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Andrea Berg: «Worüber soll ich mich denn auch aufregen?»

Wer nicht immer alles nur positiv sehen kann, sollte einen Bogen um Andrea Bergs 17. Album «Mosaik» machen. Denn mit ihren neuen Liedern verbreitet die 53-Jährige konsequenten Optimismus.
Steffen Rüth
Erfolgreich seit 25 Jahren - Schlagersängerin Andrea Berg. (Bild: Michael Kremer/Imago Images (Leipzig, 16. März 2019))

Erfolgreich seit 25 Jahren - Schlagersängerin Andrea Berg. (Bild: Michael Kremer/Imago Images (Leipzig, 16. März 2019))

Das muss man ja auch erst einmal schaffen. Nämlich jeder Situation und Lebenslage, und mag sie noch so unschön, um nicht zu sagen beschissen erscheinen, noch etwas Positives abzugewinnen. Und sämtliche Niederlagen und Enttäuschungen, die einem das Leben unweigerlich bereitet, so zu drehen und zu wenden, dass am Ende alles einen Sinn ergibt.

Aber darauf muss man sich eben einlassen, wenn man dieses Album hört. Und das, was Andrea Berg im Titelstück so treffend auf den Punkt bringt, nämlich «In jedem Scherbenmeer seh’ ich ein Mosaik», das sei tatsächlich ihre Lebensüberzeugung.

Worüber soll ich mich denn aufregen?

«Ich empfinde das Leben als ein grosses Geschenk», sagt sie. «Worüber soll ich mich denn auch aufregen? Ich habe zu essen, mein Kind ist gesund, meiner Mutter geht es gut. Ich bin über jeden Augenblick des Lebens wirklich dankbar.» Und so sei es ihr nicht schwergefallen, viel positive Energie in dieses Album zu stecken. «Vielleicht schaffe ich es mit ‹Mosaik› wieder, Menschen mitzunehmen, in den Arm zu nehmen, zu trösten.

Vielleicht sagen sie dann «Komm, Schwamm drüber, die Berg hat recht». Wer weiss, was morgen ist.

1992 veröffentlichte Andrea Berg ihre erste Platte und thront seitdem als Schlagersängerin auf jenem Olymp, auf dem sie erst viel später für Helene Fischer ein Stück zur Seite rücken musste. Das Gespräch mit der 53-jährigen gelernten Arzthelferin aus Krefeld findet in einem eher funktionalen als luxuriösen Hotel am Zürcher Flughafen statt.

«Was muss sie denn noch so kurze Röcke tragen»

Andrea Berg wirkt nicht die Spur angespannt, gestresst oder müde, obwohl sie gerade unentwegt durch den deutschsprachigen Raum hetzt, um für ihr Album zu werben. Sie sagt: «Ich muss gar nichts. Alles, was ich mache, mache ich aus Liebe. Sonst bin ich auch nicht gut.»

«Ich stehe jeden Morgen um 7 Uhr auf und arbeite an 7 Tagen die Woche. Und zwar weil ich es will.»

Mit Kritik im Internet, beteuert Berg, gehe sie gelassen um. «Wenn der eine oder andere schreibt ‹Die Berg ist bescheuert›, na ja. Von 500 Leuten sagen 498 ‹Super, kann man klasse drauf tanzen, tolle Frau›. Und zwei sagen: ‹Was muss sie denn in ihrem Alter noch so kurze Röcke tragen? Das geht gar nicht!›»

«Dann beschäftige ich mich doch nicht mit den zwei negativen Kommentaren.»

Berg greift zum Handy, sie macht ein Foto von sich und ihrem Gesprächspartner. Sie hat einen kleinen Fotodrucker dabei, ein Exemplar schenkt sie dem Journalisten, das andere wird sie später in ihr Tagebuch kleben, in dem sie Abend für Abend die Ereignisse und Begegnungen des Tages festhalte. Sie schreibe alles auf, sagt sie. «Egal, ob ich mit meinem Mann im Wald war oder ob ich mit René (Baumann, DJ Bobo) drei Stunden in Key Largo mit dem Kanu durch die Mangroven unterwegs bin und plötzlich das erste Manity meines Lebens sehe.» Das bitte was? Eine Seekuh, klärt Andrea Berg auf.

DJ Bobo, Naidoo und Bohlen als Co-Songschreiber

DJ Bobo, mit dem Berg seit Jahren zusammenarbeitet, ist einer von mehreren Co-Songschreibern und Produzenten des Albums. Auch Xavier Naidoo ist mit zwei Songs vertreten (auf «Ich bin wegen dir hier» singen beide im Duett). Und selbst Dieter Bohlen ist wieder mit von der Partie. «Dieter hat letztes Jahr zu mir gesagt, er habe keinen Bock mehr, im Studio zu arbeiten», sagt Andrea Berg. Sie hätten jedoch nach einem stundenlangen Gespräch über den Sinn des Lebens zwei wunderbare Songs geschrieben. Nämlich «Davon geht mein Herz nicht unter» und «Du musst erst fallen». Unüberhörbar hat sich auch Andrea Berg an heutige Musikvorlieben angepasst. Schlager boomt nach wie vor, aber auch deshalb, weil er sich stilistisch nicht mehr nennenswert vom deutschsprachigen Pop unterscheidet. Wer also etwa einen Mark Forster hört, der hält auch eine Andrea Berg aus, und manche Stücke auf «Mosaik» sind derart von Beats unterfüttert, dass auch ein David Guetta oder Calvin Harris hier seine Hände im Spiel haben könnte.

Traditionell-konservativ in den Texten

Das traditionelle bis konservative Element dieser Lieder findet sich indes in den Texten, in «Es geht mir gut» etwa wird die Frau von ihrem Mann für eine andere verlassen, die halb so alt ist wie er. Bis der Schlager den Feminismus entdeckt, dürfte es jedenfalls noch dauern, die Toleranz immerhin hat schon Einzug gehalten. Andrea Berg: «Warum gehen wir nicht aufeinander zu? Wir dürfen nicht gleich über jeden ein Urteil fällen, weil er vielleicht nicht so aussieht wie wir, weil er an einen anderen Gott glaubt oder weil er gleichgeschlechtlich liebt.»

«Verdammt noch mal, jeder von uns will doch nur ein kleines bisschen glücklich sein.»

Sie selbst hat nicht nur ihr berufliches, sondern auch ihr privates Glück gefunden. Seit 2007 ist Berg mit dem Spielerberater und Hotelier Uli Feber verheiratet, sie leben im schwäbischen Aspach in grossfamiliären Strukturen. Bergs Tochter Lena (20) aus einer früheren Beziehung, die Internationales Management studiert, wohnt ebenso im Dorf wie ihre Mutter sowie die Schwiegertochter und Kollegin Vanessa Mai, die wiederum mit Ferbers Sohn Andreas verheiratet ist. Wäre Platz, sollte man an dieser Stelle ein kleines Organigramm zeichnen.

«Auch wir verlieren uns nach all den Jahren manchmal im Alltag», sagt Andrea Berg über ihre Ehe. Dieses etwas sprachlose, selbstverständliche Aneinander-vorbei-Leben kenne wahrscheinlich jeder, der in einer langjährigen Beziehung lebt. Das Schöne sei: Man kann gegensteuern, sich Auszeiten nehmen und dafür sorgen, dass das gemeinsame Leben spannend und schön bleibt. «Sich miteinander zu beschäftigen, zu lachen und zu tanzen, das frischt die Liebe auf», sagt Andrea Berg.

«Die Liebe ist immer der richtige Weg ...»

Nicht, dass es den beiden so geht wie dem anderen deutschen Schlager-Power-Paar Helene Fischer und Florian Silbereisen, das sich nach vielen gemeinsamen Jahren getrennt hat. Andrea Berg ist mit beiden befreundet. «Das hat mich sehr getroffen und auch traurig gemacht», sagt sie. «Ich habe da wirklich Anteil drangenommen. Ich weiss, wie schwer es ist, mit so einer Situation umzugehen.» Aber auch hier sei es wichtig, nicht das zu tun, was die Leute von dir erwarten, sondern das, was dein Herz dir sagt. Denn Andrea Berg wäre nicht Andrea Berg, wenn sie nicht überzeugt wäre: «Die Liebe ist immer der richtige Weg, und am Ende wird alles gut.»

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