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Reise nach Israel: Tel Aviv gibt den Takt vor

Tel Aviv hat sich zu einer Trenddestination entwickelt. Während sich die Metropole am Mittelmeer betont modern gibt, prallen 65 Kilometer landeinwärts in Jerusalem Welten aufeinander.
Text und Bilder: Evelyne Fischer
Von der Hafenstadt Jaffa aus bietet sich ein spektakulärer Blick auf die Skyline und die Strandpromenade Tel Avivs. (Bilder: Evelyne Fischer)Von der Hafenstadt Jaffa aus bietet sich ein spektakulärer Blick auf die Skyline und die Strandpromenade Tel Avivs. (Bilder: Evelyne Fischer)
Tel Aviv besticht mit schönen Pärken.Tel Aviv besticht mit schönen Pärken.
Strassencafés in Tel Aviv.Strassencafés in Tel Aviv.
Einbahnverkehr und Radstreifen in Tel Aviv.Einbahnverkehr und Radstreifen in Tel Aviv.
Am Vorabend des Sabbat besonders bevölkert: die Klagemauer in Jerusalem, dahinter erhebt sich der Felsendom.Am Vorabend des Sabbat besonders bevölkert: die Klagemauer in Jerusalem, dahinter erhebt sich der Felsendom.
Darf in Jerusalem nicht fehlen: ein Besuch des Mahane-Yehuda-Markts.Darf in Jerusalem nicht fehlen: ein Besuch des Mahane-Yehuda-Markts.
In der Grabeskirche.In der Grabeskirche.
Blick auf das Westjordanland.Blick auf das Westjordanland.
8 Bilder

Tel Aviv gibt den Takt vor

Diese Zeilen handeln von einer 110-Jährigen, die sich anschickt, einen Bogen zwischen Tradition und Moderne zu schlagen. Sie handeln von Tel Aviv, der wirtschaftlichen Taktgeberin Israels, der Metropole am Mittelmeer, der Heimat strenggläubiger Juden, der Schwulenhauptstadt des Nahen Ostens. Gegründet im April 1909, von 66 jüdischen Familien, in den Dünen nördlich von Jaffa, einer orientalisch-arabisch geprägten Hafenstadt. In Tel Aviv, übersetzt «Frühlingshügel»-Stadt, leben heute 450'000 Menschen. Drei Millionen Einwohner zählt der Grossraum, fast ein Drittel der Gesamtbevölkerung Israels.

Wenn die Vögel zum Überwintern vom Norden in den Süden ziehen, beginnt in Tel Aviv die Hauptreisezeit. Israel hat sich zu einer Trenddestination gemausert. Alleine im Jahr 2017 betrug das Plus von Touristen aus aller Welt rund 25 Prozent. Total reisten über 3,5 Millionen Besucher ins gelobte Land. Mittlerweile soll die 4-Millionen-Grenze geknackt sein. Mit 40 Regentagen pro Jahr ein Paradies für Sonnenanbeter.

Auf dem «Schiffsdeck» geht’s Richtung Süden

Für einen ersten Eindruck empfiehlt sich ein Spaziergang entlang des Meeres. Gestartet wird beim alten Hafen, der sich heute mit Cafés, Restaurants und Läden als Freizeitareal entpuppt. Rund vier Kilometer schlängelt sich die Promenade gen Süden. Der Weg ist teils gepflastert, teils aus Holz gebaut. Palmen links und rechts. «Besucher sollen sich auf einem Schiffsdeck wähnen», sagt Isaak «Itzik» Shani (72), der Touristen seine Heimatstadt näherbringt. Ein Senior mit viel Schalk, die Augen blau, die Haare kurz und grau, die Haut sonnengegerbt, an den Backen bläulich geädert. Seit Jahren arbeitet er als Reiseleiter.

Die See ist rau. Wellen peitschen an die Brandung, meterhohe Gischt sorgt für Frische im Gesicht. Bereits vormittags sind Surfer zu sehen. Hier tollen Kinder auf Spielplätzen, dort stählen junge Männer ihre Muskeln an Outdoor-Fitnessgeräten. Da treffen sich Freunde zum Matkot, dem populären Strandballspiel, einige Schritte weiter lässt sich ein Tanzkurs beobachten; Jogger sind unterwegs. Itzik Shani sagt:

«Gerade am Shabbat gibt es für viele in Tel Aviv nur zwei Varianten: schlafen oder Sport machen.»

Was bei Christen der Sonntag ist, ist für Juden der Samstag: Am Shabbat wird geruht, nicht gearbeitet.

Strandpromenade, Stadtpark, Skyline

In der Hafenstadt Jaffa angelangt, gilt es beim Park Gan HaPisga die Kamera zu zücken. Spektakulär ist der Blick auf die Strandpromenade, den fast 30 Hektaren grossen Charles-Clore-Park, die Skyline. Wem es zu Fuss zu langsam vorwärtsgeht, der greife auf ein Leihvelo zurück. Die Orientierung in Tel Aviv gestaltet sich einfach.

Strassen sind hebräisch, arabisch und englisch beschriftet.

Einige Hauptverkehrsadern sind mehrspurig, ansonsten gilt oft Einbahn, Radwege sind ausgeschildert.

Souvenirjäger schauen beim Carmel-Markt vorbei, Shopping Queens steuern derweil das Dizengoff Center oder die TLV Fashion Mall an. Gleich nördlich davon ist ein geschichtsträchtiger Flecken angesiedelt:

Im Sarona-Viertel finden sich Überreste der einstigen deutschen Templer-Kolonie, einer christlichen Religionsgesellschaft.

Heute beherbergt die Siedlung Boutiquen, Designer-Shops, Restaurants und eine Markthalle. Dazwischen viel Grün, Attraktionen für Kinder, Sitzbänke für Eltern. Um ins Stadtzentrum zurückzukehren, drängt sich der Rothschild Boulevard auf. «Bürgermeister Ron Huldai hat die Allee ausbauen lassen», erzählt Reiseleiter Shani unterwegs. Die Strasse war ein eigentlicher Wahlkampfhelfer: Seit 2008 im Amt, wurde Huldai im November für eine fünfte Legislatur wiedergewählt.

Schlendern auf dem Sderot Rothschild

Der Sderot Rothschild beweist erneut: In Tel Aviv findet das Leben draussen statt. Gutbesuchte Cafés unter Bäumen, Spielplätze und wiederum Velowege.

Fielen bislang vor allem die vielen Stromleitungen und Satellitenschüsseln an den Gebäuden auf, fesseln nun die Zeugnisse der Bauhaus-Architektur links und rechts des Boulevards. 2019 jährt sich die Gründung der Weimarer Bildungsstätte für Architektur, Kunst und Design zum 100. Mal. Dass deutsche Architekten in Tel Aviv Spuren hinterlassen haben, war den Nationalsozialisten geschuldet:

Viele der Architekten waren jüdischer Abstammung und flüchteten vor dem Regime Hitlers.

Rund 4000 Bauhaus-Gebäude prägen die Architektur Tel Avivs. Erkennbar etwa an Balkonen, welche die Fassade quasi umklammern.

Um die Eindrücke zu verdauen, empfiehlt sich ein Absacker in einer Bar. Tel Avivs Nachtleben ist vielen ein Begriff. Der Schlummertrunk hat seinen Preis: Cocktails kosten rund 12 Franken, ein Bier schnell mal 5 Franken. Günstiger trinkt, wer irgendwo ausserhalb des Stadtzentrums einkehrt.

Jerusalem – eine Stadt, drei Weltreligionen

«Tel Aviv ist das klopfende Herz Israels, Jerusalem sein religiöses Zentrum», sagt Itzik Shani auf der Fahrt landeinwärts. 65 Kilometer und einige Hügel weiter erhebt sich die Heilige Stadt. Knapp 800 Meter über Meer. Im Gegensatz zu Tel Aviv markieren in Jerusalem Polizei und Militär Präsenz. Zum Nahostkonflikt äussert sich Shani nur zögerlich.

«In Israel leben wir mit der Bedrohung, aber deswegen zieht man nicht einfach weg. Wir haben hier auch vieles aufgebaut.»

Jerusalem ist einzigartig: In Gehdistanz finden sich hier die wichtigsten Stätten dreier Weltreligionen: Juden strömen zur Klagemauer, Christen pilgern zur Grabeskirche, Moslems schreiten zum Felsendom auf dem Tempelberg. Ein Besuchermagnet ist auch der Mahane-Yehuda-Markt. Händler um Händler hat sich eingereiht. 200'000 Menschen täglich sollen durch die engen Gassen drängen. Hier gibt’s einen Halt fürs Kosten von Halva, einer Süssware aus Sesam, dort einen Stopp für die zuckersüssen Medjool-Datteln, ein Mitbringsel für daheim. Freitags ist der Markt besonders bevölkert. «Alle kaufen ein und kochen für Shabbat vor», sagt Shani.

Am Shabbat wird Israel der Stecker gezogen. Buchstäblich.

Mit Sonnenuntergang kommt der öffentliche Verkehr zum Stillstand. In manchem Hotel ist die Drehtür ab dann ausser Betrieb, der Lift hält von allein auf jeder Etage, statt Cappuccino aus dem Automaten gibt’s warmgehaltenen Filterkaffee. Weil samstags geruht wird, kehrt man freitags vor: Nirgends fehlt Challah in der Einkaufstasche, das Shabbat-Brot, ein traditioneller Hefezopf.

Mit Liste und Batzen auf Marktbesuch

Wer noch weiter in die Kulinarik des Nahen Ostens eintauchen will, meldet sich bei Ruth Yudekovitz. Bei «Shuk and Cook» lässt sie Touristen auf dem Markt (Shuk) von dannen ziehen, ausgerüstet mit Einkaufszettel und einem Batzen in der Landeswährung Schekel. Später bittet sie in Abu Tor, einem jüdisch-arabischen Viertel, zu sich nach Hause. Mit anpacken ist Ehrensache. Ruth Yudekovitz, ungeschminkt, das Haar dicht, nussbraun und schulterlang, hat über 15 Jahre eine Firma im Grafikbereich geführt, seit 12 Jahren nun lebt sie ihren Traum. In den USA in einer jüdischen Familie geboren, erläutert sie auf Englisch die Gerichte: Es locken gebackene Auberginen mit Granatapfel und Minze; «Jerusalem Kugl», eine Art gezuckerter Nudelauflauf, oder «Kubbeh Soup» – Griessteigtaschen in einer Zucchetti-Randen-Suppe. Aufgetischt werden gefüllte Weinblätter, die mit Hackfleisch hergestellten Köfte oder Feta-Zigarren – Schafskäse im Strudelteig.

Zum Dessert serviert Yudekovitz Tee mit Zitronengrasaroma und Rugelach, eine Art Mini-Schoggigipfeli mit Frischkäse.

Mit vollem Bauch geht’s zurück in die Gassen Jerusalems. «Sie sind genau zwei Esel breit», sagt Itzik Shani beim Gang durch die Via Dolorosa, einen dem Leidensweg Jesu Christi nachgebildeten Wallfahrtspfad. Der Weg führt am Österreichischen Hospiz zur Heiligen Familie vorbei. «Es lohnt sich, im Wiener Kaffeehaus den Apfelstrudel zu kosten», sagt Shani. Empfehlenswerter ist es allerdings, einige weitere Stufen unter die Füsse zu nehmen: Die Dachterrasse bietet beste Sicht auf die Altstadt.

Langsam dunkelt es ein. Immer mehr Gläubige bewegen sich zur Klagemauer, wo Kulturen aufeinanderprallen. Koreanerinnen rücken sich fürs Selfie zurecht, daneben beten Juden, bewegen dabei ihren Oberkörper vor und zurück; einige mit fellverbrämtem Schtreimel auf dem Kopf, bei anderen baumeln Schläfenlocken unter breiten Hüten. Die blaue Stunde naht, golden leuchtet die Kuppel des Felsendoms. Erneut ein Griff zur Kamera – im Wissen darum, dass sich die Magie des Moments später nur noch erahnen lässt, aber immerhin immer wieder aufs Neue das Fernweh weckt.

Ein Land, das bei der Einreise Geduld verlangt

Anreise: Direktflug ab Zürich mit El Al oder Swiss in rund vier Stunden zum Flughafen Ben Gurion. Kosten: rund 400 Franken. Wegen umfassender Sicherheitschecks und individueller Befragung am Flughafen Zürich gilt es, frühzeitig zu erscheinen (rund drei Stunden vor Abflug). Für eine erleichterte Einreise bietet Kuoni VIP-Arrangements an. Kosten: 134 Franken pauschal für maximal vier Personen. Die Währung in Israel ist der Schekel.
Essen & Trinken: Unbedingt vor Ort probieren sollte man Falafel, Hummus (Kichererbsenpüree), Shakshuka (pochierte Eier in Tomatensauce) und Halva (Sesamkuchen). Ein Tipp für Liebhaber von Fisch und Meeresfrüchten: Restaurant Yulia am Hafen von Tel Aviv, Port Building 2. Für Feinschmecker: Restaurant Kitchen Market im Farmers Market beim Alten Hafen von Tel Aviv, Hangar 12, zweiter Stock. Für Experimentierfreudige: Bei «Shuk & Cook» geht’s zunächst auf den Markt in Jerusalem und dann ab in die Küche, rund 225 Franken pro Person. Für Weinliebhaber: Besuch des Weinguts Bravdo in der Shefala-Ebene, Degustation und Führung möglich.
Übernachten: Tal By The Beach, 4 Sterne, 287 Hayarkon Street, Tel Aviv. 300 Franken pro Zimmer und Nacht.

Dieser Text entstand auf Einladung von Kuoni, einem Unternehmen von DER Touristik Suisse.

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