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Vertrackte Gehirnwindungen

Matthias Gnehm erzählt in seinem Comic-Roman eine mysteriöse Krimigeschichte. Klug verbindet er darin Wissenschaftliches und Pseudowissenschaftliches mit einer Liebesgeschichte.
Andreas Stock
Lokalkolorit: Liebenswertes, wenn auch hier verregnetes Zürich. (Bild: Edition Moderne)

Lokalkolorit: Liebenswertes, wenn auch hier verregnetes Zürich. (Bild: Edition Moderne)

Das menschliche Gehirn ist immer noch ein grosses Rätsel. Wie funktioniert unser Bewusstsein? Was spielen Emotionen für eine Rolle? Faszinierende Fragen, denen viele Wissenschafter ihre Forschungen widmen. Die Emotionsforschung ist eines der Schwerpunktthemen am Collegium Helveticum, dem von der ETH und Universität Zürich getragene Institut und Labor für Transdisziplinarität. Das Collegium und seine komplexe Forschungstätigkeit stehen im Zentrum der Graphic Novel «Das Selbstexperiment» von Matthias Gnehm – und werden auf fesselnde Weise ins Comic-Genre übersetzt.

Der Zürcher Architekt und Comic-Autor stellt mit der fiktiven Figur von Frank Karrer einen Wissenschafter ins Zentrum, der sich am Collegium Helveticum mit der Emotionsforschung beschäftigt: Wie entsteht Eifersucht – und wie könnte diese Gefühlsregung manipuliert werden? Als Karrer zufällig Claudia Fischer kennenlernt und von ihr einen Comic bekommt, der das Bewusstsein erklärt, gerät der Wissenschafter in einen Strudel von Intrigen, Verdächtigungen und einen mysteriösen Todesfall.

Mit dem toten Freund Karrers muss sich Kommissar Drechsler befassen. Der vertraut im dichten Netz von Eifersucht, Verrat und Hinterlist, von Wissenschaft und Pseudowissenschaft auf seine berufliche Intuition und sucht im Strudel von Widersprüchen und Unklarheiten ebenso nach Halt wie der Leser. Denn Gnehm treibt ein hinterhältig doppelbödiges Spiel mit uns, in dem er mehrmals die Erzählperspektive wechselt und manche Episoden wortwörtlich als Trugbilder entlarvt. Und die eine oder andere Figur entpuppt sich nicht als die, für welche man sie lange gehalten hat.

Das mag verwirrlich klingen, ist es aber kaum. Denn Gnehm entwirrt die Fäden in seinem vertrackten Gehirnspiel immer soweit, dass das Interesse am Fortgang der rätselhaften Ereignisse gewahrt bleibt.

Die Stadt Zürich und das Universitätsgelände, insbesondere die markante Semper-Sternwarte sind die in vielen liebevollen Details festgehaltenen Schauplätze. Formal werden unterschiedliche Zeichenstile kombiniert, die je eine andere Erzählform repräsentieren. Während die (Krimi)-Handlung mit zügigem Strich und viel Lokalkolorit temporeich vorangetrieben wird, zeigen sich wissenschaftliche Erläuterungen und Gedankengänge der Protagonisten in reduzierter Bildsprache.

In einer beinahe piktogrammartigen Illustration wird der Comic im Comic präsentiert, der das Bewusstsein erklären soll. Es ist diese virtuos eingesetzte Vielfalt der erzählerischen Mittel, die «Das Selbstexperiment» als Graphic Novel zwingend überzeugen lässt. Wer hätte das von einem scheinbar so «kopflastigen» Stoff schon erwartet?

Matthias Gnehm, Das Selbstexperiment, Edition Moderne, Zürich 2008, Franken 39.80

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