Kolumne

Tun ist Silber, Team ist Gold

Das Verflixte und zugleich Schöne am Teamgeist ist, man kann ihn nicht befehlen. Man muss ihn vorleben, schreibt unsere Sonntagskolumnistin Claudia Lässer.

Claudia Lässer
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Reden ist Silber, Schweigen ist Gold, so sagt man. Und welchen Wert hat das Tun? Gehört es nicht auch zu den Aktionen oder Reaktionen, mit denen wir mit der Welt interagieren? Ohne das Tun hat alles nur halb so viel Wert. Aber welchen Wert? Nicht einen, den man misst oder aufwiegt, sondern einen realen. Da ist etwas, das vorher nicht war. Eine Brücke, die verbindet, ein Essen, das satt macht, ein Pullover, der wärmt. All diese Dinge können wir nicht alleine tun. Wir brauchen den Ingenieur, den Bauern, den Weber. Das heisst für mich – Tun ist Silber, Team ist Gold.

Aber wie es so komprimierte Aussagen an sich haben, klammert auch diese etwas aus: Nur ein gutes Team ist Gold.

Was macht ein gutes Team aus?

In meiner beruflichen Karriere habe ich schon, wie viele von Ihnen sicher auch, in einigen Teams gearbeitet. Fernsehsender sind ein für mich hervorragendes Beispiel für Teamarbeit. Dort treffe ich auf Teams von Spezialisten, die sich als Team beweisen müssen, aber auch interdisziplinär funktionieren sollen. Am Schluss sieht der Zuschauer einfach eine Sendung. Zuvor aber haben Produzenten, Kameraleute, Tonmeister, Maske, Ausstattung, Werkstatt und Redaktion Hand in Hand gearbeitet. Ohne Team geht hier gar nichts.

Er kann Stars ersetzen

Über all die Jahre habe ich mal bessere, mal schlechtere Erfahrungen gemacht, sei dies team- oder projekt­bezogen. Im Nachhinein habe ich mich jeweils gefragt, warum etwas gut und etwas weniger gut lief, um für die nächste Aufgabe gerüstet zu sein. Gerade weil bei Fernsehsendern so viele Hände zusammenarbeiten, ist das Team entscheidend. Über dem Team steht aber noch etwas viel Grösseres, das unfassbar, flüchtig, fragil und doch unzerstörbar ist, wenn es gut ist. Der Teamspirit oder Mannschaftsgeist.

Er ist es, der ein Team fliegen lässt.

Er ist es, der uns etwas nicht ein bisschen gut oder gut, sondern so gut machen lässt, dass der Nächste in der Kette genau weiss, was zu tun ist und so seine Arbeit bestmöglich machen kann. An den nächsten und übernächsten Schritt denken, bildet Teamgeist und kann Stars ersetzen. Im Fussball sehen wir das sehr oft. Wenn jeder für den anderen rennt, können Teams, die auf einzelne Stars setzen, überflügelt werden. Das Verflixte und zugleich Schöne am Teamgeist ist, man kann ihn nicht befehlen. Man muss ihn vorleben. Und damit er gedeiht, braucht man die richtigen Teammitglieder. Teammitglieder, die wollen und an das Ganze denken.

Ausweiten auf die ganze Welt

In einem Betrieb sollte ein guter Teamspirit machbar sein. Schön wäre es, man könnte diesen Teamspirit auf eine grössere Gruppe ausweiten. Das Land, den Kontinent, die Welt. ­Natürlich nicht in allen Belangen, aber in Belangen, die uns alle angehen. Bildung, Klima, Gesundheit, Lebensqualität zum Beispiel.

Wir leben nun mal alle auf derselben Kugel. Das wurde uns wiedermal in Erinnerung gerufen, als vor einigen Tagen Zürich mit einem wunderschönen Abendrot beglückt wurde. Wie sich herausstellte, waren Waldbrände in Kanada die Ursache dafür. Diese wiederum kamen nicht zuletzt aufgrund der extremen Trockenheit zustande. Ich glaube, Sie wissen, worauf ich hinaus will.