde sie teilweise von St.Gallern und Appenzellern zerstört. Im Jahr 1416 wurde sie schliesslich gebrochen, nachdem Georg II. von Enne – der mit seinem Bruder wegen eines Überfalls auf ein Schiff mit der Stadt Konstanz in Konflikt geriet – versprechen musste, die Burg zu zerstören.

Nach dem geschichtlichen Exkurs ziehen wir weiter. Es geht durch den Rebberg, der direkt unter der Burg liegt, wir biegen nach rechts ab und betreten das nächste Waldstück. In diesem Bereich kann man so richtig Gas geben. Die Strecke weist keine Höhenunterschiede auf, man kommt an Sandsteinformationen vorbei und gelangt schliesslich zu einem Waldspielplatz mit Schaukel und Holzkrokodil. Direkt daneben liegt eine weitere Grilllstelle. Und kurz darauf, beim Erreichen der Walzenhauserstrasse, bietet sich eine weitere Möglichkeit zur Einkehr an: das Restaurant Gletscherhügel. Von dessen Terrasse bietet sich den Gästen eine herrliche Aussicht auf das Rheintal und den Bodensee.

5. Meldegg

Beim «Gletscherhügel» überqueren wir die Strasse und tauchen erneut in den Wald ein. Der Anstieg zur Meldegg – dem höchsten Punkt auf unserer Tour – steht uns bevor. Oben angekommen treffen wir auf das Restaurant Meldegg. Das Gasthaus hat eine Aussichtsterrasse, die den Namen verdient. Wer nicht erneut einkehren möchte, der kann die Aussicht auch von einem Bänklein ganz in der Nähe bewundern. Es lohnt sich, auf der Meldegg einen Moment inne zu halten und die Aussicht zu geniessen. Ausserdem wird es so manchem Wanderer einen Energieschub geben, wenn er vom Aussichtspunkt das Ziel der Wanderung erkennt. Die Stelle erreichen wir nach einem ganz kurzen Anstieg durch ein besonderes Wäldchen. Und zwar befinden sich in diesem diverse Gartenzwerge, die vermutlich jedem Wanderer – ob jung oder alt – ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Nachdem wir die Aussicht aufs Rheintal genossen haben, verlassen wir das Waldstück und sehen auf der rechten Seite erneut den Bodensee in seiner vollen Pracht. Es wird nun wieder etwas hügeliger, vermutlich auch, weil wir erneut ins Grenzgebiet zwischen den Kantonen St.Gallen, Ausserrhoden und Innerrhoden gelangen. Auch die Zahl der Höfe, an denen man vorbeikommt, nimmt auf diesem Streckenabschnitt zu.

Wenn wir den Hof im Bereich «Tritt» erreichen, sind ein letztes Mal strapazierfähige Beine gefragt. Denn ab hier geht es kontinuierlich ins Tal hinunter und der Name "Tritt" kommt nicht von ungefähr.

6. Berneck Dorf

702 Stufen: Diese gilt es auf dem letzten Streckenabschnitt unserer Wanderung noch zu bewältigen. Die Treppe führt durch die Reben hinunter ins Dorf. Zum Verschnaufen bieten sich zwei Bänkli an, die sich direkt an der Strecke befinden. Aber wer möchte, kann natürlich auch einfach auf eine Stufe sitzen und den Blick auf Berneck richten.

Unten angekommen haben wir zwei Möglichkeiten. Entweder folgen wir weiterhin den Wegweisern mit der Nummer 86 und machen eine Extraschlaufe, oder wir spazieren schnurstracks ins Dorf, von wo der Bus von der Haltestelle «Neugasse» nach Heerbrugg oder in Richtung Heiden fährt.

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