Trumps Shutdown stört auch die Schweizer Ballonfahrer

Der Shutdown in den USA macht auch den Schweizer Ballonfahrern das Leben schwer. Denn diese beziehen ihre Wetterdaten vom staatlichen US-Wetterdienst, der nicht mehr arbeiten darf.

Bruno Knellwolf
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Wetterdaten sind für eine sichere Ballonfahrt entscheidend. (Bild: Mauritius/KEY)

Wetterdaten sind für eine sichere Ballonfahrt entscheidend. (Bild: Mauritius/KEY)

US-Präsident Donald Trump will die seinen Anhängern versprochene Mauer zur Grenze zu Mexiko – und zwar unbedingt. Doch solange die oppositionellen Demokraten im Parlament dafür kein Geld locker machen und sich die Parteien nicht auf eine Grenzsicherung einigen können, wird der Shutdown weitergehen – diese Haushaltssperre, welche die staatlichen Institutionen lahmlegt und die Bundesangestellten dazu zwingt, die Arbeit nieder­zulegen. 800000 Angestellte arbeiten deshalb derzeit ohne Lohn oder befinden sich im Zwangsurlaub.

Dieser verhinderte Mauerbau und der daraus entstandene Budgetstreit im fernen Amerika ist auch für die Ballonfahrer in unserem Land ein Hindernis, wie Stefan Zeberli vom Air Ballonteam in Andwil sagt. Seine Alpenüberquerungen und sonstigen Höhenflüge sind nicht mehr so zielgenau wie vor dem Shutdown. Der Grund dafür liegt bei der amerikanischen NOAA, der Nationalen Behörde für Ozeanografie, Meteorologie, Klima und Umwelt. Der staatliche US-Wetterdienst ist massgebend für die Ballonfahrer.

«Das NOAA-Wettermodell gewichte ich gerade bei Alpenüberquerungen am stärksten», sagt Zeberli.

Dieses Modell könne auf die längsten Reihen an Wetterdaten zählen und sei dank dieser Erfahrungswerte für die Ballonfahrt das Beste.

Um 25 Grad daneben

Doch nun sind die Ballonfahrer irritiert. «Ich habe diesen Winter schon fünf Alpenüberquerungen gemacht und bin in den vergangenen zehn Jahren nie so weit ­daneben gelegen gegenüber den Vorhersagen der Modelle», sagt der Ballonfahrer. «Bei der letzten Alpenüberquerung am 15. Januar bin ich 25 Grad anders gefahren, als die Modelle vorausgesagt ­haben. Ich bin sicher, dass der Grund bei den fehlenden Daten der NOAA liegt.» Vom Shutdown hatte Zeberli noch gar nichts mitbekommen, als er sich über die Ungenauigkeiten der Modellrechnungen gewundert hat. Also hat er bei Meteo Schweiz nachgefragt und dort erfahren, welche Probleme der amerikanische Wetterdienst zurzeit hat. Demnach leisten dort nur einige Meteorologen noch etwas Frondienst.

So fehlen NOAA-Daten, die für eine Ballonfahrt entscheidend sind. «Die Voraussetzungen für eine sichere Ballonfahrt sind wenig Bodenwind, das heisst beim Start und der Landung weniger als 15 Kilometer pro Stunde. Möglichst schönes Wetter, kein Nebel und Regen. Eine Bewölkung stört nicht», sagt Zeberli. Der Wind in höheren Lagen spiele, was die Sicherheit betreffe, dagegen keine Rolle.

«Im Dezember bin ich bei einer Windgeschwindigkeit von 150 km/h nach Italien gefahren. Das macht nichts», erklärt Zeberlin.

Er sei auch schon bei 170 km/h unterwegs gewesen. Bei der Planung der Ballonfahrt würden diese Windgeschwindigkeiten aber schon auch in Betracht gezogen. Schliesslich wolle man immer möglichst grosse Distanzen zurücklegen. Wegen der Einschränkungen durch die gesperrten Lufträume müsse man zusammen mit dem Wind den Weg finden, damit der Ballon am weitesten komme. Ballonflüge führen Zeberli in der Regel in eine Höhe zwischen 1500 und 2000 Meter. Über die Alpen geht es dann schon mal 5000 Meter in die Höhe. «Ich war auch schon auf 10000 Metern», sagt Zeberli. 200 Mal pro Jahr fährt Zeberlin mit dem Ballon, ist Ausbildner und Experte beim Bundesamt für Luftfahrt Bazl.

Meteorologen stützen sich nicht auf NOAA-Daten

Doch seit dem 10. Dezember funktionieren die Produkte der NOAA nicht mehr, die dem Ballonfahrer ausrechnen, wohin, in welcher Zeit und in welcher Höhe ihn der Wind leitet. Klickt man auf die Webseite der NOAA, ist zu lesen, dass diese Seite zurzeit nicht zur Verfügung stehe. «NOAA-Websites, die zum Schutz von Leben und Eigentum erforderlich sind, sind betriebsbereit und werden während dieser teilweisen Schliessung der US-Regierung aufrechterhalten.»

Die NOAA-Daten schauten sich übrigens nicht nur Ballonfahrer an, sagt Zeberli. Sondern auch Meteorologen weltweit und in der Schweiz. Zeberlin glaubt, dass die Wetterprognosen in der Schweiz in letzter Zeit etwas ­weniger konkret waren als sonst, und er hält einen Zusammenhang mit dem Shutdown für möglich.

Da widerspricht Daniel Gerstgasser von Meteo Schweiz. «Diese Aussage würde nur gelten, wenn sich die Prognose für die Schweiz ausschliesslich auf das Modell der NOAA stützen würde. Dies ist aber bei unseren Prognoseprodukten nicht der Fall, ganz im Gegenteil», sagt der Meteorologe. Viele auf dem Internet frei verfügbare Prognosedaten basierten aber auf den Berechnungen der NOAA. «Verschiedene Ballonfahrer arbeiten mit diesen Daten», sagt Gerstgasser.

«Meteo Schweiz betreibt aber einerseits eigene Vorhersagemodelle, andererseits stehen uns die Daten des europäischen Wettermodells zu Verfügung.»

Meteo Schweiz erstelle sämtliche Flugwetterprodukte mit diesen Daten, auch die Prognose für die Ballonfahrer. «Somit sind wir völlig unabhängig von den Modelldaten der NOAA, beziehen das amerikanische Wettermodell aber als Dritt- oder Viertmeinung in unsere Überlegungen mit ein», sagt Gerstgasser. Untersuchungen und Vergleiche hätten zudem gezeigt, dass das europäische Prognosemodell von der Qualität her weltweit führend sei. Deshalb werde es unter anderem auch in den USA für Vorhersagen verwendet.

Wie ungenau amerikanische Modelle zurzeit seien, könne er von hier aus schwer beurteilen, «weil wir nicht sehr intensiv mit den NOAA-Modellen arbeiten. Es kann aber durchaus sein, dass die Qualität der amerikanischen Modellrechnung etwas schlechter als üblich ist, da weniger Messdaten in die Wetteranalyse eingehen.» Gefährlich ist das Ballonfahren wegen des Shutdowns und der Arbeitsniederlegung bei der NOAA übrigens nicht, weil nicht nur die Meteorologen, sondern auch die Ballonfahrer die vielen anderen Modelle nutzen.