Wandertipp
Auf dem Jakobsweg quer durch die Stadt St.Gallen

Da es im Herbst sicherlich zu grauen Tagen mit garstigem Wetter kommt, stellen wir heute eine Route vor, die auch mit dem Regenschirm gemeistert werden kann. Wer ihn zu Hause vergisst, findet Unterschlupf in einem der zahlreichen Gotteshäuser entlang der Strecke.

Arcangelo Balsamo
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27 Bilder

Infos zur Wanderung

Start: Blumenwies
Ziel: Bahnhof Winkeln
Strecke: 10,78 km
Wanderzeit: 2 h 40 min.
Aufstieg: 183 m
Abstieg: 188 m
Ausrüstung: Keine besondere Ausrüstung notwendig. Route ist für Kinderwagen geeignet.
Gaststätten: Sind entlang der Route zahlreich vorhanden.
Öffentlicher Verkehr: Haltestellen an Start und Ziel.
Kartenmaterial: Landkarte: 1:25000, Blätter: 1075 Rorschach, 1095 Gais und 1094 Degersheim.

1 Blumenwies Die Route beginnt beim Hallenbad Blumenwies im Osten der Stadt St.Gallen. Bereits bei der Bushaltestelle befindet sich der erste gelbe Wanderwegweiser mit der Nummer 4, der die Richtung vorgibt. Neben der Nummer auf den Wegweisern sind auch gelbe Muscheln auf blauem Grund an den Strassenpfosten entlang der Strecke ein Indiz, dass man sich auf dem bekannten Pilgerweg befindet, der im Nordwesten der iberischen Halbinsel in Santiago de Compostela endet.

Die Strecke führt zu Beginn an der Leichtathletikanlage Neudorf und dem Paul-Grüninger-Stadion – der Heimstätte des SC Brühl – vorbei. Im Anschluss geht's über die Rehetobelstrasse auf den Bruggwiesenweg, der hinter einer Firma entlang des Hagenbuechwalds führt. Es handelt sich um einen Kiesweg, der aber auch mit einem Kinderwagen problemlos gemeistert werden kann.

Kurz darauf erreicht man einen schmalen Weg, der von Bäumen und einem Bächlein gesäumt wird: den Goldbrunnenweg. Insbesondere das Chalet Goldbrünneli, das um 1700 erbaut und im Jahr 2000 renoviert wurde, darf auch heute noch als goldig bezeichnet werden. Es ist umhüllt von Pflanzen, darunter auch einem Rosenbusch, dessen rosarote Blüten auch bei fürchterlichem Regenwetter leuchten.

Am Ende des Kieswegs erreicht man das Goldbrünneli. Dieses wurde 2007 in die heutige Überbauung integriert und hat die Bezeichnung optisch nicht verdient. Der Brunnen für Anwohner und Reisende ins Appenzellerland wurde bei der Realisierung der Überbauung abgebrochen. Erstmals erwähnt ist der Brunnen gemäss Beschilderung 1592, der Name «Goldbrunnen» tauchte im Jahr 1893 erstmals auf. Dem ursprünglich aus einer Quelle im Tivolihang stammenden Wasser wurde heilende Wirkung nachgesagt.

In der Folge verläuft der Jakobsweg auf geteerter Strasse durch ein Wohnquartier. Schon bald ist der Turm des nächsten Wegpunkts zu erkennen.

2 Linsebühlkirche Die Linsebühlkirche ist insbesondere in den letzten Wochen vor den Sommerferien sehr gut gefüllt. Dann finden dort alljährlich Maturafeiern statt. Ein erstes Gotteshaus wurde hier in der Gegend vermutlich bereits im frühen 13. Jahrhundert errichtet. Es handelte sich um eine Kapelle, die für die geistliche Betreuung der Kranken diente, die im Gebiet in einem «Siechenhaus» untergebracht waren. Die neue Kirche wurde am 5. September 1897 eingeweiht, zuletzt renoviert wurde sie zwischen 1989 und 1992. Sie gilt als eine der schönsten ihrer Art und ist als Denkmal von regionaler Bedeutung in der Schutzkategorie I eingestuft.

Der Weg ins St.Galler Zentrum führt nach dem Passieren der Kirche einer geteerten Strasse entlang. Hier gibt es diverse Geschäfte und Einkehrmöglichkeiten. Es geht leicht abwärts via Speicherstrasse und Linsebühlstrasse in Richtung Spisertor, wo man in den St.Galler Stiftsbezirk gelangt.

Die Pilger sind im Herzen der Stadt St.Gallen angelangt. Ein Blick in die Kathedrale ist mehr oder weniger Pflicht für Wallfahrerinnen und Wallfahrer, die erstmals die Stadt besuchen. Für die Stadtbevölkerung bietet sich an verregneten Sonntagnachmittagen hingegen eine gute Möglichkeit, sich ein Bild des St.Galler Denkmals zu machen, ohne «lästige» Menschen. Die St.Galler Innenstadt ist dann nämlich so gut wie leer.

In der Innenstadt findet man keine Wanderwegweiser vor, stattdessen sind gelbe Rhomben auf grossen braunen Tafeln zu finden, die den Veloweg durch die Fussgängerzone signalisieren. Wer genau hinschaut, erkennt eingangs der Schmiedgasse zudem eine Muschel auf der Tafel. In diesem Bereich ist es nicht so entscheidend, auf der exakten Route des Jakobswegs zu bleiben. Es kann auch gut variiert werden. Insbesondere Personen, die noch nie die Stadt St.Gallen besucht haben, sollten sich die verschiedenen Erker in den Gassen genauer betrachten, ehe sie via Vadianstrasse auf die St.-Leonhard-Strasse einbiegen, auf der man den nächsten Wegpunkt erblickt.

3 St.-Leonhards-Kirche Um auf der Via Jacobi zu bleiben, biegt man unmittelbar nach der St.-Leohnard-Brücke nach rechts ab und spaziert unter ihr durch. Auf der Burgstrasse geht es dann an der
St.-Leonhards-Kirche vorbei. Diese steht mittlerweile einfach leer. Auf der linken Seite der Strasse befinden sich die Gleise der SBB, was für Kinder womöglich spannender ist, als die Kirchen und Kapellen auf der Route.

Nach dem Passieren der nächsten Sportstätte der Stadt – der Kreuzbleichehalle – verläuft der nächste Streckenabschnitt mehrheitlich durch ein Wohnquartier. Vermutlich ist dieses so manchem Katzen- oder Hundehalter bekannt. Schliesslich müssen auch die vierbeinigen Freunde des Menschen ab und an zum Arzt oder zum Coiffure. Im Anschluss erreichen die Spaziergängerinnen und Spaziergänger via Schillerstrasse den Burgweiherweg. Hier bietet sich eine Verschnaufpause an, entweder direkt auf dem Bänklein am Weg oder im Naherholungsgebiet Burgweier, das die Stadt unlängst erwarb und im Sommer 2020 der Öffentlichkeit zugänglich machte.

Kurz nach dem Burgweier-Areal stösst man auf der Strecke auf den Tröckneturm. Das Gebäude steht als Kulturgut von nationaler Bedeutung unter Schutz und ist ein Bau aus der Blütezeit der sanktgallischen Textilindustrie. Er verfügt über einen Raum, der für öffentliche und private Anlässe gemietet werden kann. Der Turm kann ausserdem im Rahmen einer gebuchten Führung besichtigt werden.

4 Kapelle Maria Einsiedeln Nur wenige Meter entfernt vom Tröckneturm steht das nächste Gotteshaus: die Kapelle Maria Einsiedeln. Diese ist ein wahres Bijou. Erbaut wurde sie im Jahr 1770. Ihre Türe ist nicht verschlossen. Ein Blick in das Innere lohnt sich. Insbesondere die farbigen Fenster und die Statue der Heiligen Maria, die das Jesuskind auf dem Arm trägt, sind ein Hingucker. Da stört es auch nicht weiter, dass kein Weihwasser vorhanden ist, um das Kreuzzeichen beim Eintreten zu machen.

Vor der Kapelle gibt es ausserdem einen Hinweis für Pilgerinnen und Pilger, die schon etwas länger unterwegs sind. Eine Person aus der Gegend bietet einen Schlafplatz an. Auf dem Blatt Papier, das in einem Sichtmäppchen verpackt an einem Pfahl angebracht ist, stehen zwei Telefonnummern für weitere Informationen.

Im Anschluss an diesen hübschen Streckenteil geht es nach einem kurzen Gang durch einige Schrebergärten hinter der Empa ins Grüne. Die Spaziergänger sollten die satten Farben geniessen, denn in der Folge kommt ein deutlich weniger attraktiver Abschnitt, der entlang der Zürcherstrasse führt bis zur Fürstenlandbrücke. Immerhin führt der Weg auch hier in Bruggen an einer Kirche vorbei, bevor es unmittelbar vor der Brücke links ins Loch hinuntergeht.

5 Stocken An diesem Punkt der Strecke gilt es erstmals richtig Höhenmeter zu überwinden. Es geht abwärts zum tiefsten Punkt des Spaziergangs. Bereits nach wenigen Metern wird die Sitter überquert. Der Ausblick auf die Fürstenlandbrücke hat durchaus etwas für sich, insbesondere für Personen, die sich gewohnt sind, sie zu überqueren.

In der Folge bewahrheitet sich die alte Weisheit, dass auf jeden Abstieg ein Aufstieg folgt. Dieser stellt jedoch keine grosse Herausforderung dar. Via Hofweg und Sturzeneggerstrasse geht es in der Folge wieder zu den Gleisen der SBB. Dabei trifft man auf eine sogenannte «smarte Siedlung». Was an nur zur Hälfte überdachten Balkonen aber so smart sein soll, erschloss sich dem Autor auf der Wanderung nicht. Zumindest sehen die Häuser ziemlich fancy aus.

Kurz nach der Überquerung der Bahngleise endet hier der Spaziergang auf dem Jakobsweg. Dieser würde weiter via Gübsensee in Richtung Herisau führen. Zum Bahnhof Winkeln, dem Ziel des heutigen Wandertipps, gelangt man indem man an dieser Stelle nach rechts abbiegt.

6 Bahnhof Winkeln Auf den letzten Metern zum Bahnhof liegt ein Bauernhof. Bei diesem steht ein Kühlschrank. Erfrischungsgetränke werden keine angeboten. Stattdessen ist er mit Seifen, Joghurt und Sirups gefüllt, die zum Verkauf stehen. Hinter den Bahngleisen wimmelt es an dieser Stelle von Schrebergärten und diversen Fahnen und Flaggen, die den Ausblick auf die Gemeinde Gaiserwald verzieren. Die Schweizer scheinen in dieser Region klar in der Überzahl. Nur vereinzelte portugiesische Gärtnerinnen und Gärtner versuchen sich, der helvetischen Übermacht zu widersetzen.

Auf dem Weg begegnet man nicht nur einer weiteren Kirche (kurz vor Schluss), sondern mit dem Kybunpark einer weiteren St.Galler Sportstätte, ehe man den Bahnhof Winkeln erreicht. Von diesem aus verkehren Züge und Busse, welche die Spaziergänger zurück in die warme und (vor allem) trockene Stube bringen.

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