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Der Name der Mariendistel geht auf eine Legende zurück: Demnach sei Marias Milch einst auf die Pflanze getropft.

Der Name der Mariendistel geht auf eine Legende zurück: Demnach sei Marias Milch einst auf die Pflanze getropft.

Von Hiobstränen und Engelstrompeten – warum Pflanzen und Tiere biblische Namen tragen

Die Benennung so mancher Tiere und Pflanzen steht in direkter Verbindung zum Christentum. Kein Wunder, waren doch die ersten Europäer, die sich systematisch mit der Pflanzenwelt auseinandersetzten, Benediktinermönche.
Lukas Tobler

Mönchspfeffer

Ob die Wirkung dieser Pflanze himmlisch oder des Teufels ist, lässt sich aus heutiger Perspektive nicht mehr so einfach beantworten wie zu Zeiten ihrer Namensgebung. Die Pflanzenart aus der Familie der Eisenkräuter hat nämlich angeblich anaphrodisierende Wirkung, sie hemmt also den Geschlechtstrieb. Daher rührt auch ihr deutscher Name. Die Mönche züchteten das Kraut in ihren Klöstern, um sich damit ihre Enthaltsamkeit zu erleichtern. Der lateinische Name «agnus-castus» bedeutet übrigens so viel wie «sauberes Lamm».

Mariendistel

Die Mariendistel wird ihrem ehrenvollen Namen gerecht: Sie hat heilende Wirkung und den Menschen seit jeher als Behandlungsmittel bei Leberbeschwerden gedient. Ihr Name ist aber nicht auf diese Wirkung zurückzuführen, sondern hat seinen Ursprung in einer Legende. Die weissen Flecken auf den Blättern der Pflanze sollen daher rühren, dass Marias Milch einst auf die Pflanze getropft sei. Und lange ging man davon aus, dass die Pflanze der Milchbildung der Frau dienlich sei. Was heute als widerlegt gilt, spiegelt sich im englischen Namen immer noch wieder: «Milk Thistle».

Engelhai

Wie die Gattung der Engelhaie zu ihrem Namen kam, ist unschwer zu erraten: Ihre Flossen erinnern an Engelsflügel. Mit diesen sehen die Tiere eher aus wie Rochen als wie Haie. Trotzdem werden sie Letzteren zugeordnet. Auf Menschen haben sie es nicht abgesehen: echte Engel im Haifischbecken also. Doch zeigen sich am Beispiel Engelhai die Launen der Nomenklatur: Viel anders als ein Engelhai sieht auch ein Teufelsrochen nicht aus. Auch dieser schwebt engelsgleich durch die Meere. Trotzdem wurde er der entgegengesetzten Seite des Gut-Schlecht-Spektrums zugeordnet.

Hiobsträne

Kaum jemand musste so viel Leid ertragen wie Hiob. Darauf reagierte er weinend, wie das Buch Hiob 30.25 belegt: «Ich weinte bittere Tränen über die harte Zeit, und meine Seele grämte sich über das Elend.» Einige Tränen werden wohl ausgesehen haben wie die Samen des Hiobstränengrases, die ab einer gewissen Grösse schwermütig tränenartig herunterhängen. Freilich sehen sie nicht nur Hiobs Tränen ähnlich, weshalb die Pflanze in der Vergangenheit auch schon «Christusträne», «Mosesträne» oder «Marienträne» genannt wurde. Sehr biblisch ist die Hiobsträne aber sicher, was sich auch daran zeigt, dass die getrockneten Samen in manchen Ländern zur Herstellung von Rosenkränzen verwendet werden.

Engelstrompete

Die Blüten dieser Zierpflanze sehen aus wie himmlische Trompeten, was ihr den schmeichelhaften Namen eingebracht hat. Doch der Name trügt: Die Engelstrompete ist sehr giftig. Wird die Blüte konsumiert, können heftige Halluzinationen eintreten, «bei denen der Konsument nicht mehr zwischen Rausch und Realität unterscheiden kann», wie ein Ratgeber festhält. Die Pflanze kann zu selbstzerstörerischen Handlungen führen, etwa weil man denkt, man könne fliegen.

Gottesgnadenkraut

Wie der Name verrät, ist dieses Kraut mit herausragenden Eigenschaften gesegnet: Es wurde lang als Heilmittel gegen unzählige Krankheiten wie etwa Wassersucht oder Leber- und Gallen­beschwerden eingesetzt. So viel Heilkraft in einer Pflanze wurde dankbar als Beispiel für Gottes Gnade erachtet. Mittlerweile wird in der Schulmedizin nicht mehr auf dieses Kraut zurückgegriffen, es gibt moderne Alternativen mit weniger Nebenwirkungen. Denn wer sich dieser Gnade Gottes unbedarft bedient, begibt sich in Gefahr: Die Pflanze kann nicht nur heilen, sondern ist auch sehr giftig. Eine allzu grosse Gefahr stellt sie aber nicht mehr dar: Das Gottesgnadenkraut ist europaweit vom Aussterben bedroht.

Teufelsangel

Die Teufelsangel hat sich trotz ihres wenig schmeichelhaften Namens nichts zuschulden kommen lassen. Sie ist weder besonders aggressiv noch hinterlistig noch irgendwie unansehnlich. Allerdings ist dieser Vertreter der Barschfamilie ein Maulbrüter. Das bedeutet, dass er die Eier direkt nach dem Ablaichen ins Maul nimmt, um sie zu beschützen. Der lokalen Bevölkerung in Südamerika war das suspekt: Wer Jungtiere spuckt, der muss wohl des Teufels sein.

Satansröhrling

Anders als die Teufelsangel hat der Satansröhrling, auch Satanspilz genannt, seinen Namen verdient. Der Pilz des Jahres 1999 führt nämlich zu Durchfall, Übelkeit und Erbrechen. Tödlich ist sein Verzehr zwar nicht, äusserst unangenehme Folgen hat er aber schon. Diese Erfahrung hat auch der ursprüngliche Namensgeber der Pilzart, Harald Othmar Lenz, gemacht, wie er in seinem Tagebuch 1830 festhielt. Der Name ist vielleicht ein Racheakt am Pilz, der Lenz eine «bange und grauenvolle Nacht» bescherte.

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