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Tiefe Wasserstände und kalter Mai: Mit der Winterjacke in die Badi

Am Samstag machen an vielen Orten in der Ostschweiz die Badeanstalten wieder auf. Doch diesen Mai ist es so kalt, wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Zudem sind die Wasserstände tief und es ist zu trocken in der Schweiz.
Bruno Knellwolf
Der Gang ins Wasser ist zur Zeit weit: Der Seepegel des Bodensees ist noch tief. (Bild: Benjamin Manser (Arbon, 7. Mai 2019))

Der Gang ins Wasser ist zur Zeit weit: Der Seepegel des Bodensees ist noch tief. (Bild: Benjamin Manser (Arbon, 7. Mai 2019))

Kappe, Schleife und Handschuhe liegen noch in der Garderobe. Der Frost hat uns heimgesucht und den Obstbauern den Angstschweiss auf die Stirn getrieben. Die soeben aus den Blüten geschlüpften Früchte vertragen keine Minustemperaturen. Doch Schnee und Kälte zum Trotz: Am Wochenende laden die Badeanstalten in der Schweiz an vielen Seeufern zur Eröffnung. Nichts für Warmduscher, wie ein Blick auf die Wassertemperaturen zeigt. An der Messstelle am Goldacher Bodenseeufer misst das Thermometer des Bundesamts für Umwelt gerade mal 6,6 Grad Celsius beim Flusseinlauf. Im Bodensee selbst sind es 9,7 Grad und auch der Vierwaldstättersee ist 10 Grad kühl.

Auch die Lufttemperaturen sind für einen Mai aussergewöhnlich tief, wie Stephan Bader von der Abteilung Klima von Meteo Schweiz bestätigt. «Was auffällt, ist der aktuelle Tiefstwert im Minusbereich», sagt Bader. Die Klimaänderung mit der Erwärmung aller Jahreszeiten habe zum Beispiel in St.Gallen dazu geführt, dass die Lufttemperatur in den vergangenen drei bis vier Jahrzehnten im Mai nur noch ganz selten in den Minusbereich gesunken ist. Letztmals war das im Jahr 1995 der Fall.

So kalt war es im Mai schon lange nicht mehr

Letztmals kälter als diesen Mai war es gemäss den Messungen von Meteo Schweiz im Jahr 1979. «Solch tiefe Werte im Mai sind also nicht typisch», sagt Bader. «Kalte Extreme sind heute kaum mehr zu beobachten, während warme Extreme häufiger auftreten.» Das bedeutet zunehmend höhere Monatstemperaturen, mehr Hitzewellen, mehr Sommer- und Hitzetage. «Beobachtet und inskünftig erwartet wird auch eine Zunahme der Häufigkeit und der Intensität von stärkeren Niederschlägen», sagt der Klimatologe.

Deutschland fürchtet sich vor Dürresommer

Zurzeit allerdings herrscht trotz einiger Spritzer hierzulande grosse Trockenheit. Die deutsche Tageszeitung «Südkurier» fragt sogar: «Droht der nächste Dürresommer?». Mit Grund: Knochentrockene Äcker, erste Waldbrände bereits im April – in Deutschland werden Erinnerungen an das ausgedorrte 2018 wach. Auch in der Schweiz war das vergangene Jahr sehr trocken. Bader sagt:

«Der Regenmangel im Sommerhalbjahr 2018 erreichte eine neue Rekorddimension»

Die Regenmenge lag 31 Prozent unter der Norm. Seit Messbeginn 1864 gehört das Sommerhalbjahr 2018 zu den zehn trockensten.

Die Regenarmut im Sommerhalbjahr 2018 sei aber nicht Teil des Klimatrends. Die sommerliche Regenmenge ist über die letzten Jahre betrachtet stabil. Im Trend sei dagegen, dass die höheren Sommertemperaturen die Verdunstung verstärken. Das und nicht fehlende Niederschläge führten zu häufigerer Trockenheit im Sommer.

Zu trocken ist es nun schon im Frühling, vor allem in der Nord- und Westschweiz. Trotzdem sagt Massimiliano Zappa von der Forschungsanstalt Wald, Schnee und Landschaft WSL: «Die Situation in Deutschland ist aktuell nicht mit der Situation in der Schweiz vergleichbar.» Mit Dürre und Wassermangel ist nicht zu rechnen, weil vor allem im Einzugsgebiet des Alpenrheins aktuell gemäss dem WSL mehr Schnee liegt als im Durchschnitt. Wird es wärmer, werden die momentan eher unter der Norm liegenden Seepegel dank der Schneeschmelze ansteigen, wie Zappa erklärt.

Im Mittelland hat es zu wenig Grundwasser

Das im Sommer 2018 kumulierte Regendefizit habe sich zudem nicht weiter verschärft. Das sei für die Seen und für das Grundwasser entlang der grossen Flüsse und Gewässer ein gutes Zeichen, sagt Zappa. Im Mitteland weg von den Seen sehe das etwas anders aus. Dort leide man, was das Grundwasser betrifft, noch unter den Folgen der Trockenheit im Jahr 2018. Während der Vegetationsperiode reichen dort normale Regenfälle nicht, um die Speicher wieder zu füllen.

Wasserknappheit, wie in Deutschland befürchtet, droht aber nicht und auch die Stromversorger können auf gut gefüllte Speicherseen blicken, die in der Norm und leicht höher seien als im Vorjahr. Der Schweiz stehen gewaltige Wassermengen zur Verfügung: Rund 120000 Millionen Kubikmeter in den natürlichen Seen und 3000 Millionen in den Speicherseen. Von den Speicherseen sind rund 98 Prozent der Kapazität nutzbar, bei den Seen sind es rund 1,5 Prozent. Die Schweiz bleibt ein Wasserschloss, zum Baden ist das Wasser aber noch für eine Weile viel zu kalt.

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