Interview

Virologin über Echinaforce-Studie: «Sagt nichts über Wirksamkeit bei Menschen aus»

Hat Echinaforce wirklich das Potenzial als neues Corona-Wundermittel? Die renommierte Genfer Virologin Isabella Eckerle klärt auf.

Adrian Müller / Watson
Drucken
Teilen
Isabella Eckerle, Leiterin des Zentrum für Viruserkrankungen am Universitätsspital Genf.

Isabella Eckerle, Leiterin des Zentrum für Viruserkrankungen am Universitätsspital Genf.

Keystone

Frau Eckerle, eine neue Studie des Labor Spiez zeigt auf, dass Echinaforce unter Laborbedingungen Coronaviren abtötet. Wie schätzen Sie diese Forschungsergebnisse ein?

Grundsätzlich sagt die Studie nichts darüber aus, ob Echinaforce auch bei Menschen gegen Coronaviren wirkt. Das betont das Labor Spiez in einer Stellungnahme selbst. Die Forscher haben in einer Wirkstoffprüfung einen gewissen Effekt von Echinaforce gegen Coronaviren festgestellt – aber in einer Zellkultur im Labor. Das Ergebnis hat zwar einen gewissen Stellenwert. Eine klinische Relevanz kann man nicht ableiten. Das ist noch ein sehr, sehr langer Weg.

Warum?

Dazu bräuchte es zuerst Tierversuche und dann umfassende klinische Studien bei Menschen. Auch um mögliche Nebenwirkungen zu untersuchen. Eine Frage ist etwa, ob man eine gleich hohe Konzentration von Echinaforce wie im Labor auch im Menschen überhaupt erreichen kann. Unzählige Studien zeigen im Labor einen gewissen Effekt für verschiedenste Wirkstoffe. Wenn man sie danach weiter prüft, sind sie aber in den meisten Fällen in der Praxis nicht anwendbar. Das ist in der Forschung normal. Denn eine Anwendung in der Petrischale ist sehr weit weg von dem, was in einem menschlichen Körper tatsächlich passiert.

Sie glauben also nicht, dass sich Echinaforce zum neuen Wundermittel gegen Coronaviren mausert?

Das halte ich für unwahrscheinlich. Nur aufgrund dieser Daten wird man sicher erstmal keine klinische Studie starten. Momentan werden sehr viele Wirkstoffe gegen Coronaviren erforscht. Echinaforce müsste andere Wirkstoffe übertrumpfen.

Würde Sie trotzdem empfehlen, sich auf den Winter hin vorsorglich mit Echinaforce einzudecken?

Wie gesagt, man kann derzeit keine medizinischen Schlüsse aus der Studie ziehen. Darum ist es nicht angebracht, das Medikament auf Vorrat zu kaufen. Viel wichtiger ist es für den Winter, dass sich alle an die bewährten Schutzmassnahmen halten: Also Abstand halten, Masken tragen und Händehygiene.

Einige der Studienverfasser arbeiten selbst beim Echinaforce-Hersteller, der A. Vogel AG. Ist das problematisch?

Es ist sicher immer sauberer, wenn Studienautorinnen und Autoren unabhängig sind. Aber das Labor Spiez hat ein sehr hohes wissenschaftliches Niveau, so dass ich nicht annehme, dass die Daten bewusst wohlwollend für die Firma interpretiert wurden.