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Tod durch Fruchtsaft: Welche Krankheiten Touristen in den Sommerferien drohen

Bald beginnt die Ferienzeit, auf Reisen lauern viele Gefahren. Mit gutem Mückenschutz und Impfungen kann man aber schon viel erreichen. Gefährlicher als Krankheiten ist für Touristen aber oft der Strassenverkehr. In Thailand stirbt statistisch betrachtet jeden Monat ein Schweizer auf der Strasse.
Bruno Knellwolf
Feine Cocktails gehören für viele Menschen zu den Ferien. Doch Vorsicht - nicht überall ist es empfehlenswert, rohe Fruchtsäfte zu trinken. (Urs Jaudas/Symbolbild)

Feine Cocktails gehören für viele Menschen zu den Ferien. Doch Vorsicht - nicht überall ist es empfehlenswert, rohe Fruchtsäfte zu trinken. (Urs Jaudas/Symbolbild)

Diesen Namen hat man hierzulande noch selten gehört: Nipah-Virus. Seit Mitte Mai sind in Südindien erstmals Infektionen mit diesem Virus aufgetreten. 15 Menschen sind bereits gestorben. Die Infektion erfolgt über Baumfrüchte und die daraus hergestellten Säfte. Hat jemand eine Reise nach Indien geplant, schrillen die Alarmglocken. Tod durch den Fruchtsaft. Wie bei vielen Viruserkrankungen liegt der Wirt des Nipah-Erregers bei einem Tier, in diesem Fall bei Flughunden. Über deren Kot gelangt das Virus auf die Früchte und in den Dattelpalmensaft.

Christoph Hatz, Reise- und Tropenmediziner.

Christoph Hatz, Reise- und Tropenmediziner.

Deshalb gibt das deutsche Centrum für Reisemedizin aktuell einen oft gehörten Rat: Auf rohe Fruchtsäfte und ungewaschene, angebissene Baumfrüchte zu verzichten. Und aktuelle reisemedizinische Informationen einzuholen. Solche Beratung ­bietet Professor Christoph Hatz schon seit 37 Jahren am Schweizerischen Tropen- und Public- Health-Institut in Basel und nun auch in St. Gallen (siehe Kasten weiter unten).

Malaria

Keine Reisempfehlung gibt Hatz zurzeit für Venezuela, weil dort die Gesundheitsversorgung brachliege, und für die Kriegs­länder im Nahen Osten. Dorthin wird sich im Moment sowieso kein Tourist wagen. Eher in Länder Asiens und Afrikas, in denen nicht Krieg, sondern Bakterien und Viren drohen – und Moskitos. Denn eines der grössten Risiken auf Reisen ist immer noch Malaria. Am meisten in der Zentral­afrikanischen Republik.

Weltweit gehen die Malaria-fälle aber zurück, etwa um 37 Prozent. Dies dank verschiedener Projekte, die dank der Unterstützung der Bill-and-Melinda-Gates-Stiftung möglich waren. Verschiedene Massnahmen hätten zum Erfolg geführt, sagt der Reisemediziner: Am meisten das Aufhängen imprägnierter Moskitonetze. Ein anderes Beispiel stammt aus Asien. Dort hat man Fische in Tümpel ausgesetzt, welche die Larven der malariaübertragenden Mücken fressen. Die Malariafälle gingen durch diverse Massnahmen in Asien um bis zu 50 Prozent zurück.

«Am häufigsten betroffen sind Reisende nicht von Infektionskrank­heiten, sondern von Unfällen.»

Zudem gibt es wirksamere Medikamente gegen die Krankheit, die in armen Ländern heute günstiger abgegeben werden. «Allerdings sind in solchen Ländern zwei Drittel des Marktes in privater Hand. Deshalb ist es möglich, dass Menschen dort statt richtiger Medikamente Fälschungen erhalten», sagt Hatz. «Davon sind Touristen nicht ­betroffen. Diese haben das Geld, um in den Spitälern genug für die wirksamen Medikamente zu bezahlen.» Vorbei sind also die Zeiten, als man vor einer Reise nach Ägypten noch die damals schwer verträgliche Malariaprophylaxe einnehmen musste. Das Malariagebiet konzentriert sich auf die Region südlich der Sahara. Trotz der Erfolge in der Malariabekämpfung dürfe man keine Entwarnung geben. «Eine Malariaerkrankung kann nach drei Tagen dramatisch werden, nach zehn Tagen tödlich», sagt Hatz. Im Einzelfall ist die Krankheit somit schwerwiegend. «Wer aus einem Malariagebiet kommt und Fieber hat, muss sofort zum Arzt».

Denguefieber und Zika

Zugenommen haben dagegen die Fälle von Denguefieber, vor allem in Südamerika. Auch diese Krankheit wird durch Stechmücken übertragen. So wie auch das Zikavirus, das vor vier Jahren vor der letzten Fussballweltmeisterschaft zu reden gab. Schwangere wurden davor gewarnt, nach Brasilien zu reisen, weil das Kind im Bauch bei einer Ansteckung ir­reparable Schäden davon tragen könnte.

Auch das Denguefieber wird durch Stechmücken übertragen - im Bild ein imprägniertes Moskitonetz. (Keystone)

Auch das Denguefieber wird durch Stechmücken übertragen - im Bild ein imprägniertes Moskitonetz. (Keystone)

Die Angst sei damals übertrieben gewesen, sagt der Reisemediziner. Denn die Hauptübertragung finde nicht im Sommer statt, sondern zwischen Januar und April, dann wenn in Rio Karneval ist. Die Zikawelle sei zurzeit vorbei, das Virus aber natürlich nicht verschwunden.

Chikungunya

Noch eine auf Mückenstichen basierende Viruskrankheit zählt Hatz auf, die in Südamerika in den letzten Jahren epidemisch geworden ist: Chikungunya, eine Krankheit, die extreme Gelenkschmerzen verursacht. Deshalb gelte für alle, die in exotische Länder reisen, die gleiche Reiseempfehlung: guter Mückenschutz. Ein Wirkstoff auf der Haut und ein Insektizid auf die Kleider seien eine wirksame Kombination.

Gelbfieber/Hepatitis A

Nicht nur durch Mücken übertragene Krankheiten warten auf Touristen. «Gelbfieber ist erstmals seit vielen Jahren in Brasilien epidemisch ausgebrochen», sagt Hatz. Allerdings sei das für Reisende kein Problem, wenn sie sich dagegen impften. Auch gegen Hepatitis-A gibt es eine wirksame Impfung.

Vor der Reise in zahlreiche Länder ratsam: Eine Hepatitits-A-Impfung. (Keystone)

Vor der Reise in zahlreiche Länder ratsam: Eine Hepatitits-A-Impfung. (Keystone)

Gestern meldete das Bundesamt für Gesundheit jedoch einen deutlichen Anstieg auf 110 Fälle in der Schweiz im Jahr 2017. 96 Prozent der Hepatitis-A-Erkrankten waren nicht geimpft und steckten sich grossteils in Europa an.

Durchfall/Tollwut

Eine der häufigsten Reisekrankheiten ist Durchfall. Jährlich erkranken etwa elf Millionen Menschen daran, meist in Ländern mit schlechter Hygiene, übertragen durch kontaminiertes Wasser und Speisen. Eine weitere Reisegefahr ist die Tollwut. «In Indien sterben immer noch 50000 Menschen pro Jahr daran. Hat sich ein Tourist dagegen geimpft, geht die Wahrscheinlichkeit, wegen Tollwut zu Tode zu kommen, gegen null», sagt Hatz. Mögliche Tollwutkontakte seien allerdings häufig.

Vorsicht beim Kontakt mit Hunden in fremden Ländern - sie könnten tollwütig sein. (Keystone)

Vorsicht beim Kontakt mit Hunden in fremden Ländern - sie könnten tollwütig sein. (Keystone)

Unfälle/Sonnenbrand

Bei der Aufzählung möglicher Reisekrankheiten droht die Gefahr falscher Ängste.

Deshalb gibt Hatz zu bedenken: Am häufigsten betroffen sind Reisende nicht von Infektionskrankheiten, sondern von Sport- und Verkehrsunfällen. «In Thailand herrscht Linksverkehr. Einmal beim Überqueren der Strasse auf die falsche Seite ­geschaut – und Sie sind tot.» In Thailand kommt pro Monat ein Schweizer Tourist auf der Strasse ums Leben.

Immer schön eincremen - das schützt vor Sonnenbrand, genauso wie der Aufenthalt am Schatten. (Keystone)

Immer schön eincremen - das schützt vor Sonnenbrand, genauso wie der Aufenthalt am Schatten. (Keystone)

In einer Studie hat Hatz das Verhalten von Schweizer Touristen in Thailand untersucht. Am meisten wurde Sonnenbrand rapportiert. Deshalb gehört der Sonnenschutz zu jeder Reiseberatung. Zudem zeigte die Studie, dass viele Reisende psychische Probleme haben. Zum Teil waren die Studienteilnehmer während der ganzen Ferien extrem angespannt und hatten Angststörungen. Häufig klagten Reisende über Kopfweh. Da brauche es kein Aspirin, sondern Wasser. Diese Touristen seien meist völlig ausgetrocknet.

Hatz möchte aber festhalten: «Die meisten Reisebeschwerden sind harmlos, und Ferien sind etwas Positives.» Das Risiko, zu erkranken, werde generell kleiner. Man müsse keine Angst haben, aber doch Respekt vor möglichen Reisegefahren.

Hatz kommt wieder nach St.Gallen

Christoph Hatz hat als Facharzt für Tropen- und Reisemedizin zwischen 1991 und 2016 die Medizinisch-Diagnostische Abteilung am Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut in Basel geleitet. Von 2009 bis 2016 auch das Zentrum für Reisemedizin der Universität Zürich. Zwanzig Jahre war er Vorsitzender des Expertenkomitees für Reisemedizin, mehrere Jahre Mitglied der Eidgenössischen Kommission für Impf­fragen. Aktuell betreut der emeritierte Professor eine Studie des Schweizerischen Nationalfonds und ist Koordinator des Europäischen Netzwerks für Tropen- und Reisemedizin (Tropnet).Anfangs der 1980er-Jahre hat Hatz für zwei Jahre im Fach ­Innere Medizin am Kantonsspital St. Gallen gearbeitet. Nun kehrt er nach St.Gallen ­zurück und wird neu gemeinsam mit dem Reisemedizinteam der Infektiologie und Tropenmedizinern die Beratung Reisender betreuen.

Hinweis
Sprechstundenzeiten Reisemedizin: mit Termin: Dienstag 14.30–17.30, Donnerstag: 14 –16.30. Neu: Offene Sprechstunde ohne Terminvereinbarung: Donnerstag 17–19 Uhr.

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