Thailand will das nicht sehen

Ein japanischer Film behandelt das Thema Kinder im Sexgeschäft – und wird von Thailands Behörden prompt verbannt.

Willi Germund/Bangkok
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Wörtlich übersetzt bedeutet Thailand das «Land der Freien». Umgetauft auf den stolzen Namen wurde das frühere Königreich Siam 1939 ausgerechnet von einer Militärdiktatur. Jetzt beweisen die Behörden Thailands, das sie bis heute Probleme mit dem seit 70 Jahren gültigen Namen haben.

Just zum Beginn des 6. Internationalen Filmfestivals in Bangkok wurde der japanische Film «Children of the Dark» verboten. «Wir waren bereit zu kürzen», erzählte gestern Regisseur Junji Sakamoto, «aber die Organisatoren bestanden darauf, das wir ihn im Original vorführten.» Thailands Filmbehörde sah das anders. Der Streifen, in dem ein Fotograf und ein Mitarbeiter einer fiktiven Hilfsorganisation versuchen, Kinder vor dem Sexgeschäft und dem Handel mit Organen zu retten, solle nicht gezeigt werden, teilten die Beamten dem Festivalausrichter, der Tourismusbehörde von Thailand, mit – und die untersagten darauf die Vorführung.

Das Festival, als Konkurrenz zu dem anerkannten Filmfestival im südkoreanischen Pusan konzipiert, landet damit neuerlich mitten in einer Kontroverse. 2007 wurde auf Verlangen der iranischen Botschaft ein französischer Trickfilm verboten, in dem es um das Verhältnis eines Mädchens zur islamischen Revolution ging.

Aber «Kinder der Dunkelheit», ein fiktiver Film mit brutalen Szenen, erregte Argwohn im «Land der Freien», weil es um ein sensibles, Thailand betreffendes Thema geht: Das Sexgeschäft mit Kindern gehört hier wie in andern Ländern Südostasiens zur grausigen Realität. Doch während die Kooperation lokaler Strafverfolger mit internationalen Kollegen etwa in Kambodscha zunehmend besser klappt und Dutzende von europäischen Pädophilen verurteilt oder abgeschoben wurden, arbeitet die Polizei in Thailand nicht konsequent. «Die tun nur was, wenn es nicht mehr anders geht», stöhnt ein europäischer Kriminalbeamter in Bangkok, «wir haben unsere Arbeit gegen Pädophilie in Thailand deshalb praktisch einstellen müssen».

«Unser Film zeigt ein Problem, das überall in Asien existiert», sagt Regisseur Sakamoto, «wir wollten auf das Thema aufmerksam machen.» Doch genau das möchten Thailands Behörden nicht. Sie verweigerten bereits die Genehmigung für die Dreharbeiten, nachdem sie das Skript gelesen hatten. Sakamoto umging das Verbot mit einer thailändisch-japanischen Co-Produktion, für die keine Genehmigung nötig war.

Mit dem neuesten Eingriff ist dem Filmfestival in Bangkok wohl das Grab geschaufelt worden. Die Mehrzahl der 78 gezeigten Streifen stammt aus thailändischer Produktion. 2006 waren noch Oliver Stone oder Catherine Deneuve gekommen. Diesmal gibt es keine (ausländische) Prominenz.

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