Virologe Drosten hat seine Studie verbessert - seine Schlussfolgerung zu Kindern bleibt allerdings die gleiche

Nach internationaler Kritik von Statistikern hat der Deutsche Star-Virologe seine Studie überarbeitet. Für die signifikant geringere Virenlast der Kinder hat er nun eine andere Erklärung.

Sabine Kuster
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Der renommierte Virologe sieht die Rolle der Kinder in der Pandemie nicht so unbedenklich wie der Schweizer Daniel Koch.

Der renommierte Virologe sieht die Rolle der Kinder in der Pandemie nicht so unbedenklich wie der Schweizer Daniel Koch.

(Bild: Christophe Gateau/dpa)

Vor einem Monat hat die Studie zur Virenlast bei Kindern für Aufsehen gesorgt: Der Deutsche Virologe verglich die Anzahl Viren im Rachen von Kindern mit jenen von Erwachsenen und kam zum Schluss, dass sie nicht bedeutend geringer sei. Deshalb sei Vorsicht geboten bei der kompletten Öffnung der Deutschen Schulen.

Verschiedene internationale Statistiker, darunter auch der Schweizer Bio-Statistiker Leonhard Held von der Uni Zürich, kritisierten darauf die statistische Methode: Die Autoren Terry C. Jones
et al hatten nur mit groben Alterskategorien gearbeitet und die Veränderung der Virenlast von jung nach alt nicht kontinuierlich analysiert.

Nun hat Drosten mit seinem Team am Montagabend die überarbeitete Studie veröffentlicht und sich via Twitter bei den Forscherkollegen für die «hilfreichen Kommentare» bedankt. Es zeigt sich wieder, dass es bei Kindern einen signifikanten Unterschied in der Virenlast gibt gegenüber Erwachsenen. Dies jedoch nur in jenem neuen PCR-Test von Roche, der ab dem 16. März verwendet wurde, nicht im alten.

Vielleicht wurden die Tests «unterschiedlich gehandhabt»

Im neuen Test zeige sich ein «glaubhafter, aber kleiner Unterschied» zwischen jungen und alten Altersgruppen. Die Autoren folgern jedoch: «Dieser kleine Unterschied könnte eher der unterschiedlichen Handhabung des Testes geschuldet sein als einer tatsächlichen Differenz in der Virenlast.»

Zudem verhalte sich die Virenlast bei Sars-CoV-2 ähnlich wie bei der Grippe. Da ist bekannt, dass Kinder Treiber einer Epidemie sein können. Es sei wahrscheinlich, dass die in dieser Studie beobachtete unterschiedliche Virenlast in den Altersgruppen eine beschränkte Relevanz habe.

Auch bekannt ist, dass die Virenlast gleich gross sein kann, egal wie stark die Symptome sind. Kinder mit Covid-19 haben meist nur milde Symptome. Die Autoren gehen in der Studie schon auf die Übertragungswahrscheinlichkeit ein, die deutlich kleiner ist, wenn jemand nicht oder wenig hustet. Allerdings schreiben die Forscher, dass andere Argumente wie körperliche Aktivität und engeres Beisammensein von Kindern die Übertragung andererseits begünstige.

Virenmenge mit dem neuen Test gemessen: Jeder Punkt steht für einen Patienten. Je höher dieser in der Grafik platziert ist, desto höher war auch die Virenmenge.

Virenmenge mit dem neuen Test gemessen: Jeder Punkt steht für einen Patienten. Je höher dieser in der Grafik platziert ist, desto höher war auch die Virenmenge.

(Bild: Studie Terry C. Jones et al)

Wenn beide Tests, der alte und der neue kombiniert werden, zeigt die Studie, dass nur 29 % der positiv getesteten Kinder bis 6 Jahren eine infektiöse Virenlast haben, 37 % der 0-19 Jährigen und 51 % der über 20-Jährigen. Die Autoren schreiben, die Unterschiede könnten auch hier der unterschiedlichen Test-Verwendung geschuldet sein. Und: «Wir schliessen daraus, dass ein beachtlicher Prozentsatz von Infizierten aller Altersgruppen, auch jene mit noch keinen oder nur milden Symptomen Virenlasten mit sich tragen, die infektiös sind».

Drosten rückt nicht von seiner Meinung ab

Christian Drosten bleibt unbeirrbar bei seiner Meinung: Für ihn können Kinder genau so Treiber der Pandemie sein, wie Erwachsene. An anderer Stelle verweist er darauf, dass Kinder tendenziell eher später getestet würden und sich dann die Virenlast bereits wieder reduziert habe, wie das für den Krankheitsverlauf üblich ist.

Die Autoren schreiben in der Zusammenfassung: Aufgrund der Resultate und der Unsicherheit bezüglich sonstigen Verbreitung, würden sie zur Vorsicht und genauem Überwachen während der Lockerung der Massnahmen raten. Und: «Im Speziellen stützt die aktuelle Studie die Vermutungen nicht, dass Kinder nicht auch so infektiös sind, wie Erwachsene».