«Tatort»: Ungute Liebe, guter Sommer

Der vierte Fall aus dem Schwarzwald mit den Kommissaren Tobler und Berg.

Susanne Holz
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Kommissarin Franziska Tobler (Eva Löbau)

Kommissarin Franziska Tobler (Eva Löbau)

Die musikalische Klammer für den vierten «Tatort» aus dem Schwarzwald legt die Latte für den Rest des Films schon mal ziemlich hoch. Der Krimi beginnt mit Harry Styles und «Sign of the Times» (2017) und endet mit Rio Reisers «Für immer und Dich» (1986). Und sogar bei ihrem Titel bedient sich diese Folge aus Freiburg bei Rio Reisers Liebeslied.

Das Intro zum Song von Harry Styles möchte man sehr gern als so wundervoll gelungen bezeichnen wie dieses Lied selbst. Es zieht einen unverzüglich rein in die Handlung, die da wäre: Ungleiches Paar, er zu alt, sie viel zu jung, flüchtet vor sich selbst und den Widrigkeiten dieser Welt. Das Intro: blondes Mädchen in Bonbonfarben in rotem Auto, am Steuer der sehr viel ältere Freund, draussen: Hitze, Sommer, sehr viel Sonne.

Der Hintergrund: Die 15-jährige Emily (Meira Durand) ist seit zwei Jahren unterwegs mit dem gescheiterten Informatiker Martin (Andreas Lust). Nun geht’s zurück nach Deutschland, das Geld geht zu Ende. Ein Unfall. Eine Fahrerflucht, und das Geschehen nimmt seinen Lauf. Gedreht wurde im sehr heissen Sommer vor einem Jahr, und das sieht man der Folge an: Alle schwitzen in der sommerlichen Leichtigkeit, über die sich der Schatten einer unguten Beziehung legt. Kommissarin Tobler (die wunderbare Eva Löbau) macht Überstunden trotz Schwangerschaft, der gelassene Kommissar Berg (Hans-Jochen Wagner) sorgt fürs Lokalkolorit.

Dem SWR ist hier eine atmosphärisch ungeheuer dichte und dabei doch schwebende Charakterstudie eines pädophilen Mannes und eines Teenagers auf der Suche nach Geborgenheit gelungen. Ein bisschen tut es einem leid um Rio Reisers «Für immer und Dich». Dieses Meisterwerk und pädophile Liebe ...? Obwohl, wenn einer ein Riesenherz hatte, dann Rio.

«Tatort» aus dem Schwarzwald: «Für immer und Dich». Sonntag, 10. März, 20.05 Uhr, SRF 1.