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Vier Frauen, vier Nationen, ein Atelier

Marlies Pekarek hat drei Gastkünstlerinnen aus Rom, Kairo und Australien in ihr St.Galler Atelier eingeladen. Eine der Frauen erfindet und zeichnet einen aufwendigen Comic-Thriller über die St.Galler Stiftsbibliothek.
Melissa Müller
Marlies Pekarek (zweite von links) hat drei Künstlerinnen zum dreiwöchigen Austausch in ihr Atelier in der Hauptpost St. Gallen eingeladen: Geraldine Searles aus Australien (links), Huda Lutfi aus Ägypten und Primarosa Cesarini Sforza aus Italien. (Bild: Urs Bucher)

Marlies Pekarek (zweite von links) hat drei Künstlerinnen zum dreiwöchigen Austausch in ihr Atelier in der Hauptpost St. Gallen eingeladen: Geraldine Searles aus Australien (links), Huda Lutfi aus Ägypten und Primarosa Cesarini Sforza aus Italien. (Bild: Urs Bucher)

Die St.Galler Künstlerin Marlies Pekarek gewann mehrmals ein Atelierstipendium, das sie in eine andere Ecke der Welt führte. Jedes Mal lernte sie eine besondere Frau kennen, die sie künstlerisch weiter brachte. Und zu der sie bis heute Kontakt hält. Drei dieser Frauen hat sie nun in ihr grosses, luftiges Atelier in der St.Galler Hauptpost eingeladen. So treffen sie nun zusammen: Vier Künstlerinnen aus vier Nationen, alle über sechzig. Gemeinsam sind ihnen die Arbeiten auf Papier – und die ungebrochene Schaffenslust.

Eine Installation von Huda Lutfi aus Ägypten. (Bild: Urs Bucher)

Eine Installation von Huda Lutfi aus Ägypten. (Bild: Urs Bucher)

Pyramide aus Zuckerpuppen

Im Atelier herrscht eine kreative Werkstattatmosphäre. Auf einem Tisch liegen Skizzenbücher voller fantasievollen Zeichnungen, Leimtuben, Töpfe mit Pinseln. Huda Lufti schneidet Körperformen aus, klebt abstrakte Collagen aus dünnem Papier, einige schimmern golden. In ihrer Heimat ist sie eine bekannte Künstlerin. «Mich interessiert die Reduktion, das Abstrakte und die Wiederholung», sagt die 71-Jährige, die auch als Professorin lehrt.

«Ich geniesse es hier sehr, es ist so ruhig und sauber in St.Gallen – die Pause von der Hektik in Kairo tut gut.»

Pyramiden aus Puppen Marlies Pekarek entdeckte in einer Galerie vor ein paar Jahren eine Arbeit von Huda Lufti: Ägyptische Zuckerpuppen, die eine bunte Pyramide bildeten. «Die arbeitet ja ganz ähnlich wie ich – die muss ich unbedingt kennen lernen», sagte sich die St.Gallerin. Sie ist bekannt ist für ihre Madonnen aus Glycerinseife, die sie ebenfalls zu Gruppen arrangiert. Kurz darauf traf sie die energische Ägypterin mit den schwarzen Locken, die nun bei ihr im Atelier sitzt, klebt und zeichnet. Und andere mit ihrem Arbeitsfieber ansteckt. Neben ihr malt und collagiert die 72-jährige Römerin Primarosa Cesarini Sforza. «Huda ist eine starke Künstlerin», sagt sie und schneidet schwarze Beine aus Papier aus. «Wir inspirieren uns.» Von Konkurrenz keine Spur. Marlies Pekarek hat die Römerin an einer Vernissage kennen gelernt.

Geraldine Searles zeichnet einen Comic über den Stiftsbezirk. (Bild: Urs Bucher)

Geraldine Searles zeichnet einen Comic über den Stiftsbezirk. (Bild: Urs Bucher)

Verfolgungsjagd durch den Stiftsbezirk

Die dritte im Bunde ist die Australierin Geraldine Searles. Marlies Pekarek traf sie vor fast 20 Jahren in Brisbane, als sie das Haus der Australierin mietete. Seither haben sie zwei gemeinsame Comic-Projekte verwirklicht. Eines ist das Buch «A Cautionary Tale», das die Odyssee einer Zuckerprinzessin erzählt. «Mit meinen Comics habe ich in der Kunst eine Aussenseiterposition», sagt Geraldine Searles. Sie lacht viel und wirkt heiter, ihre Comics verbreiten aber eine apokalyptische Endzeitstimmung. «Ich mag mystische Geschichten», sagt sie. Ihr jüngster Streich ist ein Comic-Thriller, der sich in der St.Galler Stiftsbibliothek abspielt. Gemalt mit weisser Gouache und in Sepiabraun gehalten.

«Es geht um ein Manuskript aus der Bibliothek, das verschwindet. Zugleich verschwindet auch ein Kurator.»

Auch Alchemie, Verfolgungsjagden und der Jakobsweg kommen darin vor. Der erste von drei Teilen der Geschichte ist fertig. Am 27. Mai um 18 Uhr präsentiert ihn Geraldine Searles öffentlich, im Barocksaal der Stiftsbibliothek.

Bilder von Primarosa Cesarini Sforza. (Bild: Urs Bucher)

Bilder von Primarosa Cesarini Sforza. (Bild: Urs Bucher)

Spross einer römischen Künstlerfamilie

Primarosa Sforza wuchs in einer Künstlerfamilie auf. Dass sie ebenfalls diesen Weg gehen würde, war für sie immer sonnenklar. Im Atelier von Marlies Pekarek hat sie surreale Bilder von Hasen, Fischen und Häusern aufgehängt, durch Fäden vernäht. «Meine Arbeit ist sehr komplex, schwer zu verstehen», sagt die Italienerin, die mit 20 nach New York ausgewandert ist. «Es geht um Poesie und Einsamkeit. Ich versuche, in meiner Kunst das Chaos zu ordnen, das ich um mich herum habe.»

Ein Gemeinschaftswerk von Marlies Pekarek und ihren Gästen. Die Zuckerpuppe stammt aus Kairo. (Bild:Urs Bucher)

Ein Gemeinschaftswerk von Marlies Pekarek und ihren Gästen. Die Zuckerpuppe stammt aus Kairo. (Bild:Urs Bucher)

Derweil hat Marlies Pekarek vor ägyptischen Baumwolltüchern Zeichnungen und Objekte aufgestellt. Etwa eine Zuckerpuppe, die ihr Huda Lufti aus Kairo mitgebracht hat. «Diese Mulid Dolls werden den Kindern an Mohammeds Geburtstag geschenkt, ähnlich wir bei uns Samichläuse oder Osterhasen.» Solche Parallelen zwischen den Kulturen interessieren die Ostschweizerin, die schon Skulpturen aus Zucker oder Schokolade hergestellt hat. Die vier Frauen arbeiten nicht nur im Atelier, sie besuchen auch Ausstellungen – etwa jene von Miriam Cahn in Bregenz –, sie kochen zusammen, diskutieren über ihre Familien, Politik, Mode, das Weltgeschehen, tauschen Pizza- und Couscous-Rezepte aus. Ein nährender Austausch, in jeder Hinsicht.

Ausstellungen im Atelier Marlies Pekarek, Hauptpost St.Gallen: Sa, 18.5., 14 bis 17 Uhr, Di, 28.5. und 29.5., jeweils 17 bis 21 Uhr.

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