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Harry Potter-Fortsetzung: Tiefer in die dunkelsten Geheimnisse

J.K. Rowling vergrössert mit «The Crimes of Grindelwald» ihre Zauberwelt. Zauberhaft ist der Film leider nicht.
Lory Roebuck

«Expecto Patronum», rief Harry Potter einst, schwang seinen Zauberstab und verjagte damit die Dementoren: dunkle Wesen, die böse in der Luft schwebten und unschuldigen Zauberern jeden Funken Freude aus der Seele saugten. Ähnlich fühlt es sich nun an, den neuen Kinofilm «Fantastic Beasts: The Crimes of Grindelwald» zu schauen. Bloss taucht am Ende kein Harry Potter auf, der alles rettet.

Aber von vorne: «The Crimes of Grindelwald» stammt aus der Feder von «Harry Potter»-Autorin J.K. Rowling, er ist der zweite Film in der «Fantastic Beasts»-Reihe (drei weitere folgen noch). Diese dreht sich um eine andere Generation von Zauberern, die siebzig Jahre vor Harry Potter lebte. Rowlings neuer Held heisst Newt Scamander (gespielt von Eddie Redmayne) und ist ein kauziger Aussenseiter. Im ersten «Fantastic Beasts»-Film von 2016 musste Newt eine Horde entlaufener Zauberkreaturen einsammeln, die in New York für Chaos und Unheil sorgten. Es war ein kurzweiliger, verschrobener, etwas beliebiger Filmspass.

Wiedersehen mit Dumbledore

Mit Teil zwei, «The Crimes of Grindelwald», zieht Rowling nun die Schraube deutlich an, in dem sie ihren Filmstoff näher an die aus «Harry Potter» bekannten Ereignisse und Schauplätze heranrückt. So kommt es im Film zum von vielen Fans heiss ersehnten Wiedersehen mit der Zauberschule Hogwarts sowie mit Harrys Mentor Albus Dumbledore – nun natürlich deutlich verjüngt. Die gute Nachricht: Der 45-jährige Hollywoodschauspieler Jude Law spielt die Rolle mit ähnlich frechem Charme wie seine Vorgänger Richard Harris («Harry Potter» 1 und 2) und Michael Gambon (Teile 3-8, nach Harris’ Tod).

Eddie Redmayne als Newt Scamander. (Bild: PD)

Eddie Redmayne als Newt Scamander. (Bild: PD)

Dumbledore ist es, der die Handlung von «The Crimes of Grindelwald» in Gang setzt: In seinem Auftrag soll Newt – der den Umgang mit gefährlichen Kreaturen immer noch jenem mit anderen Zauberern vorzieht – den bösen Magier Gellert Grindelwald (Johnny Depp) aufspüren. Dieser ist jüngst seiner Haft entflohen, mit der finsteren Absicht, die Menschheit den in seinen Augen überlegenen Zauberern zu unterwerfen.

Wessen Geschichte wird erzählt?

Grindelwald ist in «Fantastic Beasts» das Pendent zu Lord Voldemort in «Harry Potter». Im Prinzip erzählt Rowling dieselbe Geschichte von Neuem, ihre Leitthemen sind wieder Segregation, Rassismus und aufkeimender Faschismus. Und sie hat erneut das Schicksal ihres Helden mit jenem ihres Schurken verwoben: Dumbledore und Grindelwald, so der Film, waren sich einst nahe, «näher als Brüder», wie Dumbledore in einer Filmszene sagt.

Was uns zum grossen Fragezeichen hinter dieser «Fantastic Beasts»-Serie führt: Wessen Geschichte möchte Rowling hier eigentlich erzählen? Jene von Dumbledore, müsste die Antwort lauten, doch dessen Auftritt in «The Crimes of Grindelwald» ist kaum länger als sein sauber gestutzter Bart. Stattdessen folgt der Film vor allem Newt und seinen Freunden Tina, Queenie und Jacob. Ihre Bedeutung im Gesamtzusammenhang ist nach wie vor schleierhaft, weshalb ihre Abenteuer im Film weit weniger mitreissen als einst jene von Harry, Ron und Hermine.

Während Grindelwald im Film mit seiner silbernen Zunge Anhänger um sich schart – er hat es dabei vor allem auf den mysteriösen jungen Zauberer Credence (Ezra Miller) abgesehen – fragt sich das Kinopublikum, weshalb Dumbledore nicht selbst ins Geschehen eingreift. Doch das ist eines von vielen Geheimnissen, die der Film erst ganz zum Schluss preisgibt – überraschende Wendungen gehören zu Rowlings Markenzeichen.

Viele Ideen, wenig Emotionen

Anders als in den Potter-Romanen ist der Weg dorthin allerdings nur wenig aufregend. «The Crimes of Grindelwald» ist düster, zähflüssig und unübersichtlich. Man wird das Gefühl nicht los, dass Rowling ihre gewaltige Vorstellungskraft, ihre unendliche Ideenflut nicht zu bündeln vermochte. Dank grossartigen Special Effects und prächtiger Ausstattung ist auch die Zauberwelt in «Fantastic Beasts» ein Augenschmaus – doch dahinter fehlt das, was einen guten Film ausmacht: Emotionen, Rhythmus und ein Element X, das das Publikum verzaubert. «The Crimes of Grindelwald» wirkt wie eine Episode einer Fernsehserie – mit dem grossen Nachteil, dass man sich auf die nächste Episode noch zwei Jahre lang gedulden muss.

Keine Frage, J.K. Rowling weiss, wie man eine mitreissende Geschichte erdichtet. Doch den Beweis, dass sie eine solche auch in die Form eines Filmdrehbuchs zu bringen vermag, ist sie bislang noch schuldig geblieben. Rowling hat sieben Romane für die Ewigkeit verfasst – und zwei Filme zum Vergessen.

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