Familienmodell
Väter von kleinen Kindern finden Gefallen an Teilzeitarbeit

Teilzeitarbeit für Männer liegt im Trend. Besonders beliebt ist das reduzierte Pensum bei Vätern von Kindern unter sieben Jahren. Doch wieso ist Teilzeit-Arbeit bei Männern beliebter als bisher?

Karen Schärer
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Immer mehr Väter wollen auch wochentags für ihre Kinder sorgen.ISTOCK

Immer mehr Väter wollen auch wochentags für ihre Kinder sorgen.ISTOCK

Noch vor 20 Jahren waren Familien in der Schweiz traditionell organisiert: Fast alle (95,5 Prozent) Väter von Kindern im Alter von null bis sechs Jahren arbeiteten 1992 Vollzeit. Und mehr als die Hälfte der Mütter von Kindern im Vorschulalter ging keiner Erwerbsarbeit nach.

Heute ist das Bild ein anderes: Nur noch knapp 30 Prozent der Mütter verzichten auf eine Erwerbsarbeit. Und der Anteil der Väter, die Vollzeit arbeiten, wenn die Kinder klein sind, ist auf 88 Prozent gesunken.

Damit ist der Vater, der an einem Wochentag mit seiner Tochter oder seinem Sohn einkaufen geht oder einen Spielplatz-Stopp einlegt, kein Exote mehr. Und er bekommt von Jahr zu Jahr mehr Gesellschaft von anderen Vätern: Gemäss aktuellen Zahlen, die das Bundesamt für Statistik gestern publiziert hat, arbeiten mittlerweile 9,2 Prozent der Väter von kleinen Kindern in einem Pensum unter 90 Stellenprozent.

Der Anstieg zwischen 2011 und den neusten verfügbaren Zahlen aus dem Jahr 2012 ist deutlich: Er beträgt fast einen Prozentpunkt (von 8,3 auf 9,2 Prozent). Verglichen mit der Entwicklung in den beiden vorangegangenen Jahrzehnten ist der Sprung eindrücklich. In den Vorjahren kletterte der Anteil der Teilzeit arbeitenden Väter von kleinen Kindern nur sehr langsam an. 1992 lag der Anteil bei 3,3 Prozent.

Anders sieht es bei den Vätern von älteren Kindern (7 bis 14 Jahre) aus: Von ihnen setzen nur 6,3 Prozent auf ein reduziertes Pensum. Diese Zahl liegt seit mehreren Jahren konstant bei rund sechs Prozent. Auffällig ist, dass wieder mehr Väter ihr Pensum reduzieren, wenn die Kinder zwischen 15 und 24 Jahre alt sind: aktuell arbeiten sieben Prozent dieser Väter weniger als 90 Prozent. In welchem Pensum die Väter genau arbeiten, ist aus der Statistik nicht ersichtlich.

Jürg Wiler vom Projekt «Der Teilzeitmann» freut sich darüber, dass fast jeder zehnte Mann in den ersten Lebensjahren seines Kindes Teilzeit arbeitet. «Schade aber, dass viele Männer mit dem Schuleintritt ihrer Kinder ihr eigenes Erwerbspensum wieder aufstocken. Denn auch Primarschüler brauchen ihre Väter noch stark», sagt er.

Teilzeit-Boom dank Bundesgeldern

Es sind indes nicht nur die jungen Väter, die ihr Erwerbspensum reduzieren. Teilzeitarbeit findet unter Männern generell immer mehr Zuspruch: Arbeiteten Ende 2012 erst 13,8 Prozent aller Männer Teilzeit, waren es Ende 2013 schon 14,7 Prozent.

Wiler interpretiert den Anstieg als ersten sichtbaren Effekt der Teilzeitmann-Kampagne, die seit 2013 läuft. Ziel der während der ersten zwei Jahre vom Bund finanzierten Kampagne ist es, dass bis 2020 20 Prozent der Männer Teilzeit arbeiten. «Geht die Entwicklung so weiter, erreichen wir unser ehrgeiziges Ziel», sagt Wiler.

Für Wiler macht Teilzeitarbeit nicht nur für Väter von kleinen Kindern Sinn. Ein wichtiger Effekt von Teilzeitarbeit sei die Möglichkeit, sich von der immer höheren Belastung am Arbeitsplatz zu erholen, sagt er. Manche Männer reduzieren ihr Pensum, um eine Weiterbildung zu absolvieren oder um Angehörige zu pflegen.

Auch Altersteilzeit gewinnt an Beliebtheit: «Viele Männer über 50 überlegen sich, welche Arbeits- und Lebensmodelle es noch gibt – und entdecken die Teilzeitarbeit», sagt Wiler.

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