Tibeter zünden Butterkerzen an

ADVENT IN DER WELT

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ADVENT IN DER WELT

Für uns Tibeterinnen und Tibeter ist das besondere Datum in der Adventszeit der 8. Dezember. Dann feiern wir das Fest Ganden Ngachoe. An diesem Tag zünden wir Butterkerzen an, beten für alle Lebewesen und essen gemeinsam «Tukpa», eine wärmende und leckere Nudelsuppe zur kalten Winterzeit. Ganden Ngachoe wurde zum Gedenken an einen bedeutenden Reformer namens Tsongkhampa ins Leben gerufen. Tsongkhampa ist der Gründer der Gelug-Schule, einer von vier Hauptschulen des tibetischen Buddhismus.

Wir haben das Glück, dass wir unsere Religion ausleben können. Aber uns ist nicht zum Feiern zumute wegen der unerträglichen Lage in Tibet. Tibeter und Tibeterinnen können in Tibet nicht einmal daran denken, zu feiern. Seit Februar des Jahres 2009 haben sich bereits 102 tibetische Frauen und Männer aus Protest gegen die chinesische Herrschaft über Tibet selbst verbrannt.

Entfernte Verwandte von mir wohnen noch in Tibet, und mein Vater war vor drei Jahren dorthin gereist. Er erlebte ein massives Aufgebot von Militär und Polizei und wurde ständig von einem Chinesen auf der Reise «begleitet». Tibeter und Tibeterinnen empfinden das so, als wäre die ganze tibetische Region ein grosses Gefängnis.

Ich bin in der Schweiz geboren und aufgewachsen. Ich feiere auch Weihnachten und nehme gerne teil an spannenden und bunten Festen von verschiedenen Religionen. Ich bin überzeugt, dass die Religionen die gleiche Seele haben. (Notiert: R. A.)

Dawa Kongpo, Flawil