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«Übernachten in der Schweiz»: Das Märchenschloss Schadau, wo sich tout Thun trifft

Im historischen Schloss Schadau herrscht eine überraschend lockere und ungezwungene Atmosphäre. Gäste fühlen sich dank dem zuvorkommenden Service trotzdem wie im Fünfsternehotel.

Katja Fischer De Santi
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Vom See her sieht das Schloss besonders imposant aus.

Vom See her sieht das Schloss besonders imposant aus.

Bilder: zVg

Wie ein Märchenschloss steht es da, direkt am Thunersee, in einem verwunschenen Park und so reich verziert, dass es an Kitsch grenzt. Wie im Märchen fühlt man sich auch, wenn man auf dem Hotelbalkon steht: vor sich See, Eiger, Mönch und Jungfrau, neben sich die Aare und hinter sich ein Hotelzimmer wie aus einer anderen Zeit, aber mit einem Bad von heute. Im Schloss Schadau vermischen sich 165 Jahre wechselvolle Geschichte so locker mit Lebensfreude und zeitgenössischer Hotellerie, dass man nur staunen kann.

Erst vor gut einem Jahr wurde das Schlösschen, das seit 1952 der Stadt Thun gehört, aus einem langen und etwas unruhigen Dornröschenschlaf geweckt. Nach dem tragischen Selbstmord des letzten Erben – aus Liebeskummer soll Baron Alfred Denis Louis de Rougemont in den Thunersee gestiegen sein – fand man diverse Verwendungen für das Gebäude.

Ein Militär- und ein Gastronomiemuseum, ein Pfadiheim, ein Gourmetrestaurant und ein Notspital sollen darin untergebracht gewesen sein. Mehrere Male wäre das Schlösschen an aussichtsreichster Lage fast abgerissen worden, erzählt Geschäftsführer Roger Lehmann. Gerettet hat es jedes Mal die Thuner Bevölkerung respektive der gleichnamige Park ums Schloss.

Der Schadaupark ist, seit man sich hier erinnern kann, öffentlich zugänglich, und der Ort, wo die Thuner Leute den Seeanstoss erleben. Das wollten sie sich nicht nehmen lassen, und deshalb lebt Lehmann wie einst die Barone damit, dass sich tout Thun an schönen Tagen um sein Hotel versammelt, dass es auch einmal etwas lauter wird und sich auf der Terrasse Touristen mit Brautpaaren und Hotelgästen vermischen. Er sagt:

«Wir wollen ein offenes, zugängliches Haus sein.»

Und fügt an: «Drei Sterne an der Tür, aber fünf im Herzen, dazu eine Küche mit Niveau, aber auch, um sich satt zu essen.» Tatsächlich wähnt man sich, ob der herrschaftlichen ­Räume und dem zuvorkommenden Service eher in einem Fünf- als in einem Dreisternehotel.

Bilder: zVg

Zumal man sich in und um die Schadau einfach nicht sattsehen kann. Hat man sich an den prächtigen Seeblick gewöhnt, fallen einem die Details erst auf. Tudor-Gotik im Treppenhaus aus Sandstein, Neurenaissance in den herrschaftlichen Speisesälen, luftiger Jugendstil in den neun Hotelzimmern.

Bilder: zVg

Jeder Raum hat eine neue Entdeckung parat. Und wenig scheint auf den ersten Blick so, wie es tatsächlich ist. Marmor ist Holz. Holz ist Gips, Stuck ist Malerei, die Tapete ist aus Leder, das Auge wird dauernd getäuscht, Trompe- l’Œil nennt sich diese Technik.

Davon erholen kann man sich an der Bar, die mit einer auserlesenen und überraschenden Auswahl an Sherrys und Portweinen aufwartet. Und wenn man am nächsten Tag mit einem der Kursschiffe vor der Schadau aufkreuzt und alle Touristen entzückt den Fotoapparat zücken, dann kann man sich entspannt zurücklehnen und denken:

«Wenn ihr wüsstet, wie schön es erst drinnen ist.»