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Kommentar

Trainerwahl beim FC St.Gallen: Spannendes Experiment mit Peter Zeidler

"Mit Zeidler ist der Neuanfang in St.Gallen definitiv eingeläutet", schreibt Patricia Loher, Leiterin der Sportredaktion, in ihrem Kommentar. Seine Aufgabe werde sein, in St.Gallen die Solidarität zu fördern und Spieler, die sich unter Contini vernachlässigt und unter Boro Kuzmanovic überfordert fühlten, wieder ins Boot zu holen.
Patricia Loher

Eine Saison. Drei Präsidenten. Zwei Sportchefs. Zwei Trainer. Der FC St.Gallen beschliesst am nächsten Samstag eine Meisterschaft, die aufgrund von Machtkämpfen und Umwälzungen auch schlechter hätte enden können als auf Platz fünf oder sechs. Mit der Verpflichtung von Peter Zeidler ist die letzte offene Personalfrage in der Chefetage geklärt. Der FC St.Gallen hat sich für einen spannenden Weg entschieden.

Obwohl die offizielle Bestätigung erst am Dienstag folgt: Mit Zeidler ist der Neuanfang in St.Gallen definitiv eingeläutet. Präsident Matthias Hüppi und Sportchef Alain Sutter glauben, mit dem 55-jährigen Deutschen einen Trainer gefunden zu haben, der zu ihnen und ihren Ansichten passt. Zeidler bringt Erfahrung mit. Er kennt aus seiner Zeit beim FC Sion die Super League, trainierte einst Salzburg und zuletzt Sochaux in Frankreichs zweithöchster Liga. Zudem war Zeidler in Hoffenheim Co-Trainer von Ralf Rangnick, als sich der Emporkömmling aufmachte, die Bundesliga zu erobern.

Mit Zeidler gehen die Ostschweizer das weniger grosse Risiko ein als mit Roger Stilz. Der 41-jährige Tübacher war ebenfalls in der Schlussrunde um die Nachfolge von Giorgio Contini. Doch Stilz fehlt die Erfahrung als Cheftrainer einer Profimannschaft; es wäre gewagt gewesen, auf ihn zu setzen. Denn auch Sutter und Hüppi führen zum ersten Mal einen Super-League-Club.

Nicolas Lüchinger, einst unter Zeidler Spieler in Sitten, bezeichnete den Deutschen jüngst als «Weltklasse». Zeidler, ein ausgebildeter Lehrer, steht nicht nur für eine offensive, aktive Spielweise, sondern auch für korrekte Umgangsformen, wie aus Sitten zu hören ist. Nebst den gleichen Ansichten über den Fussball stand die Sozialkompetenz im Anforderungsprofil von Sutter weit oben.

Zeidlers Aufgabe wird es sein, in St.Gallen die Solidarität zu fördern und Spieler, die sich unter Contini vernachlässigt und unter Boro Kuzmanovic überfordert fühlten, wieder ins Boot zu holen. Denn finanziell liegen beim FC St.Gallen noch immer keine grossen Sprünge drin. Noch immer drücken Altlasten. So stehen unter anderem Nachwuchschef Marco Otero und Giorgio Contini weiterhin auf St.Gallens Lohnliste. Die Ostschweizer müssen sparen, um das Geschäftsjahr einigermassen schadlos zu überstehen.

Die Verpflichtung von Zeidler ist ein spannendes Experiment: Wird es ihm gelingen, mit einer guten, aber nicht überdurchschnittlichen Mannschaft die Ansprüche von Präsident, Sportchef und Publikum zu erfüllen? Gelingt es ihm, das Team wieder zu stabilisieren? Zeidlers Aufgabe ist eigentlich kurz zusammenzufassen: Der FC St.Gallen soll weiterhin so viele Tore erzielen wie in der bald zu Ende gehenden Saison, aber deutlich weniger Gegentreffer kassieren.

Noch ist offen, was für Kaderveränderungen Sportchef Sutter und der neue Trainer planen. Trotz zuletzt enttäuschender Leistungen scheint St.Gallen über einiges Potenzial zu verfügen. Aus Zufall gewinnt in der Super League ein Team nicht fünfmal in Folge. Diese Erfolge sind in den vergangenen Wochen fast in Vergessenheit geraten ob der Negativserie von sechs Niederlagen nacheinander. In Anbetracht der grossen Umwälzungen, des Hickhacks nach der Amtsübergabe von Dölf Früh an Stefan Hernandez, in Anbetracht all der Machtkämpfe und verletzten Eitelkeiten haben sich die Ostschweizer auf dem Platz lange achtbar aus der Affäre gezogen. Contini hat gut gearbeitet und hätte in St.Gallen eine schöne Zukunft haben können. Aber weil er sich nicht mit der neuen Situation arrangieren konnte und sich seine Ansichten vom Fussball nicht mit jenen von Sutter und Hüppi deckten, war eine Trennung unumgänglich.

Es bringt nichts, dem früheren Meisterspieler nachzutrauern. Und es ist hypothetisch, die Frage aufzuwerfen, ob Contini den Turnaround geschafft hätte. Fakt ist, dass das Team zuletzt eingebrochen ist. Die Aussicht, mit Rang drei einen Coup zu schaffen, hat das Team gelähmt. Danach ist es Kuzmanovic nicht gelungen, die Negativspirale zu stoppen.

Im Heimspiel gegen Lausanne am Samstag müssen die St. Galler Spieler dem neuen Trainer beweisen, dass er trotz zuletzt sechs Niederlagen in Serie und teils schwacher Leistungen in der Abwehr eine intakte Mannschaft übernimmt. Zeidler wird sich ein nächstes Bild machen von den Spielern, die zu ihm passen könnten oder eben nicht. Die Begegnung mit dem Absteiger aus dem Waadtland wird für die Ostschweizer zum Charaktertest.

Patricia Loher
patricia.loher@tagblatt.ch

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