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Vorsicht Ozon: 300 Tote jährlich wegen zu hohen Werten in der Schweiz

Ozon ist widersprüchlich: Oben schützt es uns, unten macht es uns krank. Und ausgerechnet an der Autobahn sind die Werte am tiefsten.
Andrea Söldi
Wenn die Temperaturen steigen, nimmt auch die Ozonbelastung zu. (HO)

Wenn die Temperaturen steigen, nimmt auch die Ozonbelastung zu. (HO)

Kein Wölkchen am Himmel, kein Windstoss am See und Temperaturen über 30 Grad: Was nach einem perfekten Sommertag klingt, ist die Beschreibung der perfekten Bedingungen für hohe Ozonwerte. Auch diesen Sommer übersteigt die Konzentration des Reizgases regelmässig die zulässigen Grenzwerte. Etwa am 27. Juni, dem Ozonrekordtag in der Schweiz, mit Spitzenwerten bis zu 206 Mikrogramm in Basel-Binningen (siehe Grafik). Dies hat direkte Folgen: Gemäss Schätzungen des Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Instituts sind in der Schweiz bis zu 300 Todesfälle pro Jahr auf hohe Ozonwerte zurückzuführen. Denn Ozon kann neben Reizhusten und brennenden Augen auch schwere Asthmaanfälle auslösen. In der Landwirtschaft führt das Reizgas zu Ertragsausfällen.

Gemäss der schweizerischen Luftreinhalte-Verordnung dürfte die durchschnittliche Ozonbelastung während einer Stunde höchstens einmal pro Jahr über 120 Mikrogramm pro Kubikmeter steigen. Doch davon sind wir weit entfernt. Nördlich der Alpen wurden etwa in Zürich oder Basel an Spitzentagen im Juli beinahe 200 Mikrogramm gemessen, in Chiasso gar bis zu 300 Mikrogramm. Der europäische Alarmwert liegt bei 240 Mikrogramm. Das Tessin erreicht regelmässig hohe Werte, weil dort verschiedene Faktoren zusammenkommen: Aus der Po-Ebene treibt bereits belastete Luft herbei, die in den relativ dicht besiedelten und verkehrsreichen Tessiner Tälern noch stärker angereichert wird. Zudem scheint häufig die Sonne.

Verkehr und Industrie sind Schuld

Die Vorgänge rund um die Ozonbildung sind kompliziert: Das Gas entsteht unter Einstrahlung von Sonnenlicht aus Verkehrsabgasen, vor allem Stickoxiden (NO2). Weiter sind Emissionen aus der Industrie beteiligt, hauptsächlich Lösungsmittel. Sie kommen zum Beispiel in Farben und Lacken vor. Gleichzeitig baut sich Ozon aber an verkehrsintensiven Standorten durch dort ausgestossene Luftschadstoffe kurzzeitig wieder leicht ab. «Deshalb sind die Konzentrationen entlang von Autobahn-Messstandorten stets tiefer als in ruhigeren Gegenden», erklärt Rudolf Weber vom Bundesamt für Umwelt.

Oben Schutz, unten Problem

Rund um das Thema Ozon entsteht oft Verwirrung. Denn während das Gas in Bodennähe Schäden an Gesundheit und Umwelt verursacht, ist es in 10 bis 50 Kilometer Höhe äusserst erwünscht: Dort schützt uns die Ozonschicht vor ultravioletter Strahlung, die das Risiko für Hautkrebs erhöht. Doch in den 70er-Jahren hat man erkannt, dass die schützende Schicht vor allem in der südlichen Hemisphäre Löcher aufweist. Die Zerstörung der Ozonschicht wird hauptsächlich durch Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffe (FCKW) verursacht – ein Kühlmittel in Kühlschränken und Klimaanlagen. Diese Gase reagieren in der Stratosphäre mit dem Ozon und spalten es auf. Mit dem Montreal-Protokoll haben sich 1989 alle Staaten dazu verpflichtet, keine FCKW mehr in Umlauf zu bringen. An ihre Stelle sind Ersatzstoffe getreten, die aber zum Teil klimaschädlich sind. Seither hat sich die Ozonschicht wieder etwas erholt – jedoch langsamer als erhofft. Ein internationales Forschungsteam hat kürzlich entdeckt, dass in China wieder FCKW produziert werden. Zudem gelangen die Stoffe weiterhin durch alte Kühlschränke in die Atmosphäre. (sö)

In verkehrsarmen Wohnquartieren werde der Grenzwert deutlich häufiger überschritten als an stark befahrenen Strassen. Hohe Belastungen weisen auch Lagen in 1000 Meter Höhe auf – etwa der Messstandort Rigi auf 1020 Meter über Meer. Im Spitzensommer 2003 wurden auch nördlich der Alpen vielerorts wiederholt Werte von 240 Mikrogramm erreicht. Massnahmen wie Katalysatoren und Abgasvorschriften haben dazu geführt, dass die Konzentrationen heutzutage meist nicht über 200 Mikrogramm steigen. Entwarnen könne man aber nicht, sagt Meltem Kutlar Joss vom schweizerischen Tropeninstitut: «Ein einmaliger Spitzenstoss ist weniger schädlich als eine stetige erhöhte Belastung.»

Tessin und in Paris ziehen Notbremse

Gesundheitsfachleute raten stets dazu, bei hoher Ozonkonzentration anstrengende körperliche Aktivitäten in die Morgen- und Abendstunden zu verlegen sowie möglichst wenig Auto zu fahren. Im Tessin lässt man es bei Spitzenbelastungen nicht mehr bei Empfehlungen bewenden: Ab 13 Uhr gilt auf einigen Autobahnen Höchsttempo 80. Noch weiter gehen die Behörden in Paris, wo teilweise Temperaturen von bis zu 40 Grad herrschten. Dann dürfen besonders umweltschädliche Motorfahrzeuge in der Stadt nicht mehr fahren. So weit will das Bafu nicht gehen. Zielführender sei die dauerhafte Eindämmung der Vorläuferstoffe von Ozon. So sollen die geltenden Emissionsvorschriften gemäss den technischen Entwicklungen stetig verschärft werden.

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