Unbekannte Perlen des Peloponnes

Die Oliven von Kalamata sind weltberühmt – die gemütliche Hafenstadt mit dem gleichen Namen steht touristisch noch etwas im Abseits. Zu Unrecht, wie ein Besuch auf dem ­südlichen Peloponnes zeigt. In der Region Messinien kann man antike Tempel, idyllische Buchten und eine spektakuläre Tropfsteinhöhle entdecken.

Text und Bilder: Werner Schelbert
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Begeistert nicht nur Archäologen: Die antike Stadt Messene, 30 Kilometer von Kalamata entfernt. (Bilder: Werner Schelbert)
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In Messene wird seit 30 Jahren ausgegraben.
Kalamata hat eine schöne Promenade, an der viele Lokale aneinandergereiht sind.
Die Altstadt Kardamyli mit Kirche.
Das neu erbaute und restaurierte Dorf Limeni.
Die Höhlen von Diros gehören zu den schönsten Europas.
Zweieinhalb Kilometer lang sind die Tropfsteinhöhlen.

Begeistert nicht nur Archäologen: Die antike Stadt Messene, 30 Kilometer von Kalamata entfernt. (Bilder: Werner Schelbert)

Ein lautes Gemurmel dringt aus dem Innern der kleinen Kirche in Evangelista bei Athen. Drinnen küsst eine Frau die heiligen Bilder und in Gold eingefasste Gebetsbücher. Ein griechisch-orthodoxer Priester mit langem weissen Bart setzt den Gläubigen ein Kreuzzeichen auf die Stirn und auf beide Hände. Auch ich stelle mich in die Reihe, um den Segen zu erhalten für meine bevorstehende Reise zum südlichen Peloponnes.

Wer Griechenland hört, denkt an Feriendestinationen wie Korfu, Santorini oder Kos. Wer aber hat schon von Kalamata gehört?

Die Stadt liegt im südlichsten Teil des griechischen Festlandes und ist mit dem Auto von Athen aus in rund drei Stunden zu erreichen. Das mediterrane Kalamata liegt inmitten von zum Teil felsigen Hügeln, überdies prägen Olivenbäume die Landschaft. Der nahe gelegene Strand mit Kieselsteinen und schmucken Restaurants lädt tagsüber zum Verweilen ein. Am Abend wiederum – wenn alte Lampen ein warmes Licht auf die pittoresken Gebäude werfen – ist die Innenstadt mit langer Flanierzone ein Highlight.

Etwas versteckt in einer Seitengasse ­befindet sich die Olivenölschule von George Koutelas. Der Händler erklärt uns, dass er die Oliven von Bauern aus der Umgebung bezieht und sie zu feinstem Öl veredelt. Aus kleinen Gläsern können wir Sorten mit unterschiedlichen Aromen degustieren. Das gelingt am besten, wenn man etwas Öl vom Mund über die Zunge in den Rachen gleiten lässt. «Hier in der Gegend wachsen die besten Oliven Griechenlands», behauptet Koutelas. Mit der letzten Ernte ist er allerdings unzufrieden: Zu viel Regen im Dezember liess viele Oliven verrotten.

Monumentale Arena einer antiken Stadt ausgegraben

Kalamata ist auch der Ausgangspunkt für Ausflüge in Messinien. Einer führt in das 30 Kilometer entfernte Bergdorf Mavromati, wo sich die Überreste der antiken Stadt Messene befinden. Die fünf Fussballfelder grosse Ausgrabungsstätte besticht unter anderem durch ein monumentales Stadion, das erst in den letzten Jahren ausgegraben wurde. Besonders eindrücklich: Die zahlreichen Säulen, die auf drei Seiten der Arena wieder aufgestellt wurden. Ausgrabungsleiter Petros Themelis strahlt übers ganze braungebrannte Gesicht. Er scheint sich aufrichtig über die paar Besucher zu freuen, die das weitgehend unbekannte archäologische Zentrum abseits des Touristenstroms besuchen. In gutem Deutsch erklärt er, dass er seit 32 Jahren die Ausgrabungen hier leitet und immer noch auf weitere bedeutende Funde stösst.

Wild und romantisch zugleich zeigt sich der Peloponnes auf der kurvenreichen Fahrt nach Kardamyli. Die Berg­stecke entlang steiler Felswände bietet eine traumhafte Aussicht auf das türkisblaue Meer ebenso wie auf Gischt umspülte Klippen. Auch das verschlafene Städtchen ist sehr sehenswert. Es bietet sich hier etwa ein Spaziergang durch die etwas erhöht gelegene Altstadt mit ihren restaurierten traditionellen Steinhäusern an. Unten am Meer scheint die Zeit stillzustehen: Wer sich entspannen will, ist hier genau am richtigen Ort.

Mit dem Holzboot in die ­Tropfsteinhöhle

Doch das Kleinod auf dem Peloponnes gilt auch vielen aktiven Naturliebhabern als Paradies: Auf markierten Wegen können hier etwa zahlreiche Wanderungen unternommen werden. Auch geführte Touren auf den höchsten Berg der Umgebung, den 2407 Meter hohen Taygetos, sind möglich. Für Mutige und Abenteuerlustige sind die ganz in der Nähe gelegenen Höhlen von Diros ein Anziehungspunkt. Sie zählen zu den schönsten Europas. Mit Schwimmwesten ausgerüstet, klettern wir in Holzboote. Die Reise mit dem wackligen Gefährt durch die gut zweieinhalb Kilometer langen, prächtig ausgeleuchteten Tropfsteinhöhlen wird von einem etwas mulmigen Gefühl begleitet. Aber der griechische Gondoliere, der in holprigem Deutsch die Entstehung der Stalagmiten und Stalaktiten erklärt, führt uns sicher und gekonnt durch das Labyrinth. Kulinarisch verwöhnen lassen wir uns im «Elies», einem idyllischen Gartenrestaurant mit einfachen, aber bekömmlichen Speisen.

Die Reise führt uns weiter zur Festung Mystras, fünf Kilometer westlich von Sparta. Die mittelalterliche Ruinenstadt ist überaus eindrücklich. Der französische Adlige Wilhelm II. von Villehardouin liess die Festung 1249 im steilen Hang bauen, um von hier aus das Eurotas-Tal kontrollieren zu können. 1262 gelangte Mystras in die Hände der Byzantiner. Eine rund einstündige Wanderung führt an byzantinischen Kirchen vorbei, die mit einzigartiger Architektur und mittelalterlichen Wandmalereien punkten. Weiter geht der Weg an verfallenen Ruinen vorbei – man fühlt sich wie im Märchen. Im Berghang mit traumhafter Aussicht auf Sparta thront das byzantinische Frauenkloster Pantanassa, welches 1428 erbaut wurde. Eine Klosterfrau treibt einen schwer beladenen Esel mit Getreide, Gemüse und sonstigen Esswaren zum Klostereingang. In einem kleinen Museum im Innern des Gebäudes wird die Geschichte des Klosters anschaulich dargestellt. Eine greise Nonne verwöhnt uns mit Süssigkeiten. Wir reagieren mit ein paar Euro, die wir in dankbare Hände legen.

Dieser Bericht entstand im Rahmen einer Pressereise, zu der Marketing Greece eingeladen hatte.