Kolumne

Viva la vida – Es lebe das Leben 2019

Familienspaziergang, Sternsinger und ein falsches Datum - und das alles in der Silvesternacht.

Susanne Holz
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An Silvester hatten wir noch etwas Zeit bis Mitternacht, setzten uns ins Auto und fuhren zu einem Lichterweg, um ein wenig zu spazieren. Unterwegs sagt die älteste Tochter: «Sommerhits, bitte» – sie hat die Nase voll von «Stille Nacht».

Folgsam legt man eine CD mit Sommerhits ein. Grosse Freude: Durchs Auto tönt der perfekte Sound zum neuen Jahr. Coldplay mit «Viva La Vida». Chris Martin singt zum Staccato der Streicher: «I used to rule the world / Seas would rise when I gave the word.» Dass das mit dem Beherrschen der Welt aber gar keine so tolle Sache ist, wird auch bald klar: «Never an honest word / But that was when I ruled the world.»

Die Hymne auf die Veränderung. Plötzlich ruft die kleine Tochter voll Euphorie, mit Blick aus dem Autofenster in die Abenddämmerung: «Oh, da sind Sternsinger!» Alle schauen. Und sehen eine muslimische Familie des Wegs auf dem Gehsteig. Wunderbar. Viva la vida, es lebe das Leben.

In ein paar Stunden beginnt 2019, für Sternsinger wie für Muslime.

In Sydney begrüsst man zwar erneut das Jahr 2018, weil die Organisatoren des Feuerwerks sich im Datum irren. Doch was soll’s. An der Themse gibt Bürgermeister Sadiq Khan das Motto aus: «London ist eine offene Stadt.» Gutes Motto, guter Typ. Auf ein offenes 2019. Viva la vida – für alle.