Wunderwaffe gegen Bakterien: Viren sollen Antibiotoka ersetzen

ETH-Forscher konnten Viren so umprogrammieren, dass sie gezielt bestimmte Bakterienstämme angreifen.

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In Realität läuft das Umprogrammieren der Viren in kleineren Massstäben ab. Doch diese künstlerische Darstellung schaffte es aufs Titelblatt der Fachzeitschrift «Cell Reports». (Bild: Jonas Fernbach)

In Realität läuft das Umprogrammieren der Viren in kleineren Massstäben ab. Doch diese künstlerische Darstellung schaffte es aufs Titelblatt der Fachzeitschrift «Cell Reports». (Bild: Jonas Fernbach)

(sda) Die Menschen stehen vor einem gewaltigen Problem: Krankmachende Bakterien werden zunehmend resistent gegen Antibiotika. Grosse Hoffnungen ruhen nun auf den natürlichen Feinden der Bakterien. Die sogenannten Phagen sind Viren, die Bakterien zerstören.

Allerdings befallen Phagen nur spezifische Zielbakterien. Einem Team um den Mikrobiologen Samuel Kilcher von der ETH Zürich ist es nun gelungen, sie auf andere Bakterien umzuprogrammieren, wie die Hochschule am Montag mitteilte. Phagen tragen auf ihrer Hülle Proteine, die spezifisch zu einer Andockstelle auf den Bakterien passen, wie ein Schlüssel ins Schloss. Die Forschenden konnten die Struktur eines solchen Schlüssels-Proteins beschreiben und entwarfen anschliessend neue Proteine, die zu anderen Bakterien passen. Die genetische Bauanleitung für diese Proteine bauten sie wiederum in Phagen ein und machten sie damit zu «Auftragskillern» gegen bestimmte Bakterienstämme.

Erste Therapien sind noch im experimentell Stadium

Für eine Therapie könnte mit einem Mix solcher Designer-Phagen ein breites Spektrum an Bakterienstämmen bekämpft werden, schrieb die ETH. Die Ergebnisse erschienen im Fachblatt «Cell Reports».

Die Forschenden wollen nun Designer-Phagen insbesondere gegen Krankheitserreger entwickeln, denen wegen Antibiotikaresistenzen schwer beizukommen ist. Allerdings müssten dazu noch Methoden entwickelt werden, um diese Phagen im Labor herzustellen. Bis zur praktischen Anwendung dürfte es noch dauern. Einzelne experimentelle Phagentherapien gibt es bereits, allerdings fehlen noch grosse klinische Studien und die Marktzulassung.