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Kolumne

Von kleinen Autos und grossen Wäldern

Lasst uns doch das Bergbaden erfinden, schreibt unsere Sonntagskolumnistin Blanca Imboden.
Blanca Imboden
Blanca Imboden, Schriftstellerin.

Blanca Imboden, Schriftstellerin.

Neulich beobachtete ich eine Familie beim Wandern. Das Kind liess einen kleinen, ferngesteuerten, roten Offroader vor sich herfahren. Ich war mir einen Moment lang nicht sicher, ob es mir gefiel oder nicht. In einer ersten Regung fand ich die Idee, ein Kind so zum Wandern zu animieren, gar nicht so übel. Ich war fasziniert, wie das kleine Auto über Stock und Stein fuhr, und fragte mich, wie viele zusätzliche Akkus der Papa wohl im Rucksack mitführte.

Eine Woche später war eine Familie bei mir auf der Bahn. Der Papa hatte auf seinen Rucksack ein rotes Auto geschnallt. Ich fragte ihn, ob ich ihn letzte Woche schon beim Wandern gesehen hätte. Er verneinte und erklärte: «Das ist jetzt ein Trend.»

Das Mitführen von kleinen, ferngesteuerten Offroadern in die Berge ist ein Trend?

Mein Kopfkino war nicht mehr zu bremsen. Überall kleine rote Autos, auf jedem Berggipfel, jedem Wanderweg. Eine Sternwanderung von überall her. Nachts sieht man kleine, bewegliche Lichtlein und fragt sich von unten, was das sein könnte …

Eine Nachbarin erzählte, dass sie mit ihren Kindern auf meinem Lieblingswanderweg war: auf dem Stoos, vom Klingenstock zum Fronalpstock. «Die müssen da schon noch etwas machen», kommentierte sie ihren Ausflug, mit leicht hängenden Mundwinkeln. Etwas machen? «Ja, so für Kinder. Da ist ja wirklich nur der Weg und sonst nichts», erklärte sie. Was muss ein Wanderweg heute eigentlich bieten?

Dieser zum Beispiel offeriert eine fantastische, ständig wechselnde Aussicht, eine unglaubliche Blumen- und Pflanzenvielfalt und ist dazu sehr gepflegt. Möchte sie unterwegs noch drei pinkfarbene Hüpfburgen haben, in der Mitte einen Eisstand und vielleicht eine Beschallung mit Kinderliedern auf dem steilen Endstück hoch zum Fronalpstock (wo es dann wirklich einen Spielplatz hat)? Wir kritisieren ja oft Berge als Rummelplatz Aber scheinbar ist das ein Kundenbedürfnis. Jubel, Trubel, Heiterkeit. Weil der Berg als Erlebnis nicht mehr genügt.

Gut, ich darf da eigentlich gar nicht mitreden. Ich habe keine Kinder, war nur mal selber eines. Das macht mich nicht zur Fachfrau. Möglicherweise hätte ich einen Keller voller Offroader, hätte ich eigene Kinder.

Shinrin Yoku - staatlich gefördertes Waldbaden

Trotzdem. Wir alle wissen, das Stille und Ruhe wichtig sind, zur Regeneration und als Gegenpol zur Reizüberflutung und der Beschleunigung in unserem Leben. Aber viele können damit gar nicht mehr umgehen. Die Japaner reden vom Waldbaden, dem staatlich geförderten Shinrin Yoku, der Wissenschaft um die Heilkraft des Waldes. Man solle in den Wald gehen, nur um dort zu sein, und ihn nicht nur als Kulisse für Sport benützen. Schon grosse Fotos von Wäldern in Räumen sollen wohltuend sein. Lasst uns doch das Bergbaden erfinden! Das wäre ein Trend! Auf Berge wandern oder fahren und nur sein. Atmen.

Sie suchen nach Weihnachtsgeschenken? Ein Buch über das Wald­baden könnte ein Volltreffer sein. Oder – im äussersten Notfall – ein kleiner, roter, ferngesteuerter Offroader.

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