Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Modische Zeitreise: Vom falschen Hintern zur dünnen Twiggy und wieder zurück

Die als ideal geltende Silhouette hat sich im Laufe der Jahre ständig verändert. Zurzeit kehren die gepolsterten Popos zurück – früher spritzte man dafür kein Eigenfett, sondern benutzte den «Faux-Cul» – ein unter dem Jupe angebrachtes Polster.
Helen Lagger
Kim Kardashians Hintern ist derzeit wohl der meist fotografierte.

Kim Kardashians Hintern ist derzeit wohl der meist fotografierte.

Bild: Musée Historique Lausanne

Bild: Musée Historique Lausanne

Kleider machen Leute – zumindest seit sie mehr als Schutz vor Kälte bieten sollen. «Dress to impress», das gilt seit Jahrhunderten. Und auch Heuchler gab es damals wie heute. Auf Französisch ist das Wort für einen «Schleimer», «Betrüger» oder «Lügner» allerdings viel schöner: faux-cul – also wörtlich übersetzt ein «falscher Arsch». Ein falscher Hintern liegt laut Schönheitschirurgen gerade mächtig im Trend. Vorbild ist Kim Kardashian, Unternehmerin und US-amerikanische Reality-TV-Queen. Damen in Los Angeles und anderswo lassen sich seit einigen Jahren mit Eigenfett den Popo aufpolstern.

Mal der Po, mal die Hüften, mal die Wespentaille

Bild: Musée Historique Lausanne

Bild: Musée Historique Lausanne

Ist der Wunsch nach mehr Gesässvolumen ein ganz neuer? Keineswegs. Der «Faux-Cul» des 19. Jahrhunderts war ein auf der Höhe der Nieren angebrachtes Polster, das den Popo akzentuierte. Im 18. Jahrhundert wurden hingegen die Hüften betont, während die für eine Wespentaille sorgenden Korsetts vom 16. bis ins 19. Jahrhundert getragen wurden. Coco Chanel (1883–1971) schuf das Korsett 1906 kurzerhand ab und schlug stattdessen schlichte Tweedkostüme vor, in denen Frauen sich bewegen konnten.

Seither gilt Coco Chanel als Frauenbefreierin.

Auch der Mann liebt es sich zu formen

Bild: Musée Historique Lausanne

Bild: Musée Historique Lausanne

Doch wer glaubt, es sei ein weibliches Phänomen, sich mit der eigenen Silhouette zu beschäftigen, irrt. Auch der Mann ist formbar. Die aktuelle Ausstellung «Silhouette. Le corps mis en forme» im Musée historique in Lausanne ist eine vergnügliche Reise über den Wandel von idealen Körperkonturen bei Männern wie Frauen vom 17. Jahrhundert bis ins Heute. Gehröcke, Hosenlätze, aufgeblasene Torsos, flache oder gepolsterte Brüste und Taillen, die mal nach oben und dann wieder nach unten rutschten: Alle diese Elemente zeigen auf, wie sehr der Mensch sich gerne selbst formt und wie der Zeitgeist diesen Wunsch verändert. Beine, Schultern, Hälse – kein Körperteil, das nicht durch Kleidung in Szene ­gesetzt werden könnte.

Korsett als Zeichen der Moralität

Bild: Musée Historique Lausanne

Bild: Musée Historique Lausanne

Bei der weiblichen Kleidung gilt der Jupe als Sockel der Silhouette. So wird in vorangehenden Epochen die Silhouette durch gebauschte Röcke zum Kegel geometrisiert, wobei die eigentliche Körperform kaum noch sichtbar ist. Das Korsett hält dabei den weiblichen Körper im Zaum und gilt als Zeichen der Moralität.

Bild: Musée Historique Lausanne

Bild: Musée Historique Lausanne

Auch die Ärmel sind Elemente, die ständig neu erfunden werden: Lang, kurz, gebauscht, mit Flügeln – die Fantasie der Modeschöpfer kennt bis heute keine Grenzen. ­Gerade feiern Puffärmel ein Comeback.

Kleider wie aus Schlagrahm

Während der Belle Epoque wird der Vorrang der Silhouette in Frage gestellt. Der «Bouilloné» kommt auf. Es ist ein Stoff, der Kräuselfalten und Wellen bildet. Kleider wie aus Schlagrahm sorgen für unscharfe Konturen. Es ist die amerikanische Choreografin und Tänzerin Loïe Fuller (1862–1928), die diesen Trend auf die Spitze treibt. Mehrere Schleier werden während ihres «Schlangentanzes» in Bewegung gesetzt, so dass der Körper beinahe zu verschwinden scheint.

Im 20. und im 21. Jahrhundert wird es schliesslich so körperbetont wie nie zuvor. Der Anfang Jahr verstorbene Karl Lagerfeld unterzog sich in den frühen Neunzigerjahren einer Radikaldiät. Angeblich wollte er unbedingt in die Jeans, die Hedi Slimane für Dior Homme kreiert hatte, passen und sagte:

«Wer messerscharfe Kleider will, muss selbst messerscharf sein.»

Das dürre «Zweiglein» aus den 1960er-Jahren

Twiggy, britisches Model, aufgenommen am 17. Februar 1967. (Bild: KEY)

Twiggy, britisches Model, aufgenommen am 17. Februar 1967. (Bild: KEY)

Die superschlanke Silhouette eingeläutet hatte indes bereits das Model Twiggy in den Sechzigerjahren. Twiggy, was auf Englisch so viel wie «Zweiglein» bedeutet, hatte ihren Spitznamen aufgrund ihrer spindeldürren Figur erhalten. Die schlichte A-Linie war Trumpf.

Es folgten neue Silhouetten in Form von Schlaghosen für beide Geschlechter in den Siebzigerjahren, Ballonröcke in den Achtzigerjahren und der Wonderbra in den Neunzigerjahren. Der Push-up-Büstenhalter sollte, nachdem es in den Sechzigerjahren noch geheissen hatte, Audrey Hepburn hätte den Busen aus der Mode gebracht, wieder mehr Volumen bewirken. Ein alter Hut. Der «fichu menteur» ein Stück Stoff am Halsausschnitt, wurde bereits im 18. Jahrhundert dazu eingesetzt, die Büste zu formen und den Busen hervorzuheben.

Ausstellung: Bis am 29.9. im Musée Historique Lausanne, Place de la Cathédrale 4, Lausanne.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.